Versorgung

Pflegedienste finden kaum neue Pfleger

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Laut Bedarfsplan der Stadt stößt die Altenpflege vor allem im ambulanten Bereich an ihre Grenzen.

Von Andreas Tews

Solingen. Vor allem im ambulanten Bereich wird es immer schwerer, eine passende Versorgung für pflegebedürftige Senioren zu finden. Aus dem Entwurf für den neuen Pflegebedarfsplan der Stadt geht hervor, dass das ambulante Netzwerk zeitweise an seine Grenzen stoße. Es sei oft nicht möglich, eine pflegerische Grundversorgung vor 11 Uhr zu organisieren. Auch bei einer komplexen Versorgung, die mehrmals täglich erfolgt, sei es problematisch. Die Folge sei ein Verlust an Lebensqualität für die Senioren.

Der Grund ist, dass die 40 Solinger Pflegedienste zunehmend an ihre personellen Kapazitätsgrenzen stoßen – und dass es für sie schwer ist, neue Pflegekräfte zu finden. In Solingen kommen auf eine Pflegekraft statistisch 4,3 Pflegebedürftige, die ambulante Pflege in Anspruch nehmen. In den Nachbarstädten sieht es besser aus: In Remscheid liegt dieser Wert bei 3,3, in Wuppertal sogar nur bei 2,8.

Im Bedarfsplan für die Altenpflege führt die Stadt regelmäßig auf, wie viele Pflegeplätze es in den verschiedenen Segmenten – ambulant und stationär – gibt. Zudem wird eine Prognose aufgezeigt, ob das Angebot in den kommenden Jahren ausreichen wird.

Solingen: Eine verbindliche Prognose sei nicht möglich

Grundsätzlich gehen die Planer davon aus, dass es genügend Plätze geben wird. In der Tagespflege trage dazu vor allem die Eröffnung einer neuen Einrichtung mit 18 Plätzen an der Beethovenstraße bei. Das Angebot werde bis 2023 in diesem Bereich auf 147 Plätze steigen.

Der Bedarf dürfte nach Ansicht der Fachleute zwar gedeckt sein. Weil die Nachfrage aber ständig steige, sei eine verbindliche Prognose nicht möglich. Gleiches gelte für die Kurzzeitpflege. Man müsse aber davon ausgehen, dass zeitweise immer wieder Plätze fehlen dürften. Einzig in der vollstationären Pflege legen sich die Planer darauf fest, dass der Bedarf bis 2023 gedeckt sein dürfte. Stadtweit gehen sie bei knapp 2100 Plätzen von einem Überhang von 118 aus. Einen weiteren Ausbau des Angebots will die Stadt vermeiden. Die Begründung: „Bei dem aktuellen Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal wäre es unverantwortlich, vollstationäre Pflegeplätze über den prognostizierten Bedarf hinaus zu schaffen.“

Der Hinweis auf Personalmangel taucht im Entwurf für den Bedarfsplan an mehreren Stellen auf. Zu den ambulanten Pflegediensten heißt es zwar, dass es zu deren Auslastung keine verlässlichen Zahlen gebe. Fehlendes Personal führe aber häufig dazu, dass bei neuen Kunden genau hingeschaut werde, ob deren Wohnung in einen der Tourenpläne hineinpasse. Das heißt: Wer verkehrstechnisch ungünstig wohnt, hat es schwer, ambulant versorgt zu werden. „Der Personalmangel in der Pflege stellt hier ein großes Problem dar“, heißt es in dem Papier der Stadtverwaltung. Wenn der Grundsatz „ambulant vor stationär“ wie beabsichtigt gestärkt werden solle, müsse die ambulante Pflegeinfrastruktur ausgebaut werden.

Auch für die Kurzzeitpflege hat der Personalmangel Folgen. Denn die Pflegeeinrichtungen müssen auch für Pflegegäste, die nur für zwei oder drei Wochen aufgenommen werden, eine umfassende Pflegeplanung erarbeiten – wie bei jedem Dauerpflegegast. Dies führe dazu, dass die Einrichtungen weniger Kurzzeitpflegegäste aufnehmen.

Bei der geplanten neuen Kurzzeitpflegeeinrichtung an der Beethovenstraße führe der Mangel an Pflegekräften zu einer Verzögerung. Die eigentlich für Ende 2019 geplante Eröffnung wurde in dieses Jahr verschoben.

Die Pflegebedarfsplanung werden Experten bei der Konferenz Alter und Pflege am 12. August beraten. Bei dieser Tagung im Zentrum Frieden wird es auch um das Thema Personalgewinnung gehen. Der Pflegebedarfsplan wird am Ende im Stadtrat beschlossen.

Pflegende Angehörige

Beim Prinzip „ambulant vor stationär“ setzt das Rathaus auch auf pflegende Angehörige. Die müssten allerdings durch professionelle Pflegekräfte unterstützt werden, heißt es im Entwurf für den Pflegebedarfsplan. Damit sich die Angehörigen im Angebotsdschungel zurechtfinden, müsse die Beratung ausgebaut werden.

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