Vorsicht ist angesagt

Pilze sammeln – so geht es richtig

Vorsicht ist angesagt: Der mehrmalige Verzehr des Kahlen Kremplings kann tödlich sein.
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Vorsicht ist angesagt: Der mehrmalige Verzehr des Kahlen Kremplings kann tödlich sein.

Experte Frank Langer gibt Tipps für alle, die sich auf die Suche begeben wollen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Die Fruchtkörper schießen aus dem unterirdischen Flechtwerk hervor und locken Sammler in Wiesen und Wälder. Es ist Pilzzeit. Das ST hat sich bei dem Experten Frank Langer umgehört. Er bietet Kurse und geführte Wanderungen an.

Wo gibt es in Solingen Pilze?

Sie wachsen, wenn das Wetter feucht und schattig ist, überall im Stadtgebiet, die meisten in Wäldern. Besonders in Mischwäldern sind viele zu entdecken.

Also kann man derzeit einfach losgehen und durch die Botanik streifen?

Immer vorausgesetzt, man befindet sich nicht in einem als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Habitat. Man muss unbedingt auf die aufgestellten Schilder achten und darf dort in keinem Fall die angelegten Wanderwege verlassen. Das würde zu viel Unruhe in die Fauna bringen und die Flora unnötig zertrampeln. Die Pilze, die dort wachsen, müssen stehenbleiben, um das natürliche Lebensraumgleichgewicht nicht aus dem Takt zu bringen.

Welche Pilzsorten wachsen bei uns?

Sehr viele, je nach Baumbestand: Birkenpilze, Steinpilze, Champignons, Pfifferlinge, Hallimasch, Maronen und ein paar mehr. Beim Sammeln gilt immer das wichtige Gebot, nur die zu nehmen, die man absolut sicher identifizieren kann. Sobald auch nur eine kleine Unsicherheit besteht: Finger weg!

Frank Langer erklärt den Teilnehmern bei seinen Pilzführungen genau, was geht und was nicht. Erst-Sammlern rät er dringend, die Exemplare von einem Fachmann begutachten zu lassen.

Also wachsen bei uns auch giftige?

Ja, allen voran der Knollenblätterpilz, der die Leber schädigt und tödlich wirken kann.

Gibt es irgendeine Faustregel, die das Sammeln ein bisschen sicherer macht?

Ja, prinzipiell gilt, den Ausdruck „in die Schwammerln gehen“ wörtlich zu nehmen, denn Schwammerln sind Röhren, keine Lamellen: Unter den Röhrenpilzen gibt es keine tödlich giftigen Pilze. Man muss sich die Struktur unter dem Pilz-Hut anschauen, die ist aussagekräftig und kann gut beurteilt werden. Außerdem gilt es, zu alte Pilze stehenzulassen: Nur ganz frische abdrehen.

Abdrehen? Nicht mit dem Messer schneiden?

Abdrehen ist besser, so wie beim Äpfelpflücken. Beim Schneiden wird ein Teil der zur Erkennung wichtigen Parameter am Stiel zerstört. Was gar nicht geht, ist unsachgemäßes Herausreißen, weil man dadurch möglicherweise ein Stück des unterirdischen Myzels, des Mutterkörpers, beschädigt.

Rotrandiger Baumschwamm ist aufgrund seiner Beschaffenheit nicht essbar.

Muss man Pilze sofort verwerten oder kann man sie in die Kühlung geben?

Man sollte die schnell verderbliche Ware möglichst am gleichen Tag verbrauchen. Pilze sind auch druckempfindlich. Sammeln also nicht mit einer Papier-, Jute- oder gar Plastiktüte, sondern ganz klassisch im Körbchen. Allerdings kann man Pilze trocknen. Mit einer Nadel auf Leinen aufziehen und sozusagen als Girlande in der Küche trocken, halten sie durchaus ein paar Wochen.

Wenn man noch nie zuvor Pilze gesammelt hat, kann man sich das mit einer App oder einem gedruckten Führer zutrauen?

In keinem Fall. Apps können als Stütze hilfreich sein, aber wie Bücher erst nach Besuch eines Kurses. Man sollte einen zweitägigen Kurs aus Theorie und Praxis besuchen, es sei denn, man hat Freunde oder Bekannte, die einem das nötige Wissen ausführlich vermitteln, in dem sie einen bei Exkursionen mitnehmen und ganz viel erklären. In jedem Fall sollte sich beim ersten Alleingang ein Fachmann über das Gesammelte ansehen.

Ausflugstipp

Pilzwanderung: Sonntag, 20. November, 10 bis 13 Uhr, mit Frank Langer in den Wäldern um Schloss Burg, Treffpunkt ist vor dem Eingangstor zum Schloss am Parkplatz, Schloss Burg, Schlossplatz 2, Teilnahme: 19 Euro; Anmeldung hier.

Wichtig: Die Untere Naturschutzbehörde weist ausdrücklich darauf hin, dass Pilze nur für den Eigenbedarf gesammelt werden dürfen, also nicht in großen Mengen. Wer Fragen und Anregungen zum Thema hat, kann sich gerne per Mail an die Untere Naturschutzbehörde wenden: naturschutz@solingen.de

Weitere Informationen gibt es online: www.wald-und-wiese.eu und www.bergische-vhs.de

Passend zum Thema: Augen auf beim Pilzesammeln

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