Preis wird Dienstag offiziell verliehen

Preisträger engagieren sich für Frieden und Demokratie

Norbert Schmelzer (l.) vom Bündnis für Toleranz und Zivilcourage übergab den Preis am Wochenende an Ursula und Hermann Josef Dörpinghaus. Die Grußbotschaft wird heute bei der Demokratiekonferenz der Stadt Solingen gezeigt, die um 16 Uhr beginnt. Das Ehepaar empfindet es als „besonders schön“, dass die Verleihung des Silbernen Schuhs Teil der Demokratiekonferenz ist. Foto: Christian Beier
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Norbert Schmelzer (l.) vom Bündnis für Toleranz und Zivilcourage übergab den Preis am Wochenende an Ursula und Hermann Josef Dörpinghaus. Die Grußbotschaft wird am Dienstag bei der Demokratiekonferenz der Stadt Solingen gezeigt, die um 16 Uhr beginnt. Das Ehepaar empfindet es als „besonders schön“, dass die Verleihung des Silbernen Schuhs Teil der Demokratiekonferenz ist.

Der Silberne Schuh 2020 geht an Ursula und Hermann Josef Dörpinghaus.

Von Björn Boch

Solingen. Nicht sagen: „Das geht mich nichts an.“ Sondern stattdessen: „Ich bin zuständig. Ich kümmere mich.“ Diese Worte eines guten Freundes haben sich Ursula und Hermann Josef Dörpinghaus, Preisträger des Silbernen Schuhs 2020, zur Lebensaufgabe gemacht. Dass sie sich zuständig fühlen, beweisen ihre vielen Projekte, die sie selbst ins Leben gerufen haben oder unterstützen (siehe unten).

Der Ursprung ihres Engagements liegt in der Fokolarbewegung, die in Solingen im Zentrum Frieden zu Hause ist. Frieden als Ziel ist auch einer der Grundsätze des Handelns – genau wie „Dialog, Geschwisterlichkeit und Einheit in der Vielfalt, also ohne Gleichmacherei“, betont Ursula Dörpinghaus. Es gehe darum, offen zu sein für alle Menschen, die guten Willens sind, unabhängig von Herkunft oder Konfession. „Wir haben sehr viele Nationen und Religionsgemeinschaften in Solingen. Und zu denen halten wir ganz bewusst Kontakt“, sagt Hermann Josef Dörpinghaus.

Für den Frieden steht das Ehepaar seit 2016 einmal im Monat auf dem Neumarkt bei einer Mahnwache. Geschockt waren beide von den Bildern des Syrienkrieges und haben beschlossen: „Wir sind zuständig.“ Es sei wichtig, für den Frieden einzutreten und daran zu erinnern, dass es vielerorts keinen Frieden gibt. „Bei der Mahnwache kommen wir mit vielen Menschen ins Gespräch“, berichtet der 79-Jährige – etwa mit dem Kind, das mit einem Eis in der Hand fragte, was Krieg sei. „Krieg heißt: kein Eis, keine Schule, keine Zukunft.“ Und schon war der abstrakte Begriff „Frieden“ greifbar.

Die meisten reagierten positiv auf ihr Anliegen, sagt Ursula Dörpinghaus. Viele Geflüchtete bedankten sich, dass ihr Schicksal nicht vergessen wird. „Wir fangen mit dem Frieden in Solingen an – und das hat Auswirkungen auf die ganze Welt.“

Dieses Engagement sei derzeit besonders notwendig: „Wir halten die Demokratie für sehr gefährdet. An den Rändern, vor allem rechts, aber auch links, wird es extremer, der nationalistische Gedanke wird stärker. Besonders schlimm ist die schweigende Mitte – auch deshalb gehen wir mit den Menschen auf die Straße“, sagt die 80-Jährige.

Konkrete Erfolge zeigen sich in direkten Hilfen, etwa während der sogenannten Flüchtlingskrise 2015. „Da haben wir ein Dutzend unbegleitete Jungs im Zentrum Frieden aufgenommen und meine Frau hat direkt Deutschunterricht gegeben, so dass der Start leichter fällt“, berichtet Hermann Josef Dörpinghaus. Auch später gab es weiter Kontakte, etwa bei Problemen in der Schule. Der 79-Jährige half beim „Dialog in Deutsch“ und konnte vielen Menschen so die Integration erleichtern.

Auch in Zukunft gibt es weiter dicke Bretter zu bohren. Kinderarmut nennt Hermann Josef Dörpinghaus als ein Problem, das erst seit etwa 2008 richtig im Bewusstsein sei, sich aber nicht gebessert habe – umso wichtiger seien die Tafel oder der Verein Tischlein Deck Dich, den er auch unterstützt.

Ursula Dörpinghaus treibt der Umgang miteinander in der Gesellschaft um. „Es ist wichtig, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen, das merke ich auch in der Pandemie. Wenn alle sich so verhalten hätten, dass sie andere schützen, wären wir schon weiter.“

Der Silberne Schuh: Der Ehrenpreis wird seit 2004 für engagiertes und couragiertes Auftreten in der Stadtgesellschaft verliehen. Über die Vergabe entscheidet der Beirat des Solinger Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage. Traditionell wird der Preis am 29. Mai beim jährlichen Gedenken an den Brandanschlag verliehen, was 2020 aufgrund der Pandemie nicht möglich war.

Die Demokratiekonferenz wird Dienstag ab 16 Uhr im Livestream gezeigt: www.zusammen-solingen.de

Engagement der Preisträger

Beispiele für das Engagement von Ursula und Hermann Josef Dörpinghaus: Aufbau des Forums „Politik und Geschwisterlichkeit“ in Solingen mit Veranstaltungen zu den Themen Solidarität, Frieden, Demokratie und Europa; Jugendseminare; monatliche Mahnwache für den Frieden; Eintreten gegen „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ bei der Aktion Seebrücke und „Leben braucht Vielfalt“; Engagement für fairen Handel; Mitwirkung beim Christlich-Islamischen Gesprächskreis; Mitbegründung der Initiative „Solinger Frauen für Respekt und Demokratie“; Engagement für Geflüchtete, etwa beim Dialog in Deutsch.

Ursula und Hermann Josef Dörpinghaus arbeiten ehrenamtlich mit großem Einsatz am Zusammenhalt der Solinger Stadtgesellschaft und für gesellschaftlichen Frieden: Mit dieser Begründung erhält das Ehepaar den Silbernen Schuh 2020.

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