Fachgespräch von SPD und Grünen

Praxisbeispiele geben neue Impulse für soziales Wohnen in Solingen

Ein Teil der Wohnungen des Spar- und Bauvereins am Böckerhof sind öffentlich gefördert. Archivfoto: Christian Beier
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Ein Teil der Wohnungen des Spar- und Bauvereins am Böckerhof sind öffentlich gefördert

Die Mietpreise in Solingen steigen immer weiter. Die Parteien fachsimpelten am Wochenende über bezahlbaren Wohnraum.

Von Holger Hoeck

Solingen. Wer soll das bezahlen? Dem Titel eines alten Karnevalsliedes folgend, stellen sich viele Solinger diese Frage angesichts steigender Mietpreise, die häufig einen immensen Teil des monatlichen Budgets verschlingen. Basierend auf der sozialpolitischen Frage, wie bezahlbarer Wohnraum insbesondere einkommensärmeren Menschen zukünftig auf dem Wohnungsmarkt angeboten werden kann, lud der hiesige Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen in Kooperation mit der der SPD Solingen am Wochenende zu einem digitalen Fachgespräch ein.

Experten aus verschiedenen deutschen Städten sowie aus dem belgischen Eupen gewährten in ihren Vorträgen mehr als 40 Teilnehmern Einblicke in Praxisbeispiele. „Zwischen 2009 und 2019 stiegen in großen Städten die Angebotsmieten um 50 bis 70 Prozent. Eine Studie weist dabei darauf hin, dass 2018 53 Prozent der Mieter in zu kleinen oder angesichts ihres Einkommens in zu teuren Wohnungen lebten“, erklärte Sabine Vischer-Kippenhahn, die mit Manfred Ackermann den Vorsitz der Solinger SPD bildet. Besonders eklatant sei die Entwicklung bei den Sozialwohnungen. „Gab es 1986 noch rund vier Millionen, sank die Zahl bis Ende 2019 auf 1,14 Millionen.“

Der Fokus der Initiative von SPD und Grünen basiere auf den Schwerpunkt, wie in Solingen Ärmeren bezahlbarer Wohnraum bereitgestellt werden könne. „Besonders Ältere leben oft in armen Verhältnissen, aber auch Familien, gerade Alleinerziehende, sind von Armut betroffen“, betonte Grünen-Sprecherin Silvia Vaeckenstedt. Das städtische Handlungskonzept Wohnen sehe einen 30-Prozent-Anteil an öffentlich geförderten Wohnungen am neuen Wohnraum vor. „Dies auch umzusetzen, wird indes nicht einfach.“

Um andere Ansätze näher kennenzulernen, wurde den Referenten das Wort erteilt. Neben einem Vortrag über die sozialgerechte Bodennutzung im westfälischen Münster stieß die Präsentation von Sabine Kubitza auf reges Interesse. Sie ist die Geschäftsführerin der Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen mbH, die ein relevanter Akteur auf dem Wohnungsmarkt der ostwestfälischen Stadt ist. Weitere Vorträge behandelten die Grundstückspolitik in München, Fakten über die kommunale Wohnungsbaugesellschaft in Osnabrück sowie Erkenntnisse, die die ostbelgische Stadt Eupen auf ihren neuen Wegen in der sozialen Wohnungspolitik sammeln konnte.

„Noch gibt es für solche Instrumente bei uns keine Mehrheiten. Wir nehmen aber vieles gerne auf für unsere eigene Meinungsbildung, denn wir müssen uns den drängenden sozialpolitischen Fragen zum Thema Wohnen in den kommenden Jahren hier im Rat dringend stellen“, wagte Vaeckenstedt eine Vorausschau auf das zukünftige notwendige Handeln. | Standpunkt

Standpunkt: Der Druck steigt

Kommentar von Manuel Böhnke

manuel.boehnke@ solinger-tageblatt.de

Es ist ein Dilemma. Die Nachfrage nach Wohnraum steigt unentwegt, gleichzeitig ist das Flächenangebot begrenzt. Neubauten, die entstehen, sind meist im höherpreisigen Segment angesiedelt. Auch diese Projekte werden offenkundig gebraucht, ansonsten gäbe es keine Nachfrage. Ein guter Mix ist gefragt. Denn für viele Menschen sind die bei Neuvermietungen aufgerufenen Preise schlicht utopisch. Wie lässt sich ihnen ein Angebot machen? Das ist eine Frage, die längst nicht nur in der Klingenstadt kontrovers diskutiert wird. Deshalb ist der Ansatz, sich über die Grenzen des Bergischen Landes hinaus zu vernetzen und Praxisbeispiele aus anderen Regionen einzuholen, richtig. Andernorts erfolgreiche Konzepte können auch in Solingen dabei helfen, dass Wohnen bezahlbar bleibt. Das ist ein komplizierter Prozess, einfache Lösungen gibt es nicht. Viel Zeit können sich die Verantwortlichen dennoch nicht nehmen. Explodierende Energiepreise und steigende Lebenshaltungskosten lassen den Druck steigen. Sie wirken sich am meisten auf diejenigen aus, die ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen müssen.

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