Quarantäne

Präsenzunterricht bleibt eine Gratwanderung

Dr. Stefan Trenner, stellvertretender Leiter der August-Dicke-Schule, unterrichtet seinen Biologie-Grundkurs wieder vor Ort. Foto: Christian Beier
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Dr. Stefan Trenner, stellvertretender Leiter der August-Dicke-Schule, unterrichtet seinen Biologie-Grundkurs wieder vor Ort.

Wegen Infektionsfällen an zwei Schulen in Solingen sind 222 Schüler und Lehrer in Quarantäne.

Solingen. Vor einer Woche hat für Abschlussklassen und Grundschüler der Präsenzunterricht wieder begonnen – in geteilten Gruppen. Aus pädagogischer Sicht ziehen die Schulleitungen eine positive Bilanz. Doch der Unterricht vor Ort bleibt eine Gratwanderung. So sind an zwei Schulen Corona-Infektionen aufgetreten. An der Friedrich-Albert-Lange-Schule (Fals) seien jeweils zwei Schüler aus der Q1 (Jahrgang 12) und Q2 (13) positiv getestet worden, teilt Stadtsprecherin Stefanie Mergehenn mit. An der Theodor-Heuss-Schule (THS) seien zwei Schüler des zehnten Jahrgangs sowie ein Integrationshelfer infiziert. 169 Schüler und 18 Lehrkräfte sind nun an der Fals in Quarantäne sowie 30 Zehntklässler und fünf Lehrer an der THS.

Die Quarantäne wurde ausgesprochen, obwohl in allen betroffenen Lerngruppen vorschriftsmäßig FFP2- oder OP-Masken getragen worden seien. Im Herbst war die Vorgehensweise noch anders: Damals mussten bei einem Infektionsfall Mitschüler und Lehrer nicht automatisch in Quarantäne – wenn adäquat gelüftet und Masken getragen wurden. Das Gesundheitsamt fahre nun eine rigide Linie, um die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen, so Mergehenn.

Solingen: Schüler sind froh, in die Schule gehen zu können - doch die Situation ist fragil

„Ich finde es richtig, dass man die Schüler wieder in die Schule holt“, sagt THS-Rektor Joachim Blümer. Die Jugendlichen seien angesichts der nahenden Abschlussprüfungen froh, die Arbeit in der Schule wieder aufnehmen zu können. „Aber es bleibt eine Gratwanderung.“

Für die Fals-Schüler in Quarantäne fand gestern bereits eine erste Reihentestung im Testzentrum Bethanien statt, eine weitere folgt heute Vormittag. „Durch das Kurssystem sind leider sehr viele Schüler von der Quarantäne betroffen“, bedauert die kommissarische Leiterin Mirjana Amtmann.

Wie fragil die Situation ist, dessen ist man sich auch an anderen Schulen bewusst. „Wir setzen alles daran, um den Unterricht sicher durchführen zu können“, sagt Monika Schneider, Direktorin der August-Dicke-Schule. Große Kurse seien geteilt worden und werden in benachbarten Räumen unterrichtet: „Eine Herausforderung für die Kollegen.“ Um keine Zeit zu verlieren, fanden für die Zwölftklässler bereits erste Vorabitur-Klausuren statt. Reduziert werden mussten die Videokonferenzen für Schüler, die weiter im Homeschooling sind. „Diese von der Schule aus durchzuführen, klappt technisch nicht immer.“

Solingen: Auch an den Grundschulen ist die Freude über die Rückkehr groß

In geteilten Gruppen werden auch die Zehnerklassen an der Gesamtschule Höhscheid unterrichtet. „Es ist schön, die Schüler wieder hier zu haben. Das merkt man auch bei den Jugendlichen“, sagt Schulleiter Dirk Braun. Nicht mehr nur zu Hause lernen zu müssen, sei eine Entlastung. Bei Grundschülern und Lehrern ist die Freude über den Präsenzunterricht ebenfalls groß. An der Grundschule Katternberger Straße kommen die Schüler an zwei festgelegten Wochentagen in die Schule. Freitags finde Unterricht in den Nebenfächern als Videokonferenz statt, sagt Rektorin Katharina Löwe-Hoffmann. „Die Kinder sind sehr motiviert. Sie wissen die Schule jetzt sehr zu schätzen.“ Auch Susanne Klinkow, Leiterin der Grundschule Bünkenberg-Widdert, zieht eine positive Bilanz der ersten Tage. Das Arbeiten in kleineren Gruppen sei toll. „Aus pädagogischer Sicht ist es wichtig, dass es losging. Doch ein mulmiges Gefühl bleibt.“

Standpunkt: Testen statt schließen

Ein Kommentar von Anja Kriskofski

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Für die Schüler von Friedrich-Albert-Lange-Schule und Theodor-Heuss-Schule, die nun in Quarantäne geschickt wurden, ist es ein Drama. Gerade sind sie wieder in den Präsenzunterricht eingestiegen und schon ist es damit wieder vorbei. Klausuren müssen verschoben werden, die Vorbereitung auf den Abschluss findet in den kommenden Tagen für sie wieder nur über Lernplattformen und Videokonferenzen statt. Die Quarantänen hätten vielleicht verhindert werden können, wenn die Schnelltests bereits in breiter Masse verfügbar wären. Zwar können Lehrer in NRW sich zweimal pro Woche kostenlos auf das Coronavirus testen lassen, aber das reicht nicht. Die jetzt aufgetretenen Infektionen gehen von Schülern aus. Die Schlussfolgerung aus diesen Infektionsfällen kann aber nicht sein, die Schulen sofort wieder zu schließen. Sie müssen stattdessen mit Schnelltests für Schüler und Lehrer ausgestattet werden, die diese mehrmals pro Woche selbst durchführen können. In Österreich wurden auf diese Weise seit Anfang Februar hunderte Infektionen entdeckt. Ein Beispiel, das auch hier Schule machen sollte.

Ab dem 8. März sollen Lehrerinnen und Lehrer von Grund- und Förderschulen ein Impfangebot erhalten.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

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