Hasseldelle

Prozess um fünffache Kindstötung: Mögliches Kindheitstrauma bleibt rätselhaft

Die Angeklagte im Gespräch mit ihrem Verteidiger Felix Menke. Sie hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen eingelassen. Archivfoto: Tim Oelbermann
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Die Angeklagte im Gespräch mit ihrem Verteidiger Felix Menke. Sie hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen eingelassen. Archivfoto: Tim Oelbermann

Hasseldelle: Kammer versucht, die Vorgeschichte der Angeklagten aufzuklären.

Von Kristin Dowe

Solingen. Am Montag stocherte die Schwurgerichtskammer erneut im Nebel bei dem Versuch, erhellende Einsichten über die 28-jährige Angeklagte zu gewinnen, die sich derzeit wegen heimtückischen Mordes an fünf ihrer sechs Kinder vor dem Landgericht Wuppertal verantworten muss. In dem umfangreichen Verfahren hat die Solingerin bislang keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht. Ihr wird zur Last gelegt, im September vergangenen Jahres ihre drei Töchter und zwei Söhne im Alter von einem bis acht Jahren erstickt oder in der Badewanne ertränkt zu haben. Allein der zum Tatzeitpunkt elfjährige Sohn der Familie überlebte die Tat, der sich an jenem Tag in der Schule befand,

Gegenüber den psychiatrischen Gutachtern hatte die junge Mutter die Tat stets bestritten und behauptet, dass ein maskierter Mann in ihre Wohnung eingedrungen sei und sie gewaltsam zu der Tat gezwungen habe. Da die Beweislage hingegen sehr eindeutig auf ihre alleinige Täterschaft hinweist, hatte die Verteidigung zuletzt ihre Strategie vor allem darauf aufgebaut, die Schuldfähigkeit der 28-Jährigen vor dem Hintergrund eines möglichen sexuellen Missbrauchs in deren Kindheit infrage zu stellen.

Prozess um fünffache Kindstötung in Solingen: Pensionierte Kripo-Beamtin sagt aus

Belastbare Informationen gewann die Kammer diesbezüglich auch am Montag nicht. Tatsächlich hatte die Beschuldigte in ihrer Jugend offenbar einmal einen Bekannten ihrer Familie beschuldigt, sie im Haus ihrer Großmutter vergewaltigt zu haben und dies auch bei der Polizei angezeigt. In diesem Zusammenhang sagte am Montag eine bereits pensionierte Kripo-Beamtin aus, die während ihrer Dienstzeit in Mönchengladbach – dies ist die frühere Heimatstadt der Beschuldigten – mit der Bearbeitung von Sexualdelikten betraut war.

Erinnerungen an den Fall der heutigen Angeklagten habe sie keine, bedauerte sie. Aus den Ermittlungsakten geht indes hervor, dass sich der Mann, den die Angeklagte damals der Vergewaltigung beschuldigte, zum fraglichen Zeitpunkt in Haft befunden hat und die Tat folglich gar nicht begangen haben konnte. Doch dieser Aspekt war der ehemaligen Polizistin angesichts der Vielzahl vergangener Fälle nicht mehr präsent.

Vor diesem Problem stand die Kammer an den vergangenen Verhandlungstagen häufig, wenn Zeugen zu der Kindheit und Jugend der Angeklagten befragt wurden. Im Hinblick auf mögliche Missbrauchserfahrungen hat die Verteidigung einen dritten psychiatrischen Gutachter, Dr. Thomas Schwarz aus München, beauftragt, der eine eventuelle „dissoziative Persönlichkeitsstörung“ bei der Solingerin feststellen könnte.

Auch wenn viele Zeugenaussagen bislang eher unergiebig schienen, zeigte der Rechtsanwalt Jochen Ohliger, der den Vater der getöteten Kinder als Nebenkläger vertritt, Verständnis für das bisherige Vorgehen der Kammer: „Das Geschehen ist derartig unfassbar, dass die Kammer offenbar einfach nur ansatzweise verstehen möchte, wie es zu einer solchen Tat kommen konnte. Sie ist gewillt, alle Hintergründe aufzuarbeiten – das finde ich auch richtig.“

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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