Sparkassen-Neubau

Planer wollen Fußgängerzone schaffen

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So sieht der Entwurf aus.

Verkehrsführung um den Sparkassen-Neubau soll neu geregelt werden – drei Varianten stehen zur Diskussion

Von Kristin Dowe

Solingen. Im Zuge des Sparkassen-Neubaus am Neumarkt wird es eine neue Verkehrsführung geben, bei der die Planer zwei entscheidende Kriterien miteinander in Einklang bringen wollen: Zum einen soll der Verkehr rund um das Areal in der Innenstadt reibungslos fließen, zum anderen soll der Eingangsbereich des neuen Sparkassen-Gebäudes am Neumarkt möglichst als Fußgängerzone gestaltet werden. Hierzu gibt es drei bauliche Varianten, die heute in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz und Mobilität (ASUKM) per Videokonferenz diskutiert werden.

Die erste Variante sieht vor, die Platzfläche am Neumarkt weitgehend vom Durchgangsverkehr zu befreien. Dabei wird die Max-Leven-Gasse, die zurzeit nur als Einbahnstraße nutzbar ist, auf einer Breite von mehr als zehn Metern für den Verkehr in beide Richtungen ausgebaut. Die Peter-Knecht-Straße soll abgebunden werden – das bedeutet, Fahrzeuge könnten sie von der Kölner Straße aus kommend nur etwa bis zur Hälfte befahren und sie endet schließlich als Sackgasse. Vom Neumarkt aus kommend aus wäre sie gar nicht befahrbar. Derweil soll das Links- als auch das Rechtsabbiegen von der Max-Leven-Gasse auf die Kölner Straße auf einer gemeinsamen Spur ermöglicht werden.

Gerade letzterer Punkt könnte Probleme bereiten, befürchtet Carsten Knoch, Verkehrsplaner bei der Stadt: „Für Linksabbieger auf der Max-Leven-Gasse könnte es dort zu langen Wartezeiten kommen.“ Dies habe eine Prognose auf der Grundlage von Verkehrszählungen an jenem Knotenpunkt ergeben. 

Bliebe Variante 2, die ebenfalls den Ausbau der Max-Leven-Gasse in beide Fahrtrichtungen und eine Abbindung der Peter-Knecht-Straße vorsieht. Mit dem Unterschied, dass nur das Rechtsabbiegen von der Max-Leven-Gasse auf die Kölner Straße ermöglicht würde. Klingt gut, würde das Problem in der Praxis aber nur verlagern, wendet Knoch ein: „Dann könnte sich der Verkehr am Knotenpunkt Kölner Straße/ Birkerstraße stauen.“ Dort flösse dann der gesamte Verkehr, der jetzt sich jetzt durch die Peter-Knecht-Straße und die Straße Ufergarten bewegt.

Eine dritte Variante wäre, die Peter-Knecht-Straße als Einbahnstraße in Richtung Südosten auf die Kölner Straße zu etablieren. Das Rechtsabbiegen wäre nur von der Max-Leven-Gasse aus, die für den Zweirichtungsverkehr ausgebaut wird, auf die Kölner Straße und das Linksabbiegen nur von der Peter-Knecht-Straße aus auf die Kölner Straße möglich. Im Hinblick auf eine reibungslose Verkehrsführung wäre dies zwar eine elegante Lösung, doch widerspricht sie dem Ziel der Planer, die Autos von der Straße vom Neumarkt zu verbannen.

„Der zunehmende Individualverkehr erschwert die Planungen.“
Carsten Knoch, Verkehrsplaner

Schließlich haben die Planer die erste Variante noch um einen Aspekt erweitert: Eine Überlastung der Max-Leven-Gasse könne bei diesem Modell nur vermieden werden, wenn man im weiteren Umfeld „verkehrslenkende Maßnahmen“ ergreift. „Eine Überlegung wäre, das Abbiegen von der Bergstraße in die Friedrichstraße in beide Richtungen zu ermöglichen, um diesen Punkt zu entzerren. Zurzeit darf man dort nur rechts abbiegen“, erläutert Knoch. Aber ein klareres Bild müssten auch dort Verkehrsprognosen zeichnen. „Der zunehmende Individualverkehr erschwert die Planungen. Wenn die Leute weniger mit dem Auto führen, würde das die Verkehrsbelastung reduzieren.“

Neue Sparkasse

Nahe der Einmündung Kölner Straße soll die Tiefgarage des Sparkassen-Neubaus für rund 300 Mitarbeiter entstehen. Mit der Fertigstellung rechnen die Planer im ersten Halbjahr 2023. Die genauen Kosten kann die Sparkasse noch nicht nennen.

STANDPUNKT: Innenstadt beleben

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Kristin Dowe

Die Aufgabe der Verkehrsplaner gleicht zuweilen der Quadratur des Kreises: Bezogen auf die Verkehrssituation rund um den Sparkassen-Neubau soll auf dem Neumarkt eine Fußgängerzone mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. Gleichzeitig muss der Verkehr, der bislang unter anderem durch die Max-Leven-Gasse fuhr, die zurzeit noch eine Einbahnstraße ist, irgendwohin abfließen. Man kann die baulichen Varianten drehen und wenden wie man will – irgendein Verkehrsknotenpunkt im Umfeld des Komplexes wird in jedem Fall stärker belastet, so dass es dort zu längeren Wartezeiten oder gar Staus kommen kann. Eine Patentlösung gibt es trotz solider Prognosen durch Verkehrsmessungen nicht. Vielmehr stellt sich die Frage des geringsten Übels. 

Wer sich darüber beschwert, sollte seine eigenen Transportgewohnheiten überdenken. Denn der immer weiter zunehmende Individualverkehr mit Autos verstopft die Innenstadt und erschwert die Aufgabe der Planer, allen Interessen gerecht zu werden. An dem Ziel, den Neumarkt autofrei zu gestalten, sollte Solingen allein im Interesse der dringend notwendigen Belebung der Innenstadt unbedingt festhalten.

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