Pressefreiheit

Diskussion wird zu Statement gegen Krieg - Maks Levins Witwe reiste aus dem Donbass an

Auf dem Podium: Inna Varenytsia (2. v. l.), Sylvia Löhrmann, Michael Boll (r.) und Jürgen Kaumkötter, Direktor des Zentrums für verfolgte Künste.
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Auf dem Podium: Inna Varenytsia (2. v. l.), Sylvia Löhrmann, Michael Boll (r.) und Jürgen Kaumkötter, Direktor des Zentrums für verfolgte Künste.

Inna Varenytsia, Witwe des im Krieg getöteten Fotojournalisten Maks Levin, war in Solingen zu Gast. Auch sie selbst dokumentiert den Krieg in ihrer Heimat.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Eigentlich sollte Sonya Koshkina am Sonntagvormittag mit Michael Boll, Verleger der B. Boll Mediengruppe, über Pressefreiheit diskutieren. Doch die Chefin der ukrainischen Online-Plattform, für die Maks Levin fotografierte und berichtete, war kurzfristig erkrankt. Neben Gastgeberin Sylvia Löhrmann nahm stattdessen Inna Varenytsia Platz auf dem Podium. Sie ist die Witwe des am 1. April getötet aufgefundenen Fotografen Levin. Ihre Ausführungen gaben dem Gespräch im Zentrum für verfolgte Künste eine tiefere emotionale Farbe, als von den Organisatoren womöglich ursprünglich gedacht.

Die Diskussion war als Matinee ein begleitendes Element zu der aktuell im Zentrum zu sehenden Ausstellung „Deadlines“. Sie zeigt unter anderem Kriegsbilder aus den Monaten Februar und März dieses Jahres, aufgenommen vom ukrainischen Fotojournalisten Maks Levin. Der Förderkreis des Museums, die Kuratorinnen und das Museumsteam haben für diese Ausstellung aus 150 Bildern eine Auswahl getroffen, die den Schrecken des Krieges deutlich macht, aber nicht jedes grausame Detail des Mordens zeigt.

Varenytsia, selbst international bekannte Foto- und Videojournalistin, war aus dem Donbass angereist, wo sie – wie ihr mutmaßlich von russischen Soldaten getöteter Mann – versucht, das Kriegsgeschehen in der Ukraine mit der Kamera einzufangen. Das Leben sei derzeit sehr schwer, sagte sie ehrlich, auch mit Blick auf ihre Doppelbelastung als Journalistin und Mutter.

Man mache immer viel mehr Bilder, als man veröffentliche, erklärte Varenytsia. Schließlich bedarf es einer sorgfältigen Auswahl, welches Foto für eine Presseveröffentlichung tauge. Es gelte immer, etwa bei Aufnahmen von Verletzten oder Verstorbenen, deren Angehörige zu schützen und ihnen Respekt und Intimsphäre zu garantieren. Die Sozialen Medien befolgen diesen Grundsatz oft nicht, bedauerte sie. Das sehe sie sehr kritisch.

Arbeit in den Kriegsgebieten wird immer gefährlicher

Die Arbeit in den Kriegsschauplätzen der Ukraine werde immer gefährlicher für Journalisten. Noch immer seien die genauen Umstände nicht geklärt, wie ihr Mann ums Leben gekommen ist. Russland versuche offensichtlich, Fotos, die die Wahrheit über das Kriegsgeschehen dokumentieren, zu verhindern.

Dies sei ein eindeutiger Verstoß gegen die Pressefreiheit, betonte Michael Boll. Ein Staat dürfe sich nicht in die Arbeit der Presse einmischen und Zensur üben. Boll erinnerte daran, „dass Demokratie ohne Pressefreiheit nicht möglich ist“.

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