Wartezeiten sorgen für Kritik

Solingen prüft Ausstieg aus Servicecenter

Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (l.) lässt einen Ausstieg prüfen. Wuppertals Stadtdirektor Johannes Slawig ist von diesem Vorgehen enttäuscht. Remscheids Rathauschef Burkhard Mast-Weisz hält am Servicecenter fest.
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Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (l.) lässt einen Ausstieg prüfen. Wuppertals Stadtdirektor Johannes Slawig ist von diesem Vorgehen enttäuscht. Remscheids Rathauschef Burkhard Mast-Weisz hält am Servicecenter fest.

Solingen stellt die bergische Telefonzentrale in Frage und erntet Kritik.

Von Andreas Tews und Andreas Boller

Die Wartezeiten der Anrufer sorgen beim Bergischen Servicecenter immer wieder für Kritik. Aus Personalmangel musste das von der Stadt Wuppertal betriebene telefonische Eingangsportal der drei bergischen Großstädte wiederholt die Zeiten seiner Erreichbarkeit einschränken. Jetzt prüft die Stadt Solingen, ob sie Ende nächsten Jahres aus dem Gemeinschaftsprojekt aussteigt – und stößt damit in den Nachbarstädten auf Unverständnis.

Das Servicecenter soll mehr sein als nur eine Telefonzentrale der drei Stadtverwaltungen. Nach Auskunft der Stadt Wuppertal können die Mitarbeiter dort 80 bis 90 Prozent der Anliegen der Anrufer abschließend behandeln. Die Zahl der Anrufe ist nach Angaben der Städte während der Pandemie stark gestiegen. Wurden 2019 noch rund 700 000 Anrufe aus den drei Städten gezählt, waren es 2020 schon 1,1 Millionen, im vergangnen Jahr sogar 1,5 Millionen. Etwa 54 Prozent der Anrufe kommen aus Wuppertal, 30 Prozent aus Solingen und 16 Prozent aus Remscheid.

Vor allem das stark gestiegene Anruferaufkommen habe zu Wartezeiten geführt, beschreibt das Solinger Rathaus von Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). Ebenso hätten ein hoher Krankenstand und nicht besetzte Stellen – bis zu sieben von 53 Vollzeitstellen – zu personellen Engpässen geführt. Im Rathaus hofft man darauf, dass sich die Zahl der Anrufer wieder normalisiere und dass offene Stellen schnell neu besetzt würden.

Noch nicht entschieden sei, ob Solingen die öffentlich-rechtliche Vereinbarung mit Remscheid und Wuppertal zum 31. Dezember 2023 kündigen werde. Dies müsste spätestens Ende dieses Jahres geschehen, sonst verlängert sich die Vereinbarung automatisch um zwei Jahre. Das Solinger Rathaus prüft, ob das Servicecenter auch in Eigenregie betrieben werden könne. Dies war im November noch als zu teuer ausgeschlossen worden. Auch werde recherchiert, ob ein externer Dienstleister überhaupt in der Lage sei, die Aufgaben zu übernehmen – und das zu bezahlbaren Konditionen.

Wuppertals Stadtdirektor Johannes Slawig (CDU) zeigte sich enttäuscht darüber, dass Solingen das Gemeinschaftsprojekt in Frage stelle. „Demnächst sind Workshops geplant, in denen über Verbesserungen des Angebots nachgedacht wird. Dass parallel darüber diskutiert wird, die Aufgaben extern an einen privaten Anbieter zu übergeben, überrascht mich“, sagte Slawig.

Auf die anstehenden Gespräche setzt auch Remscheids OB Burkhard Mast-Weisz (SPD). Dabei gehe es um die strategische Ausrichtung, ohne die Einrichtung als solche in Frage zu stellen. Einen Ausstieg aus dem Servicecenter plane er nicht. Gerade in den vergangenen zwei Jahren sei die Bedeutung des Servicecenters deutlich geworden.

Standpunkt: Partner sind verärgert

Ein Kommentar von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Die Kooperation zwischen den bergischen Großstädten ist ein zartes Pflänzchen. Es gibt aber Beispiele, bei denen sich die Zusammenarbeit etabliert hat. Dazu zählen die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft und das gemeinsame Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt. Nachdem vor Jahren in Wuppertal oder Remscheid die Buh-Männer waren, werden bestehende Kooperationen derzeit vor allem im Solinger Rathaus in Frage gestellt. Dies verärgert die Partner in den Nachbarstädten. Jüngstes Beispiel war der Ausstieg aus dem Bergischen Studieninstitut. Es ist zwar richtig, bestehende Strukturen regelmäßig zu überprüfen. Das Solinger Rathaus sollte den Bogen aber nicht überspannen. Ein Servicecenter in Eigenregie zu betreiben kann nur teurer werden als die bestehende gemeinsame Lösung. Zudem ist ein privater Betreiber nicht in Sicht. Jetzt muss es darum gehen, notwendige Verbesserungen gemeinsam herbeizuführen. Ein Ausstieg wäre erst dann sinnvoll, wenn dieser Versuch scheitert.

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