Landgericht

Prozess um fünffache Kindstötung: Chatnachrichten belasten beschuldigte Mutter schwer

Prozessfortsetzung Kindermord
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Eine Solingerin muss sich zurzeit wegen der Tötung ihrer fünf Kinder vor dem Landgericht in Wuppertal verantworten.

Prozess um Kindstötungen in der Hasseldelle: Vater der Angeklagten erschien nicht vor Gericht

Von Kristin Dowe

Solingen. Ausgelassen wirft der junge Mann in der Videosequenz seine kleine Tochter in die Luft und fängt sie wieder auf. Das Kind kichert und quietscht vor Vergnügen, auch die Geschwister albern mit ihrem Vater herum. Die Szene wurde am Verhandlungstag des Prozesses um fünf Kindstötungen vor dem Landgericht Wuppertal eingespielt und befand sich auf dem Mobiltelefon der 28-jährigen Angeklagten.

Laut Tatvorwurf soll die Solingerin im September 2020 fünf ihrer sechs Kinder erstickt oder in der Badewanne ertränkt und anschließend versucht haben, sich selbst das Leben zu nehmen. Nur der älteste, elfjährige Sohn der Familie überlebte die Tat. Wirkte die junge Frau im Prozess bislang relativ gefasst, ließ sie an dieser Stelle ihren Tränen freien Lauf.

Die Frau hat sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen geäußert. Gegenüber ihren Gutachtern hatte sie angegeben, dass ein unbekannter Mann in die Wohnung der Familie in der Hasseldelle eingedrungen sei und sie gewaltsam zu der Tat gezwungen habe. Whatsapp-Korrespondenzen zwischen der Beschuldigten und deren Mutter sowie zwischen ihr und ihrem Ex-Mann sprechen eine andere Sprache – sie belasten die Angeklagte schwer.

„Die Kinder sind schon da oben.“

Whatsapp-Nachricht der Angeklagten an ihren Ehemann

Im Chat des nunmehr getrennten Ehepaares wird deutlich, dass die Nachricht über die neue Beziehung des Mannes ihr offenbar den Boden unter den Füßen weggerissen hatte – insbesondere, weil beide zunächst noch ein weiteres Kind geplant haben sollen. „Sag mir, seit wann du diese Tussi kennst und wie lange das schon geht“, wandte sich die Angeklagte in einer Nachricht vorwurfsvoll an den Vater ihrer Kinder – mit der Neuen könne er ja „neue Kinder machen“. Doch hinter der Wut zeigten sich auch Verletztheit und große Verlustangst der Beschuldigten: „Ich liebe dich unendlich und will nicht ohne dich.“

Fünffache Kindstötung in Solingen: Es gab kleinere Auffälligkeiten im Leben der Familie

In einem „Fake-Chat“ spielte die Angeklagte ihrem Ehemann vor, ebenfalls einen neuen Mann in ihrem Leben zu haben – scheinbar, um den Ex eifersüchtig zu machen. In Bezug auf die Tat wird sie ihm gegenüber konkret: „Ich beende es“, schreibt sie an einer Stelle. „Die Kinder sind schon da oben. Und das werde ich bald auch sein.“

Auch gegenüber ihrer Mutter offenbarte sich die Beschuldigte über Whatsapp. Zu diesem Zeitpunkt waren die drei Mädchen und zwei Jungen sehr wahrscheinlich schon tot.

Zuvor gab es kleinere Auffälligkeiten im Leben der Familie, wie in der Rückschau mehrerer Zeugen deutlich wird. Ein Polizeibeamter berichtete von einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt – das Ehepaar hatte sich laut gestritten, sie soll ihn gekratzt, er sie vor den Spülkasten gestoßen haben. Beim Eintreffen der Polizei hatte sich der Konflikt bereits gelegt.

Fünffache Kindstötung in Solingen: Zwei Kontakte mit dem Solinger Jugendamt

Beim Solinger Jugendamt trat die Familie zwei Mal in Erscheinung: In einem Fall hatte eine Klinikmitarbeiterin die Behörde verständigt, weil die Familie aus unerfindlichen Gründen eine bestimmte ärztliche Behandlung für eine der Töchter ablehnte. Im anderen Fall soll die Angeklagte gegenüber dem sechsjährigen Sohn der Familie im Streit handgreiflich geworden sein, so dass es zu einer Verletzung kam. Die Fahrt zum Krankenhaus musste der älteste Sohn der Familie mit seinem Bruder im Rettungswagen antreten, weil die Mutter bei den anderen Kindern bleiben musste. In beiden Fällen, so der Sozialpädagoge in seiner Aussage, habe er ein „liebevolles Setting“ bei der Familie vorgefunden – Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung habe es nicht gegeben. Unterstützungsangebote des Jugendamtes habe die Angeklagte „dankend abgelehnt“.

Der Vater der Angeklagten, als Zeuge geladen, erschien nicht – er hat ein Aussageverweigerungsrecht. Gegen ihn wird gesondert wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter ermittelt. Rechtsanwalt Thomas Seifert beantragte ein radiologisches Gutachten, das Anhaltspunkte für eine „dissoziative Persönlichkeitsstörung“ seiner Mandantin infolge möglicher Missbrauchserfahrungen geben solle. Dies bezweifelte Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt: „Das wäre eine Sensation, wenn man eine solche Störung anhand eines bildgebenden Verfahrens sehen könnte.“

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