Sitzung

Politik beschleunigt Baurecht in der City

So soll der neue Wohn- und Geschäftskomplex – von der Seite der Clemens-Galerien aus betrachtet – gebaut werden. Foto: Prasch Buken Partner
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So soll der neue Wohn- und Geschäftskomplex – von der Seite der Clemens-Galerien aus betrachtet – gebaut werden.

Bis Mitte 2024 sollen statt Kaufhof und P & C Wohnungen, Geschäftsräume und eine Passage entstehen.

Von Philipp Müller

Solingen. In einer gemeinsamen Sitzung von Bezirksvertretung (BV) Mitte und dem Ausschuss für Städtebau, Stadtentwicklung und Digitale Infrastruktur legten die Politiker die Zukunft der Gebäude von Kaufhof und P & C in die Hände des Rathauses. Bis zum Ende des Jahres soll das aktuelle Baurecht, der Plan S 1 aus dem Jahr 1955, teilweise aufgehoben werden. Baudezernent Hartmut Hoferichter (parteilos) betonte in der Sitzung, dass der schnellste Weg der Entwicklung – von Leerständen hin zu neuem Leben – rein über das Baugesetzbuch verlaufe: in Kombination mit einem städtebaulichen Vertrag mit dem Investor.

Die Fertigstellung ist für Mitte 2024 vorgesehen, zum Investitionsvolumen wurden keine Angaben gemacht. Die Nutzfläche soll 16 000 Quadratmeter umfassen. 5000 für Handel, 6000 für Wohnen und 5000 unter dem Stichwort „Pflege“.

Investorenvertreter Udo Stocker (l.) und Architekt Alf Prasch – das Modell zeigt rechts unten den Fronhof, links oben die Clemens-Galerien.

Doch ganz still verzichtete die Politik nicht auf den sonst üblichen Bebauungsplan für Großprojekte. Zunächst wollten die Volksvertreter wissen, was dort genau geplant ist. Udo Stocker vertrat dazu den Bauherrn, die Immobilien Solingen Projektgesellschaft, der auch die Clemens-Galerien gehören. Er versicherte, die Planungen orientierten sich streng am Konzept City 2030. Mit dem will die Verwaltung der Innenstadt eine neue Bedeutung geben: unter anderem durch mehr Wohnraum.

Dort setzen auch die Pläne des Hamburger Architektenbüros Prasch Buken Partner (pbp) an. Alf Prasch stellte die ersten Entwürfe im Detail vor. Mit verschiedenen Baukörpern zwischen fünf Geschossen auf der Seite der Clemens-Galerien und drei Richtung Fronhof entsteht ein Gebäudekomplex, der verschiedene Funktionen erhalten soll.

„Alle Mieter bleiben in den Clemens-Galerien.“

Udo Stocker, Projektentwickler

Auf Kritik im Ausschuss stieß die Idee, allein rund 5000 Quadratmeter unter dem Aspekt der Pflege von Senioren vorzusehen. Im Bedarfsplan der Stadt werden solche Plätze als nicht notwendig erachtet. Stocker und Prasch konterten, sie wollten vor allem mit der Idee des betreuten Wohnens – und Senioren-Wohngemeinschaften mit bis zu 14 Bewohnern – sowie Tagespflege punkten. Stadtdirektor Hoferichter meinte, das berühre den Bedarfsplan für stationäre Einrichtungen nicht.

Normaler Wohnraum, der „mietgünstig“ sei, werde ebenfalls angeboten, sagte Stocker. Auf Nachfrage musste er einräumen, dass noch nicht geprüft worden sei, geförderten Wohnraum vorzusehen. Das fordert das Handlungskonzept Wohnen, macht aber auch Ausnahmen möglich. Im Herbst könne er Mietpreise nennen, erklärte Udo Stocker.

Das fordert auch ein Antrag der CDU, dem die gemeinsame Sitzung zustimmte (| Kasten). Er verlangt große Transparenz bei der Planung, wenn man schon auf den Bebauungsplan verzichtet.

Dann ging es trotz der Mahnung des Ausschussvorsitzenden Carsten Becker (CDU), man bespreche keinen Bebauungsplan, doch an Details. Knackpunkt ist eine Passage, die den Fronhof über den Klosterwall mit der Ecke Mummstraße verbindet und gegenüber der heutigen Biber-Apotheke endet. Da könne ein Angstraum entstehen, falsche Gäste angezogen werden und zu wenig Licht zu Problemen führen. Architekt Prasch machte deutlich, dass der Eingang am Klosterwall 25 Meter breit sei, die Passage selbst vier Meter hoch ausfalle. Und überhaupt: Die Überlegung sei noch nicht abgeschlossen, auf weite Teile eines Daches zu verzichten.

In die Passage sollen Handel und Gastronomie integriert werden. Das wird auch Konkurrenz für die Clemens-Galerien bedeuten. Zu deren Zukunft nahm Udo Stocker ebenfalls Stellung. Mit zwei Gastronomen seien die Verhandlungen weit fortgeschritten. 5000 Quadratmeter stünden leer, die neben der Gastronomie für Freizeitangebote vorgesehen seien. Er wolle auf mehr Mix zu den Discounter setzen, betonte Stocker, der in Hamburg als Projektentwickler arbeitet. „Nach den letzten 18 Monaten erleben wir eine erfreuliche Entwicklung.“ Mit dem Kino und dem Parkhaus seien langfristige Verträge geschlossen worden. Auch sonst gelte: „Alle Mieter bleiben in den Clemens-Galerien.“

Baurecht

Ausschuss und BV erhalten durch ihren Beschluss, das Baurecht zu ändern, gleichzeitig regelmäßig „umfangreich Auskunft über den aktuellen Planungsstand des Bauprojekts“. Zugleich ist das Rathaus daran gebunden: „Die Verwaltung informiert das beschließende Gremium vor dem Satzungsbeschluss über die Teilaufhebung über die im Städtebauvertrag mit dem Investor vereinbarten Festsetzungen.“ Rathaus und Investor sagten Transparenz zu diesen Themen zu.

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