Gemeindepsychiatrischer Verbund

Psychiatrische Versorgung bleibt trotz Corona erhalten

Dr. Florence Hellen (v. l.), Dagmar Eickenberg und Dr. Thomas Hummelsheim vom Gemeindepsychiatrischen Verbund. Foto: Christian Beier
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Dr. Florence Hellen (v. l.), Dagmar Eickenberg und Dr. Thomas Hummelsheim vom Gemeindepsychiatrischen Verbund.

Der Gemeindepsychiatrische Verbund sieht in Solingen nur wenige Einschränkungen der Angebote.

Solingen. Monatelang in den eigenen vier Wänden und von sozialen Kontakten abgeschnitten sein, große Unsicherheit, wie es mit dem eigenen Job oder dem kleinen Familienbetrieb weitergeht – solche Sorgen kannten wohl viele Solinger während der Lockdowns im Zuge der Corona-Pandemie. Dass eine solche Ausnahmesituation auch zu psychischen Erkrankungen führen oder diese begünstigen kann, darin sind sich die Mitglieder des Gemeindepsychiatrischen Verbundes (GPV) Solingen einig. Wer aus diesen Gründen seit Beginn der Pandemie Hilfe benötigt habe, habe sie trotz aller organisatorischen Schwierigkeiten in Solingen auch erhalten, so der Tenor unter den Einrichtungen.

Zwischen 800 und 1000 Anrufe seien im vergangenen Jahr beim Krisentelefon (Tel. 02 12 / 24 82 10) des Psychosozialen Trägervereins (PTV) Solingen eingegangen, schätzt dessen Vorsitzender Dr. Thomas Hummelsheim. Generell brauche es oft seine Zeit, bis Betroffene sich überhaupt eingestehen, dass sie an einer psychischen Erkrankung leiden und Hilfe in Anspruch nehmen sollten. „Wir möchten die Schwelle senken, damit die Menschen früher zu uns kommen.“

Auswirkungen der Pandemie auf Psyche sind noch unklar

Auch der Hausarzt könne für die weiteren Schritte ein guter Ansprechpartner sein, ergänzt Dr. Florence Hellen, Chefärztin der Abteilung Allgemeine Psychiatrie an der LVR-Klinik Langenfeld, die auch für Solingen zuständig ist. „Möglicherweise nimmt jemand es anfangs gar nicht ernst, wenn er sich längere Zeit müde und antriebslos fühlt. Dann kann sich eventuell schon eine Depressivität entwickelt haben.“ Umgekehrt stecke nicht immer zwingend auch eine behandlungsbedürftige Depression hinter solchen Gefühlen.

„Wir wissen noch nicht genau, was sich durch die Pandemie verändert hat“, sagt Dagmar Eickenberg, die den Sozialpsychiatrischen Dienst beim städtischen Gesundheitsamt koordiniert. Zwar ließen sich die psychischen Erkrankungen, bei denen Corona eine Rolle gespielt hat, noch nicht quantifizieren. „Es ist aber zu vermuten, dass dieser Aspekt eine Rolle gespielt hat. Auf das dicke Ende warten wir noch.“ Eine Zunahme von Kriseneinsätzen, etwa in Form einer zwangsweisen Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik, habe es in Solingen nicht gegeben.

Die Gruppenangebote des PTV hätten pandemiebedingt teilweise ausfallen müssen und würden nun allmählich wieder aufgebaut, versichert Thomas Hummelsheim, Zum einen hätten viele Einrichtungen im GPV auf Online-Beratung gesetzt, zum anderen gebe es auch die Möglichkeit der „Peer-Beratung“ – dabei stehen Menschen, die selbst einmal Erfahrung mit einer psychischen Erkrankung gemacht haben, anderen Betroffenen unterstützend zur Seite.

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