Statistik zeigt Rückgang

Polizei: Kriminalität in der Innenstadt sinkt

Polizeichefin Claudia Schepanski möchte das Sicherheitsgefühl der Solinger verbessern – zum Beispiel auf dem Graf-Wilhelm-Platz. Fotos: Christian Beier
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Viele Solinger empfinden unter anderem den Graf-Wilhelm-Platz als Angstraum. Dort will die Polizei mit Präsenz das Sicherheitsgefühl stärken (Archivbild).

Diese positive Entwicklung zeigen vorläufige Zahlen der angezeigten Straftaten. Die Polizei will in Angsträumen in Solingen jedoch präsent bleiben.

Von Kristin Dowe

Solingen. Die Kriminalität in der Solinger Innenstadt hat nach Angaben der Polizei Wuppertal seit 2017 kontinuierlich abgenommen. Diese Entwicklung lässt sich aus den Zahlen einer polizeilichen Eingangsstatistik ableiten, welche die Behörde zu internen Recherchezwecken verwendet, um beispielsweise kriminelle Schwerpunktbereiche identifizieren zu können.

Demnach ist die Zahl der angezeigten Straftaten im Bereich der Innenstadt von 443 im Jahr 2017 auf 296 angezeigte Straftaten im von der Corona-Pandemie geprägten, vergangenen Jahr stetig gesunken. Die Zahlen beziehen sich auf den Bereich der Straßenkriminalität, der die Deliktarten Körperverletzung, Sachbeschädigung, Straßen- und Handtaschenraub, Taschendiebstahl sowie Betäubungsmitteldelikte umfasst (s. Grafik).

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Überraschend gestiegen ist 2020 – trotz der coronabedingt eher ruhigen Situation in der Innenstadt – die Zahl der Taschendiebstähle. Hier hatte die Polizei gegenüber 95 Anzeigen im Jahr 2019 im vergangenen Jahr 114 Strafanzeigen zu verzeichnen. Die Zahlen geben laut Polizei allerdings nur ungefähre Anhaltspunkte für die tatsächliche Kriminalitätsentwicklung in der Innenstadt, da es sich um reine Strafanzeigen, nicht aber um fertig ausermittelte Straftaten handelt, die in die einmal jährlich veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) einfließen. Denn nicht bei jeder Anzeige liege automatisch eine Straftat vor.

Solingen: Auswertung der Straftaten nach Stadtteilen nicht möglich

„Eine Auswertemöglichkeit der PKS-Daten nach einzelnen Stadtteilen oder Straßenzügen steht uns derzeit nicht zur Verfügung“, sagt Alexander Kresta, Sprecher der Polizei Wuppertal. „Gleichwohl verfügt das Polizeipräsidium Wuppertal über ein aussagekräftiges Bild in Bezug auf die Kriminalitätsentwicklungen in der Solinger Innenstadt.“ Die vorläufige Auswertung der Strafanzeigen nach Stadtteilen werde mit Hilfe eines sogenannten Vorgangsbearbeitungssystems aufwendig durch den Leitungsstab im Polizeipräsidium erhoben und den Polizeiinspektionen halbjährlich zur Verfügung gestellt.

Es ist Verpflichtung der Polizei, das Sicherheitsempfinden der Bürger durch Präsenz zu stärken.

Alexander Kresta, Polizeisprecher

Eine „stadtteilscharfe“ Auswertung der ausermittelten Straftaten sei aktuell auch nicht geplant, heißt es auf Nachfrage beim NRW-Innenministerium. „Für das polizeiliche Einsatzgeschehen sind die Stadtteilgrenzen weniger ausschlaggebend“, argumentiert ein Sprecher. „Die Eingangsstatistik ist für die Beamten wichtiger als später die PKS, die mit entsprechend zeitlicher Verzögerung erscheint. Die Polizei muss mögliche Brennpunkte aber früh erkennen können.“

