Sanierung

Das neue Pflaster für Ohligs ist karnevalserprobt

Dieses Pflaster soll auf der Düsseldorfer Straße verlegt werden. Nach Angaben der Stadt ist es besonders robust – wird es fachgerecht verlegt.
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Dieses Pflaster soll auf der Düsseldorfer Straße verlegt werden. Nach Angaben der Stadt ist es besonders robust – wird es fachgerecht verlegt.

Für die Sanierung der Düsseldorfer Straße werden robuste, helle Platten eingesetzt.

Von Philipp Müller

Solingen. ST-Leser und Immobilienmakler Robert Hitzegrad hat Zweifel, ob das von den Ohligsern bei der Bürgerbeteiligung ausgesuchte Pflaster für die neue Düsseldorfer Straße auch das richtige ist. Wird es der Belastung des Lieferverkehrs standhalten? Brechen die großen Platten? Verschmutzt nicht alles viel zu schnell?

Das ST fragte im Rathaus nach. Man habe sich diese berechtigten Fragen Hitzegrads auch gestellt, heißt es. Stadtsprecherin Sabine Rische verweist auf Erfahrungen mit dem ausgesuchten Material: „Referenzfläche ist der Wallraffplatz in Köln, wo die Platten seit 15 Jahren liegen. Dort fahren täglich Lkw, sie werden im Karneval extrem belastet, gebrochene Platten gibt es nicht.“

Die Sanierung des Stadtteilkerns Ohligs ist in drei Abschnitte, zunächst am Markt, aufgeteilt. Zum Jahresbeginn 2022 soll es auf der Düsseldorfer Straße starten. Dabei wird das Pflaster der Fußgängerzone ausgetauscht. Welches Muster sich die Ohligser dabei wünschen, wurde durch eine Bürgerbeteiligung zuvor geklärt. Dazu wurden zwei Flächen zur Auswahl verlegt. Beide Materialien orientieren sich dabei an den Vorgaben, die die Planer vorgeschlagen hatten und die das Rathaus der Politik zur Abstimmung gestellt hatte.

Planer und Politik konnten sich mit den Bedenken der Menschen in Solingen auseinandersetzen

In die Bürgerbeteiligung und die Planung war auch die Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Ohligs eingebunden. Deren Geschäftsführerin Gloria Göllmann begrüßt das ausgesuchte Pflaster und das Verfahren, die Bürger daran zu beteiligen, ausdrücklich. Das habe öffentliche Transparenz geschaffen. Planer und Politik konnten sich so mit Bedenken aus der Bürgerschaft wie denen von Robert Hitzegrad auseinandersetzen.

Das Rathaus verweist auf verschiedene Vorteile, die das Pflaster bietet – weit über die Tatsache der Erfahrungen im Kölner Karneval hinaus. So spielte die Frage, wie die Steine, die ab Herbst zunächst auf dem Ohligser Markt eingesetzt werden, verlegt werden, eine entscheidende Rolle. „Die Platten wurden ausgewählt, weil sie den angeforderten hohen Belastungswerten bei fachgerechtem Einbau standhalten“, berichtet das Rathaus. Das Gewicht von Lkw verteile sich dabei über die Reifen und nicht punktuell, so dass die Platten den Tonnagen trotzen werden.

„Die Platten werden im Kölner Karneval extrem belastet und brechen nicht.“

Sabine Rische, Stadtsprecherin

Und auch das ausgesuchte Material habe eine große Bedeutung gehabt. Man habe sich bewusst gegen solche Bodenplatten entschieden, die das Oberflächenwasser versickern lassen. Denn eher poröse Oberflächen hätten Nachteile: Dann würde der Belag durch die Nutzung etwa beim Wochenmarkt schnell verschmutzen und dessen Reinigung wäre sehr aufwendig. „Außerdem würde er sich schnell zusetzen und seine Versickerungsfähigkeit verlieren. Die Tragfähigkeit nimmt dann ab“, erklärt Rathaussprecherin Rische.

Gegen die „bunte“ Variante entschieden sich die Ohligser bei der Bürgerbeteiligung zur Sanierung des Ohligser Stadtteilkerns.

Helle Farbe des neuen Pflasters soll vor Überhitzung schützen

Natürlich müsse das Pflaster fachgerecht eingebaut sein. Dann vermeide man auch die Gefahren durch Belastungen im Alltag. Es gelte dabei dieser Grundsatz für die Umsetzung der Sanierung in Ohligs: Grundsätzlich müssen alle Plattenformate entsprechend den Regelwerken exakt verlegt werden, damit sie nicht kippen und die Belastung aushalten. Zudem erhält der Pflasterverbund in Verbindung mit den Fugen zusätzliche Stabilität.

Neben dem Material und den Anforderungen an die Fachfirmen bei der Verlegung gibt es einen dritten Aspekt, der bei der Auswahl beachtet wurde. Das ist die Farbe des Pflasters und wie sie sich – auch durch das Befahren – verändern wird. Dazu sagt Sabine Rische: „Die Farbwahl hat auch mit der Anpassung an den Klimawandel zu tun: Ein helleres Pflaster beugt Hitzeinseln vor. Grundsätzlich werden die Flächen aber durch die Nutzung nachdunkeln. Das reine Befahren mit geringen Geschwindigkeiten, wie sie am Standort vorgegeben sind, hinterlässt keine direkte Verschmutzung.“

Baustart in Ohligs verzögert sich

Der Ohligser Marktplatz erhält ab Oktober ein neues Aussehen. Das war bisher kommuniziert worden. Doch das ist nicht zu halten, berichtet das Rathaus: Aktuell werde die Ausschreibung vorbereitet. Grund sei, „dass der Abstimmungsprozess – etwa zu Bäumen, Pflaster, Marktbeschickern, Dürpelfest – länger dauerte. Aus unserer Sicht war das aber gut investierte Zeit. Die Gespräche haben dazu geführt, dass die Planung alle relevanten Gruppen mitnimmt“. Über den konkreten Zeitplan werde bis Ende September informiert.

Standpunkt: Ohligser schauen hin

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Philipp Müller

Die Sanierung des Stadtteilkerns von Ohligs läuft unter viel Bürgerbeteiligung ab. Das führt bereits zu vielen Vorteilen. Die Menschen, die den Marktplatz und die Düsseldorfer Straße mit Leben füllen, kümmern sich darum, wie alles wird. Vorbei sind die Zeiten, in den „die Stadt“ einfach macht. Das zeigt sich am Beispiel des eigentlich eher profanen Pflasters für Markt und Straße. Früher wäre das einfach neu gemacht worden, jetzt liegt der Entscheidung Tiefe zugrunde. Wird es halten? Wie ist das mit dem Mikroklima in der Fußgängerzone? Die Antworten haben gedauert, scheinen aber fundiert zu sein. Am Ende wird dies hoffentlich dazu führen: Die Ohligser und alle Solinger werden die neue Umgebung mit mehr Respekt behandeln – weil: Man durfte mitreden und mitplanen. Sicher, das Verfahren war stark durch Vorgaben der Fachleute und auch solchen aus der Verwaltung geprägt. Aber am Ende steht eben doch eine gemeinschaftliche Lösung und kein Produkt, das auf dem Schreibtisch einzelner Planer entstanden ist. So geht bürgernahe Demokratie heute auch.

Gewerbegebiet Ohligs-Ost soll „grün statt grau“ werden.

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