Prozess

Pflegemutter: Früher Verdacht der Behörden

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Prozess um Tod eines kleinen Mädchens.

Prozess um Tod eines kleinen Mädchens.

Von Dirk Lotze

Solingen. Im Fall um den gewaltsamen Tod eines nur 21 Monate alt gewordenen Pflegekindes 2017 in Solingen gab es bereits Jahre vor dem tragischen Geschehen Stellungnahmen der Behörden über die angeklagte Pflegemutter (51). Das belegen Berichte, die das Landgericht Wuppertal am Freitag in den Prozess gegen die Frau eingebracht hat.

Sie hat gestanden, das Mädchen am 12. Juni 2017 in ihrer Wohnung im Stadtteil Höhscheid so geschlagen zu haben, dass es am selben Tag verstarb. Schon früher soll vorübergehend beschlossen gewesen sein, ihr keine Kinder mehr anzuvertrauen. Das geschah aber trotzdem: Die Frau habe sich parallel in mehreren Städten für Kinderpflege angeboten – bis sie Erfolg hatte.

Die 51-Jährige, eine Geschäftsfrau, muss sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Ihr zufolge hatte das Mädchen „Schwierigkeiten“ beim Essen gemacht. Sie habe es bestrafen wollen. Als sie sah, dass das Kind Hilfe brauchte, habe sie den Rettungsdienst gerufen.

Der Notarzt berichtete im Zeugenstand, wie er den Rettungswagen betrat, in dem Sanitäter bereits Wiederbelebungsversuche begonnen hatten. Er kämpfte mehrere Minuten vor Ort um das Leben des Kindes und entschied dann: „Wir müssen sofort in die Klinik fahren.“ Dort verstarb das Kind.

Laut Sanitätern brach die Pflegemutter zusammen, als ein Kinderarzt sie in den Schockraum rief und ihr Einverständnis erbat, die Rettungsversuche beenden zu dürfen. Das Kind hatte acht Monate bei ihr gelebt. Berichte über erste Pflegschaften der 51-Jährigen verfolgte das Gericht bis 2015 zurück. Anfangs beschrieben die Berichte, die Frau wirke kompetent.

„Ich habe ihr gesagt, dass auch das Gewalt ist.“
Notiz einer Behördenmitarbeiterin

Dann erschienen aber Hinweise auf „Meinungsverschiedenheiten“ bei Erziehungsfragen, auf Prellungen bei Kindern, die sie mit Stürzen erklärt habe. Sie habe einem Jungen den Mund aufgedrückt und kontrolliert, ob er geschluckt habe. Notiz einer Behördenmitarbeiterin: „Ich habe ihr gesagt, dass auch das Gewalt ist.“ Und: „Ich glaube, sie hat sich früher ganz anders verkauft.“

Mehrfach gab es Hilfsangebote an die 51-Jährige. Sie sollte „bestärkt“ werden und Sicherheit gewinnen. Zuletzt war das zwei Monate vor dem Tod des Mädchens. Da hatten Fremde die Frau aus Sorge um das Mädchen angezeigt: Sie habe das Kind in einem Geschäft grob herumgezerrt und laut Umstehende beschimpft. Auf Ermittlungen und einen Hausbesuch des Jugendamts folgte eine weitere Beratung.

Das Wuppertaler Landgericht, vor dem auch Solinger Fälle verhandelt werden, führt derzeit für Zivilverfahren die elektronische Akte ein.

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