Solingen: Bürger nehmen in der Innenstadt bestimmte Angsträume wahr

Im März vergangenen Jahres war in der Klingenstadt eine Diskussion um die Sicherheit in der Innenstadt entbrannt, nachdem die Solinger Polizeichefin Claudia Schepanski bei einem Pressegespräch mit der Aussage an die Öffentlichkeit getreten war, dass die Kriminalität in der City 2019 um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2018 gestiegen sei. Dies widerspricht den nun veröffentlichten Zahlen. „Hundertprozentig aufklären können wir nicht mehr, was damals schiefgelaufen ist“, räumt Kresta ein. „Es ist aber grundsätzlich möglich, dass bei der Auswertung damals falsche Suchfilter gesetzt worden sind, also beispielsweise womöglich Körperverletzungen im häuslichen Bereich ebenso mitberücksichtigt wurden wie jene draußen auf der Straße, obwohl es uns ja nur um die Straßenkriminalität ging.“

Der Polizei sei aber sehr wohl bewusst, dass viele Bürger insbesondere den Mühlenplatz und den Graf-Wilhelm-Platz als Angsträume wahrnähmen. „Das subjektive Sicherheitsempfinden korrespondiert aber oft nicht mit der tatsächlichen Sicherheits- beziehungsweise Kriminalitätslage. Trotzdem ist es eine wichtige Verpflichtung der Polizei, an diesen Orten durch Präsenz das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zu stärken“, so Kresta.

Mit diesem Ziel beschäftigte sich auch 2019 schon der alte Jugendstadtrat und stellte Überlegungen an, am Graf-Wilhelm-Platz einen „Save Raum“ einzurichten – bedingt durch Corona kehrte vorerst Ruhe in die Diskussion ein. Allerdings wolle auch die Jugendförderung der Stadt „an dem Thema dranbleiben“, versichert Mitarbeiterin Patricia Bennertz. „Wir arbeiten mit der Polizei eng zusammen. Auch der neue Jugendstadtrat wird sich noch mit Konzepten beschäftigen, wie das Sicherheitsgefühl in der Innenstadt und die Zivilcourage insgesamt gestärkt werden können.“

Nach der jüngst veröffentlichten Kriminalstatistik der Polizei erreicht die Zahl der Straftaten in Solingen einen Tiefstand. Der Rückgang der Kriminalität zeichnet sich im gesamten Städtedreieck ab. Doch Kinderpornografie beschäftigt Polizei stark.

Nachbarstädte

Vergleichszahlen zu den Innenstädten von Wuppertal und Remscheid gibt es nicht. Hintergrund: In Solingen hat die Polizei rund 60 Straßen in der City für ein Präsenzkonzept definiert. Dafür wurden die hier genannten Zahlen erhoben. In Wuppertal und Remscheid sind die Konzepte anders. So gibt es etwa für Wuppertal eigene Konzepte weiträumig um den Berliner Platz und den Döppersberg, aber nicht für die ganzen Innenstädte von Barmen oder Elberfeld.

Standpunkt: Erleichternde Nachrichten

Von Kristin Dowe

kristin.dowe@ solinger-tageblatt.de

Tue Gutes und rede darüber: So lautet ein Wahlspruch bei der Öffentlichkeitsarbeit. Bei ihrer Kommunikationspanne im vergangenen Jahr ist die Polizei eher nach dem Motto verfahren: Tue Gutes und behalte es für dich. Denn einen ersichtlichen Grund, warum sie die rückläufigen Zahlen in Bezug auf die Straßenkriminalität in der Solinger Innenstadt erst spät und auf Tageblatt-Nachfrage herausgegeben hat, statt gleich damit in die Offensive zu gehen, gibt es nicht.

Damit hätte die Polizei der Sicherheitsdebatte Anfang 2020 frühzeitig den Wind aus den Segeln nehmen können. So schafft die Nachricht späte Erleichterung. Es ist erfreulich, dass die insgesamt gesunkenen Strafanzeigen gegen das Bild der Innenstadt als krimineller Brennpunkt sprechen – wenngleich die Zahlen nur Anhaltspunkte liefern und das persönliche Sicherheitsempfinden vieler Bürger anders sein mag.

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