Umstieg

Projekt soll das Taxigewerbe im Bergischen elektrifizieren

Ertan Cati ist der Geschäftsführer der Taxi-Zentrale Solingen. Bei deren jüngster Generalversammlung war der Umstieg auf Elektromobilität eines der bestimmenden Themen. Foto: Christian Beier
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Ertan Cati ist der Geschäftsführer der Taxi-Zentrale Solingen. Bei deren jüngster Generalversammlung war der Umstieg auf Elektromobilität eines der bestimmenden Themen.

Einige Taxi-Unternehmen zögern bei der Elektrifizierung ihrer Flotten noch wegen der Reichweite und der Ladeinfrastruktur.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Immer mehr Kennzeichen in der Klingenstadt enden mit einem E. Das ist ein untrügliches Zeichen für die zunehmende Verbreitung von Elektrofahrzeugen. Keine große Rolle spielt die neue Antriebstechnik bislang im Taxigewerbe. Doch das soll sich ändern. Die Bergische Industrie- und Handelskammer, Automotiveland NRW und die Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (BSW) haben in Kooperation mit der Universität Wuppertal ein Projekt konzipiert. Es soll einen Beitrag dazu leisten, das bergische Städtedreieck als innovativen Mobilitäts- und Energieort im überregionalen Standortwettbewerb besser zu positionieren.

„Dann könnte man Wartezeit nutzen.“

Gennarino Cocco, Taxi Cocco

„Ziel des Vorhabens ist die schrittweise Elektrifizierung der Taxiflotte im Bergischen, indem Taxiunternehmen bei der Einführung von E-Fahrzeugen und eines digitalen Buchungs- und Ladeinformationssystems unterstützt werden“, erklärt Thomas Lämmer-Gamp. Er ist BSW-Teamleiter Wirtschaftentwicklung und für die Geschäftsstelle des Projektes „Bergisch Smart Mobility“ verantwortlich.

Geplant ist, das Projekt in Solingen, Wuppertal und Remscheid zu realisieren. Der Startschuss soll noch in diesem Jahr fallen. Ob das gelingt, sei von der Verfügbarkeit von Fördermitteln abhängig, erklärt Lämmer-Gamp. Er hofft, Geld von Land und Bund akquirieren zu können. Erste Gespräche mit dem nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium hätten „hohes Interesse hervorgerufen“. Ebenfalls sei ein deutscher Automobilhersteller nicht abgeneigt, das Vorhaben zu unterstützen.

Solingen: Ladepunkte an ausgewählten Taxistellplätzen

Zu den konkreten Zielen gehöre, Taxiunternehmen den Zugang zu Fördermitteln für die Elektrifizierung ihrer Flotte zu erleichtern. Zudem sollen an ausgewählten Taxistellplätzen Ladepunkte entstehen. Gespräche mit den Solinger Taxiunternehmen, den Stadtwerken und der Stadt sollen in naher Zukunft beginnen, um sie in das Projekt einzubinden, kündigt Lämmer-Gamp an.

Die Solinger Betriebe stehen Elektromobilität offen gegenüber, allerdings gibt es Bedenken. „Reichweite, Ladezeiten, Ladestationen“, fasst Ertan Cati diese zusammen. Er ist Geschäftsführer der Taxizentrale Solingen, der derzeit 26 Unternehmen mit rund 40 Fahrzeugen angehören. „Was ist, wenn ein Kunde zum Flughafen möchte, es aber mit der Reichweite knapp wird?“, fragt der Solinger. Zumal er befürchtet, dass sich die Topographie im Bergischen negativ auf die Leistung der Fahrzeuge auswirken könnte.

Wegen dieser Aspekte rechnen viele seiner Kollegen damit, dass sich im Taxigewerbe langfristig Wasserstofftechnologie durchsetzen könnte, berichtet Cati. Kurz- und mittelfristig seien Hybridfahrzeuge für einige eine attraktive Alternative. Bei der jüngsten Generalversammlung der Taxi-Zentrale sei Elektromobilität das Top-Thema gewesen.

Mohammad Kasem Uyani, Geschäftsführer von Taxi Buchbender-Uyani, stellen sich praktische Fragen: Gibt es Elektrofahrzeuge, mit denen auch Rollstuhlfahrten möglich sind? Und wie teuer sind sie? Der Umstieg auf Elektromobilität dürfe Taxifahren nicht unbezahlbar machen.

Gennarino Cocco treibt vor allem die Reichweite um. „Wir übernehmen regelmäßig Krankenfahrten, zum Beispiel ins Universitätsklinikum Essen“, erklärt der Geschäftsführer von Taxi Cocco. Das Unternehmen hat zwölf Fahrzeuge, teilweise kommen sie in Doppelschichten zum Einsatz. Für diese würde die aktuelle Reichweite von Elektroautos nicht ausreichen. Eine Lösung für dieses Problem könnten Ladesäulen an Taxiständen sein: „Dann könnte man Wartezeit nutzen.“ Auch Gennarino Cocco beschäftigt sich mit den Kosten für Elektromobilität. Angesichts der aktuellen Dieselpreise könnte Strom die günstigere Alternative sein. Doch das gelte nur, solange die Preise nicht auch in diesem Segment anziehen.

Thomas Lämmer-Gamp kann die Bedenken nachvollziehen. Mit einer guten Ladeinfrastruktur und vor dem Hintergrund steigender Reichweiten bei neuen Modellen ist er jedoch überzeugt: „Elektromobilität kann auch im Taxigewerbe eine Zukunft haben.“

Taxihalteplätze

28 Taxihalteplätze gibt es laut Angaben der Verwaltung in Solingen. Bisher verfügt keiner über eine Ladesäule für Elektromobilität. Diesbezüglich liege der Stadt, die für die Genehmigung zuständig wäre, auch keine Anfrage vor, erklärt Pressesprecher Daniel Hadrys auf Tageblatt-Anfrage.

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