Theater und Konzerthaus

Best of Poetry Slam begeistert 800 Zuschauer

Bekam für seinen Vortrag tosenden Applaus: Jean-Philippe Kindler.Foto: Michael Strahlen
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Bekam für seinen Vortrag tosenden Applaus: Jean-Philippe Kindler.

800 Zuschauer im Theater und Konzerthaus fällen am Ende eine überraschende Entscheidung.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Am Ende war es denkbar knapp und dennoch eindeutig: Im Finale konnte Jule Weber einen längeren, lauteren und ekstatischeren Applaus des Publikums vorweisen als ihr unmittelbarer Konkurrent Jean-Philippe Kindler. Ein bisschen überraschend kam diese Wendung in der Gunst der rund 800 Zuschauer durchaus, denn schließlich hatten die sieben Juroren aus dem Publikum Jean-Philippe in der zweiten Runde für seinen Vortrag durchgängig und ohne Ausnahme zehn Punkte und damit die höchstmögliche Anerkennung gezollt: Seine Erläuterung zur Erfindung des Monopoly- Spiels von Elizabeth Magie Philipps, einer überzeugten Quäkerin, deren Absicht es gewesen sei, den Irrsinn von monopolistischem Besitz aufzuzeigen, kam bestens an.

Vier Poetry-Slammer waren im Großen Konzertsaal angetreten, um nach zwei Jahren Wartezeit durch immer neue coronabedingte Verschiebungen, endlich in Solingen aufzutreten. Organisiert hatte diesen Dichterwettstreit moderner Art, genannt „Best of Poetry Slam“, der Comedian und „Poetry-Slammer“ Jan Schmidt, der seit einiger Zeit auch als Veranstalter und Moderator unterwegs ist.

Pointiert, geschliffen, ironisch, witzig und dennoch in der sachlichen Anklage gegen kapitalistische Geldgier als Lebensprinzip, bekam Jean-Philippe Kindler zusätzlich zur fulminanten Punktezahl tosenden Beifall.

Aber offensichtlich überzeugte Jule Weber schließlich mehr mit ihren energiereichen Texten, die sie frei und eindrücklich in den Raum hinein sprach: Dicht, poetisch, scharfzüngig, tiefsinnig – und mit reichlich komischen Prisen gewürzt, die immer wieder für Lacher sorgten und einen Beweis dafür lieferten, wie köstlich sich das Publikum unterhielt.

Durch den Abend führte Veranstalter Jan Schmidt. Er erläuterte Regeln, wählte Juroren aus, kündigte die Künstler und Künstlerinnen an, notierte Wertungen und füllte immer wieder mit mal mehr mal weniger originellen Sprüchen die Pausen bis zum nächsten Auftritt der Slammer. Alle vier haben Preise verschiedener deutscher Wettbewerbe gewonnen und sind somit in der Poetry-Slam-Szene gut bekannt.

Zuschauer waren auch aus Köln, Düsseldorf und Wuppertal nach Solingen gekommen

Neben Kindler und Weber fesselte beispielsweise Meral Ziegler mit zwei Texten. Um Selbstfindung als Lebensthema von Menschen mit Migrationshintergrund ging es einmal, das andere Mal um Umweltbewusstsein und die Beobachtung, dass offenbar viele dabei in die Falle einer Selbstdarstellung tappen.

Florian Wintels, dreifacher Niedersachsen-Bremen-Meister im Poetry Slam, stellte in seinem ersten Vortrag die Vorteile von Stadt- und Landleben gegenüber und spitzte gekonnt und mit einer herrlichen Mischung aus Kabarett und Poesie das Für und Wider an. In seiner zweiten Performance bezog er den Saal mit ein, der an den zuvor vereinbarten Stellen mit einem gebrüllten „Nein“ dem vorgetragenen Text seine besondere Komik verlieh.
Am Tag nach dem Poetry Slam rückte die Feuerwehr ans Theater und Konzerthaus aus - dort war Wasser ausgetreten.

Zweieinhalb Stunden lang genoss das Publikum, das unter anderem auch aus Köln, Düsseldorf oder Wuppertal nach Solingen gekommen war, dieses angesagte Bühnenformat und die jeweils siebenminütigen dichten und energiestrotzenden Auftritte der Künstler, die mal kritisch, mal witzig, mal nachdenklich und berührend daherkamen. Poetry Slam bewegt sich auf einem weiten Feld zwischen Lyrik, Comedy, Kabarett und Prosa und fesselt mit gewichtigen Texten und oftmals ausdrucksstarker Performance.

Poetry Slam
Einst ein Geheimtipp, sind die modernen Dichterwettstreite seit 2016 als immaterielles Unesco-Kulturerbe anerkannt. Dabei sind die Regeln einfach: Künstler und Künstlerinnen tragen selbst geschriebene Texte innerhalb eines festen Zeitlimits vor, und der Vortrag wird von einer zuvor festgelegten Jury aus dem Publikum bewertet.

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