Viele Herausforderungen

Zu wenig Kunden in der Gastronomie

Carsten Busch im Außenbereich seiner Food Factory. Auch er ist sich sicher, dass Gastronomen an der Preisschraube drehen müssen: „Sonst hätte man keine Chance.“
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Carsten Busch im Außenbereich seiner Food Factory. Auch er ist sich sicher, dass Gastronomen an der Preisschraube drehen müssen: „Sonst hätte man keine Chance.“

Die Stimmung ist gedrückt. In vielen Betrieben lässt die Nachfrage zu wünschen übrig. Außerdem steigen die Preise und Personal fehlt.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie wollten die Solinger Gastronomen in diesem Sommer wieder richtig durchstarten. Doch die Stimmung in vielen Kneipen und Restaurants ist gedrückt. „Vor einem Jahr lief es deutlich besser“, sagt beispielsweise Berita Schwarz. Das führt die Betreiberin von Mumms, Birkenweiher und Cobra-Kantine vor allem auf die Preissteigerungen zurück, die derzeit in fast allen Bereichen feststellbar sind: „Den Leuten geht es ans Geld.“

Emotionen bestimmen, was wir kaufen

Etwas positiver schätzt Isabel Hausmann die Lage ein. Sie ist die stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Nordrhein und für das Bergische Land zuständig. „Es gibt in der Branche kein einheitliches Bild, viele Betriebe melden allerdings, dass die Geschäfte angezogen haben“, erklärt Hausmann. Davon können ihrer Beobachtung nach vor allem Betriebe mit großer Außenfläche profitieren. Auch die Lage in der Hotellerie helle sich allmählich auf: Der Trend im Tourismus sei positiv, Geschäftsreisende bleiben dagegen eher zurückhaltend.

Es ist noch nicht wie vor der Pandemie.

André Hitzegrad, Gastronom

„Ja, die Menschen kommen wieder ins Restaurant“, bestätigt André Hitzegrad. Doch der Betreiber des Restaurants Hitze-Frei in Ohligs schränkt ein: „Es ist noch nicht wie vor der Pandemie.“ Über die Gründe könne er nur spekulieren. Die Inflation mache sich sicherlich bemerkbar. „Vielleicht sind manche Menschen auch noch in ihrem Corona-Rhythmus“, sagt Hitzegrad.

Solingen: Catering-Geschäft rollt wieder an

Positiv sei, dass sich das Catering-Geschäft in die richtige Richtung entwickele. Das kann Carsten Busch bestätigen. Neben einem Mittagstisch an der Merscheider Straße hat er sich mit seiner Food Factory auf Feiern und Events spezialisiert. „Damit bin ich momentan mehr als zufrieden“, sagt Busch. Im privaten Bereich sei ein deutlicher Nachholeffekt spürbar. Hochzeiten, Geburtstage und andere Anlässe, die wegen der Corona-Pandemie aufgeschoben wurden, werden nun angegangen. Bei Firmenveranstaltung mache sich das ebenfalls bemerkbar.

Mit diesen weiteren Herausforderungen hat die Branche zu kämpfen

Während die Geschäftslage in der Branche nicht einheitlich ist, kennt Isabel Hausmann eine Herausforderung, die ihrer Einschätzung nach alle Betriebe betrifft: die aktuellen Preissteigerungen. „Viele Gastronomen zögern, die Preise anzuheben, weil sie die Gäste nicht vergraulen möchten“, erklärt sie.

Angesichts der steigenden Ausgaben für Lebensmittel, Personal und Energie führe daran allerdings kein Weg vorbei: „Unter dem Strich muss etwas übrig bleiben.“ André Hitzegrad bestätigt, dass er in diesem Jahr an der Preisschraube drehen musste: „Anders wäre das nicht darstellbar.“ Berita Schwarz und Carsten Busch unterstreichen das. „Sonst hätte man keine Chance“, sagen sie unisono.

Viele Lebensmittel werden teurer - Hamsterkäufe sind kontraproduktiv

Mit einer weiteren Herausforderung haben alle drei Gastronomen zu kämpfen: Personalmangel. Das Problem kennt Isabel Hausmann von zahlreichen Betrieben. Viele frühere Angestellte hätten der Gastronomie während Corona den Rücken kehren müssen. Nun ziehen sie Jobs vor, bei denen sie nicht abends und am Wochenende arbeiten müssen. „Manche Inhaber gehen inzwischen auf dem Zahnfleisch“ berichtet Hausmann.

André Hitzegrad findet deutliche Worte: „Es ist eine Katastrophe.“ Seit einiger Zeit habe er vor, das Angebot seines Betriebs um eine „Edel-Currywurstbude“ zu erweitern. Das Projekt scheiterte bislang am fehlenden Personal. Auch für den Restaurantbetrieb seien frische Kräfte kaum zu finden. Berita Schwarz kämpft mit ähnlichen Problemen. Die meisten Angestellten habe sie trotz Corona-Pandemie halten können – neue seien kaum zu finden. „Es ist auf Kante genäht.“

Wie sich das Problem lösen lässt, wissen die Gastronomen nicht. Hausmann wirbt für ein besseres Image: „Wir müssen deutlich machen, dass vielfältige Gastronomie, die sich alle wünschen, ohne Personal nicht möglich ist.“

Dehoga

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Nordrhein ist die Berufsvereinigung im Gastgewerbe für Hotellerie und Gastronomie in der Region. Er zählt laut eigenen Angaben rund 6000 Mitgliedsbetriebe und ist damit der bundesweit mitgliederstärkste Dehoga-Verband.

Standpunkt: Jetzt handeln

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Im Supermarkt, in der Tankstelle, beim Handwerker, in der Kneipe um die Ecke – es gibt kaum einen Betrieb, der derzeit nicht nach Personal sucht. Aushänge mit Stellenangeboten sind allgegenwärtig. Die Unternehmen eint, häufig keine Mitarbeiter zu finden. Ein Erklärungsansatz mit Blick auf die Gastronomie: Die vergangenen zwei Jahren waren in der Branche schlicht zu unsicher. Möglicherweise normalisiert sich die Situation, wenn Stichworte wie Kontaktbeschränkungen nicht mehr wie ein Damoklesschwert über den Betrieben schweben.

Aber das kann niemand mit Sicherheit vorhersagen. Genauso wenig lässt sich prognostizieren, wie sich die Lage in anderen Bereichen der Wirtschaft entwickeln wird. Was dagegen feststeht: Nach und nach erreichen die geburtenstarken Jahrgänge das Rentenalter. Der Fachkräftemangel muss jetzt angegangen werden. Sonst gibt es schon bald größere Probleme als längere Wartezeiten im Restaurant. 

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