Landgericht

Prozess um 62 Katzen in Wohnung: Frau darf für fünf Jahre keine Tiere halten

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Ein Großteil der Katzen soll sich in einem verschlossenen, sogenannten Katzenzimmer befunden haben. Einige lebten in Käfigen und Transportboxen.

Von Dirk Lotze

Solingen. In einem Strafprozess um tierschutzwidrige Haltung von 62 Katzen in einer Mietwohnung im Stadtteil Wald hat das Landgericht Wuppertal das frühere Urteil des Solinger Amtsgerichts bestätigt: Die angeklagte Katzenzüchterin (40) darf für fünf Jahre keine Tiere halten, wenn ihre Strafe rechtskräftig wird. Sie braucht zehn Monate Freiheitsstrafe nicht zu verbüßen, wenn sie 240 Stunden gemeinnützige Arbeit ableistet und mit einem Bewährungshelfer zusammenarbeitet. Der Vorsitzende Richter stellte in der vorläufigen, mündlichen Begründung klar: „Wir halten sie nicht für jemanden, der aus bösem Willen Tiere quält. Aber wenn man sich so viele Tiere in die Wohnung holt, dann muss man sich kümmern.“ Zustand und Verhalten der Katzen sprächen für Schmerzen und Leid, das die Tiere erfahren hätten – weil die Angeklagte die Katzen über Wochen nicht mehr ausreichend pflegen und versorgen konnte und sie sich gleichzeitig keine Hilfe holte.

Polizei und Veterinäramt hatten am 19. Dezember 2018 an der damaligen Adresse der Frau die Tür geöffnet und die Wohnung durchsucht. Sie fanden Tiere in unterschiedlichem Zustand, teils verdreckt, krank und mit Vereiterungen, teils mit Verhaltensstörungen. Ein Großteil der Katzen soll sich in einem verschlossenen, sogenannten Katzenzimmer befunden haben. Einige lebten in Käfigen und Transportboxen. Daneben wohnte die Frau mit ihrem Lebensgefährten und einem Kleinkind in den Räumen.

Die sichergestellten Katzen kamen laut Gericht später überwiegend zu neuen Besitzerinnen und Besitzern. Mangels Feststellungen sei davon auszugehen, dass sie die Geschehnisse gut überstanden hätten. Drei Tiere mussten später durch Tierärzte eingeschläfert werden, bei sieben Katzen sollen keine gesundheitlichen Beanstandungen bestanden haben.

„Ab einem gewissen Punkt sprechen die Zustände für sich.“

Richter, Landgericht Wuppertal

Laut Gericht bleibt unwiderlegt, dass die Angeklagte ein halbes Jahr vor der Durchsuchung rund 30 Tiere von ihrer Mutter übernommen hatte, die sich nicht mehr selbst um ihre Katzen kümmern konnte. Der Richter fasste zusammen: „Wir glauben auch, dass es Tierarztbesuche gab, dass dort einzelne Tiere vorgestellt wurden, dass sie gepflegt und gefüttert wurden. Es reichte aber nicht. Das war einfach viel zu wenig.“ Die Angeklagte könne nicht einfach eine Tierarztrechnung zeigen und sagen, sie habe doch etwas gemacht, sagte der Richter und verdeutlichte: „Ab einem gewissen Punkt sprechen die Zustände für sich.“

Die Angeklagte hat im Verfahren umfangreiche Unterlagen vorgelegt. In einem ungewöhnlichen, mehrere Stunden umfassenden „Letzten Wort“ vor der Urteilsverkündung hatte sie noch einmal Futtermengen vorgerechnet und auf Papiere zu einzelnen Katzen verwiesen.

Die Angeklagte kann das Urteil angreifen. Gegen sie läuft ein weiterer Strafprozess vor dem Amtsgericht, wegen Verdachts des Betrugs beim Verkauf von kranken Katzen.

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