Schulweg sicherer machen

„Pop-up-Radweg“ soll an der Straße Schwarze Pfähle entstehen

Auf der Straße Schwarze Pfähle könnte eine der vier Fahrspuren provisorisch als Radweg abgetrennt werden. Foto: Christian Beier
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Auf der Straße Schwarze Pfähle könnte eine der vier Fahrspuren provisorisch als Radweg abgetrennt werden.

Die Stadt prüft, wie der Schulweg auf zwei Rädern sicherer werden kann.

Von Andreas Tews

Solingen. Nur wenige Straßen bieten sich durch ihre Breite für die Einführung temporärer Radwege an, berichtete der städtische Verkehrsplaner Carsten Knoch. Im Planungs- und Verkehrsausschuss des Rates erklärte der städtische Verkehrsplaner auf Anfrage der Grünen weiter, dass sich bei Berücksichtigung weiterer Kriterien nur eine Strecke für einen sogenannten „Pop-up-Radweg“ anbiete: die Schwarzen Pfähle zwischen Aufderhöhe und Merscheid. Stadtdirektor Hartmut Hoferichter kündigte an, dass das Rathaus das Ziel verfolge, dort einen provisorischen Radweg einzurichten. An anderen Stellen – zum Beispiel in der Innenstadt – brächte eine solche Zweiradspur laut Knoch aber ein Verkehrschaos.

Mit „Pop-up-Radwegen“ hatten Metropolen wie Berlin und Düsseldorf auf das vorübergehend zurückgegangene Verkehrsaufkommen in Zeiten der Corona-Pandemie reagiert. Dabei wurden Fahrspuren, die normalerweise für Autos, Lastwagen und Motorräder gedacht sind, durch Baken abgetrennt. Die so entstandenen Radwege sorgten vor allem in Düsseldorf für Staus.

„In der Innenstadt wären in Spitzenstunden Staus zu erwarten.“ 

Carsten Knoch, Verkehrsplaner

Genau diese negativen Auswirkungen will Knoch in der Solinger Innenstadt vermeiden. Die Bundesstraße 224 sei im Bereich Konrad-Adenauer-Straße / Goedelerstraße / Entenpfuhl zwar vierspurig. Vor allem in Spitzenstunden wären nach seiner Einschätzung aber lange Staus zu befürchten, würde eine Spur für Radfahrer abgezweigt. Zudem böte sich im Bereich der Innenstadt die Korkenziehertrasse als Alternative für Radfahrer an.

Für die Schwarzen Pfähle empfiehlt er nach jetzigem Stand hingegen einen provisorischen Radweg. Der könnte zu Zeiten der 2021 anstehenden Baustelle eingeführt werden. So könnte eine Lücke im Radwegenetz zwischen Aufderhöhe und unter anderem dem Humboldtgymnasium geschlossen werden. Auf den übrigen Straßenverkehr hätte ein solcher Weg auf einer der vier Fahrspuren nach Meinung der Fachleute im Rathaus keine entscheidende Auswirkung.

Auf Nachfrage von Dietmar Gaida (Grüne) ergänzte Stadtdirektor Hoferichter, dass letzte Prüfungen noch ausstehen. Es sehe aber gut aus, dass der „Pop-up-Radweg“ zwischen den Stadtteilen Aufderhöhe und Merscheid bald eingerichtet werde. Dieser hätte in jedem Fall nur einen vorübergehenden Charakter. Denn fest steht nach Angaben von Knoch, dass an den Schwarzen Pfählen ein neuer Radweg gebaut werde.

Laut Knoch hat die Verwaltung auch die dritte vierspurige Strecke im Stadtgebiet, die Neuenkamper Straße, geprüft. Hier rät er aber dazu, keinen provisorischen Radweg anzustreben – allein aus dem Grund, weil dort der Landesbetrieb Straßen zuständig und von dem keine Zustimmung zu erwarten sei.

Auch zusätzliche Fahrradstraßen – wie vor drei Wochen auf dem Ohligser Theodor-Storm-Weg und seiner Verlängerung in Hilden eingeführt – seien an anderen Stellen möglich, berichtete Hoferichter. „Der Theodor-Storm-Weg muss nicht der letzte gewesen sein“, erklärte er. Konkrete Straßen könne er aber noch nicht nennen.

Gaida hatte zuvor beim Thema Fahrbahndeckenprogramm kritisiert, dass ein Radwegenetz in Solingen nur in Bruchstücken vorhanden sei. Auch Ramona Engels (SPD) rief in Erinnerung, dass die Verwaltung laut politischem Beschluss bei jedem Straßenabschnitt, der zur Sanierung anstehe, auch prüfen solle, ob ein Radweg abmarkiert werden könne. Dies müsse für das Programm 2021 noch nachgeholt werden.

Sichere Schulwege

Programm: Die Stadt arbeitet nach eigenen Angaben kontinuierlich daran, die Schulwege sicherer zu gestalten.

Tempo-30-Zonen: Ein Aspekt dieses Programms sind Geschwindigkeitsbeschränkungen. Nach Rathausangaben gilt vor 20 der 23 Grundschulen Tempo 30.

Gesicherte Überwege: Auch Querungshilfen gehören zu dem Konzept. Falls nicht vorhanden, werden sie vor Schulen und Kitas geprüft.

An leuchtend orangefarbenen Westen und neongelben Käppis sind sie zu erkennen, die insgesamt 48 Verkehrsscouts der Grundschule Uhlandstraße. Die speziell ausgebildeten Viertklässler sorgen derzeit morgens und mittags für Sicherheit auf dem Schulweg.

Standpunkt: Das ist keine Dauerlösung

Von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Wer in Solingen mit dem Fahrrad unterwegs ist, stößt im Alltag sehr schnell an die Grenzen des für Zweiräder vorgesehenen Wegenetzes. Die Korkenziehertrasse und die neu eingerichtete Fahrradstraße an der Stadtgrenze zu Hilden sind hier die einzigen wirklichen Lichtblicke. Die übrigen Fahrradwege enden oft im Nichts und sind zudem oft nicht mehr als – von Autofahrern oft ignorierte – abmarkierte Streifen auf Hauptverkehrsachsen. „Pop-up-Radwege“ können hier weiterhelfen, um das Radfahren auch in Solingen attraktiver zu machen. Bei diesen Provisorien darf es aber nicht bleiben. Gerade jetzt, da das Fahrradfahren – nicht zuletzt durch Elektroantriebe – immer beliebter wird, ist es an der Zeit das Radwegenetz dauerhaft auszubauen. Dies muss intelligent geplant werden. Oft reicht es eben nicht, nur einen Streifen auf der Straße zu ziehen. Und es reicht nicht aus, dabei nur die Fahrradfahrer im Blick zu haben. Radwege dürfen nicht zum Verkehrschaos à la Düsseldorf führen. Damit wäre niemandem geholfen – auch nicht den Fahrradfahrern.

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