Anklage

Betreiber mit Auto überfahren: 27-Jähriger nach brutalem Kiosk-Raub verurteilt

Im Landgericht Wuppertal findet ein Prozess gegen einen Solinger statt.
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Im Landgericht Wuppertal findet ein Prozess gegen einen Solinger statt.

Der 27-jährige Solinger muss für vier Jahre und neun Monate in Haft, wenn sein Urteil rechtskräftig wird. Bewährung ist bei der Höhe der Strafe ausgeschlossen.

Update

Solingen. Ein 27 Jahre alter Angeklagter aus der Solinger Stadtmitte hat bei einem Kiosk-Raub den geschädigten Betreiber (44) des Ladens mit seinem Auto überfahren und schwer verletzt, als der ihn verfolgte. Er muss für vier Jahre und neun Monate in Haft, wenn sein Urteil rechtskräftig wird. Bewährung ist bei der Höhe der Strafe ausgeschlossen. Das Landgericht Wuppertal verurteilte den unverheirateten Mann, der bei seinen Eltern lebt, am Donnerstag (18. November 2021). Laut Geständnis bestand im Mai 2020 seine Methode aus Trickdiebstählen von Guthabenkarten aus Büdchen und Tankstellen. Der Raub entspricht der letzten, bekannt gewordenen Tat der Serie. Im Prozess gab der Mann an: „Ich brauchte Geld zum Spielen. Ich konnte ja nicht meiner Familie sagen, dass ich alles verzockt hatte.“

Laut Urteil begannen die Laden-Trickdiebstähle des 27-Jährigen in Solingen, nahe seiner Wohnadresse; sie hätten sich innerhalb von zwei Wochen bis Wuppertal ausgeweitet. Dabei täuschte der Mann jeweils vor, für 50- oder 100-Euro Guthaben für Internetgeschäfte kaufen zu wollen. Wenn der Bon auf der Ladentheke lag, fragte er nach Zigaretten. Den Guthaben-Zettel auf der Theke tauschte er gegen einen älteren, zuvor eingelösten Kassenzettel aus seiner Tasche um, sobald der Verkäufer ihm den Rücken zukehrte. Schließlich kaufte er nichts und verließ den jeweiligen Laden mit der Beute.

Der später verletzte Kiosk-Betreiber arbeitet im Osten Wuppertals. Er sagte aus, er habe die Tat binnen Sekunden bemerkt, nachdem der Angeklagte seinen Laden verlassen hatte. Er habe den 27-Jährigen bis zu dessen Wagen verfolgt, die Fahrertür aufgerissen und geschrien: „Bleib stehen!“ Dabei habe er sich an der Karosserie festgehalten. Laut Zeugen beschleunigte der Flüchtende und lenkte abrupt nach Links. Der 44-Jährige wurde abgeschüttelt, stürzte und wurde überfahren. Der Rettungsdienst brachte den Verletzten in eine Klinik, er wurde auf einer Intensivstation versorgt. Den Angeklagten ermittelte die Polizei zwei Monate später durch Zeugenaussagen.

Der Staatsanwalt stellte klar: „Es war dem Zufall überlassen, welche Folgen dieses Fahrmanöver hatte.“ Der Verletzte sagte, er habe sich die Gefahr erst im Nachhinein klar gemacht: „Es beschäftigt mich viel. Ich hätte mit dem Kopf darunter liegen können. Das hat er riskiert, für 100 Euro.“

Kurz vor Prozessende versprach der Angeklagte dem Verletzten 5000 Euro Schmerzensgeld. Er ist vorbestraft wegen Diebstahls und Betrug bei der Corona-Soforthilfe. Das Urteil kann er angreifen.

Unser Artikel vom 18. November

Solingen. Ein 27-jähriger Solinger muss sich ab heute vor dem Wuppertaler Landgericht verantworten. Ihm wird besonders schwerer räuberischer Diebstahl von Paysafe-Guthabenkarten und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Der junge Mann soll in mehreren Fällen so getan haben, als ob er die Karten kaufen wollte. Als der Code zum Einlösen auf dem Kassenbon gedruckt wurde, soll der Angeklagte diesen unbemerkt gegen einen alten, bereits eingelösten ausgetauscht haben.

Anschließend habe der Angeklagte sich gegen den Kauf der Karten entschieden. Als ein Kioskverkäufer die Masche durchschaute und den 27-jährigen in seinem Auto an der Flucht hindern wollte, soll dieser den Mann mit einer starken Lenkbewegung zu Fall gebracht haben. Der Mann soll auf den Boden gefallen und vom hinteren Reifen des Fahrzeugs überrollt worden sein. Hierbei brach er sich den Daumen, ein Schlüsselbein und mehrere Rippen, quetschte sich die Lunge und erlitt mehrere Prellungen und Schürfwunden, war monatelang arbeitsunfähig. Die Karte, die der Angeklagte gestohlen haben soll, war gerade mal 100 Euro wert.

Der Angeklagte räumte alle Vorwürfe ein. Er habe die Guthabenkarten für Online-Glücksspiel gebraucht, weil er spielsüchtig war. An dem Kiosk habe er einfach nur fliehen wollen: „ich hatte einfach Angst.“ Er habe nicht gemerkt, dass er den Mann überfahren hat. „Ich war einfach froh, dass er weg war.“

Prozess: Eine 40-Jährige soll 62 Katzen in ihrer Mietwohnung gehalten haben.

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