Corona

Personal von Impfungen überzeugen

Im Altencentrum Cronenberger Straße impfte Dr. Werner Klur Ende 2020 die erste Bewohnerin gegen das Coronavirus. Beim Personal in den Pflegeeinrichtungen und Kliniken der Klingenstadt ist die Impfbereitschaft noch zurückhaltend. Archivfoto: Christian Beier
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Im Altencentrum Cronenberger Straße impfte Dr. Werner Klur Ende 2020 die erste Bewohnerin gegen das Coronavirus. Beim Personal in den Pflegeeinrichtungen und Kliniken der Klingenstadt ist die Impfbereitschaft noch zurückhaltend.

Einrichtungsleiter und Kliniken hoffen auf wachsende Bereitschaft bei den Beschäftigten.

Von Kristin Dowe

Solingen. Ärzte, Betreuungs- und Pflegepersonal in den Kliniken und Senioreneinrichtungen sind die Berufsgruppe, welche die Auswirkungen der Corona-Pandemie jeden Tag unmittelbar zu spüren bekommt. Dennoch gibt es unter ihnen eine gewisse Impfskepsis – ein bundesweites Phänomen, das auch in Solingen zu beobachten ist, wie unter anderem eine Umfrage unter den Beschäftigten des Städtischen Klinikums von Anfang Dezember zeigt: Demnach möchten sich aktuell lediglich 1000 der rund 1900 Beschäftigten aus allen Bereichen impfen lassen. Die Befragung hatte die Arbeitsmedizin des Klinikums durchgeführt, um die Bestellmengen für den Impfstoff zu erfassen.

„Wir vertrauen darauf, dass unsere Beschäftigten eigenverantwortlich entscheiden.“
Prof. Dr. Thomas Standl, Geschäftsführer des Klinikums

Dabei setzen die Verantwortlichen vor allem auf Aufklärung und umfassende Information – so erhielten die Beschäftigten etwa einen Newsletter mit den wichtigsten Fakten zur Impfung, berichtet Dr. Stefanie Binus, Arbeitsmedizinerin am Klinikum. „Es ist uns wichtig, dass wir alle Mitarbeiter erreichen, denn wir wollen auch für die Solinger Bürger, die unser Krankenhaus aufsuchen müssen, eine sichere Umgebung schaffen“, betont Binus. „Ziel muss sein, mindestens 60 Prozent unserer Mitarbeiter von einer Impfung zu überzeugen.“ Mittlerweile seien am Klinikum zwei Impfstraßen eingerichtet worden, aktuell warte die Belegschaft auf den Impfstoff, heißt es weiter.

Prof. Dr. Thomas Standl, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikums, gibt sich zuversichtlich: „Wir vertrauen darauf, dass unsere Beschäftigten eigenverantwortlich entscheiden. Unsere Ärzte, Pflegekräfte und alle Berufsgruppen, die am Patienten arbeiten, beobachten schließlich seit Monaten, was eine Covid-Erkrankung bewirken kann.“ Risiken und Gefahren zu erkennen und Selbstschutz zu betreiben, gehöre zum medizinischen Alltag der Belegschaft, so Standl. „Aus diesem Grund bin ich sehr optimistisch, dass sich die Mitarbeiter, auch aus anderen Bereichen des Klinikums, für die Impfung entscheiden werden.“

Bundesweit ist die Impfbereitschaft beim medizinischen Personal offenbar längst nicht so ausgeprägt, wie die Politik sich dies erhofft hatte. So appellierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kürzlich eindringlich an diese Berufsgruppe, sich impfen zu lassen: „Es ist ein Gebot der Vernunft und der Solidarität, dass diejenigen, die im Gesundheitswesen arbeiten, sich ebenfalls impfen lassen, zu ihrem eigenen Schutz und dem Schutz der ihnen anvertrauten Patienten.“

Einrichtungen wollen keinen Druck auf Beschäftigte ausüben

Für die Einrichtungen der Diakonie Bethanien kann der Vorstandsvorsitzende Matthias Ruf keine konkreten Zahlen in Bezug auf die Impfbereitschaft des Personals nennen, schätzt aber optimistisch, dass diese bei den Ärzten am Krankenhaus Bethanien bei über 90 Prozent und beim pflegerischen Personal bei etwa 80 Prozent liege. „Unsere Belegschaft spiegelt ein Meinungsbild der Gesellschaft wider. Natürlich gibt es da auch Skeptiker“, so Ruf. In den Einrichtungen des zur Diakonie Bethanien gehörenden Seniorenzentrums seien 55 Prozent der Beschäftigten geimpft – Tendenz steigend. „Wir gehen davon aus, dass wir auf 70 bis 80 Prozent kommen“, hofft Ruf.

Insgesamt sei zu beobachten, dass die Impfbereitschaft in Einrichtungen, die stärker von Corona betroffen sind, – so gab es zuletzt etwa einen größeren Ausbruch im Haus Ahorn – auch höher ist. Auf eine transparente Informationspolitik lege die Diakonie Bethanien in dem Prozess größten Wert, versichert Ruf. So gab es etwa eine Videokonferenz mit Prof. Dr. Winfried Randerath, bei der die Mitarbeiter Fragen zum Thema Covid-Impfung stellen konnten. Für sich persönlich hat Matthias Ruf diese Entscheidung bereits getroffen: „Ich werde mich impfen lassen, sobald ich an der Reihe bin.“

Relativ ausgeprägt sei die Impfbereitschaft bei den Einrichtungen der Kplus Gruppe, berichtet deren Sprecherin Cerstin Tschirner. Bei den Mitarbeitern der St. Lukas Klinik liege sie aktuell bei 70 Prozent. Gleichzeitig gebe es auch Beschäftigte, die sich aus bestimmten Gründen nicht gegen Covid-19 impfen lassen wollten: „Kolleginnen mit einem aktuellen Kinderwunsch zum Beispiel – Schwangere sind zurzeit von der Impfung ausgenommen. Ebenso Kollegen, die in der Vergangenheit stark auf die Grippeschutzimpfung reagiert haben“, erläutert Tschirner und stellt klar: „Druck ist keine Option. Begründen muss niemand, wenn er sich nicht impfen lassen möchte.“ | Standpunkt

Gewerkschaft

Verdi befürwortet die Covid-Impfung, teilt Stephanie Peifer, Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Düssel-Rhein-Wupper, mit. Grundlage sei aber eine freiwillige Entscheidung. „Wenn der Arbeitgeber eine Impfpflicht als Maßnahme des Arbeits- und Gesundheitsschutzes interpretiert, ist das unzulässig.“

Standpunkt: Vertrauen schaffen

Von Kristin Dowe

Ärzte und Pflegepersonal sind durch die Corona-Pandemie einer extremen Belastung und vor allem einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt als andere Berufsgruppen – sind sie doch diejenigen, die tagtäglich Kontakt mit Covid-infizierten Patienten haben. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass sie den Vorrang genießen, sich gegen das Virus impfen zu lassen.

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Doch spiegelt ihre aktuell noch etwas verhaltene Impfbereitschaft auch eine grundsätzliche Skepsis in der Gesellschaft wider. Das ist nicht verwerflich, denn noch gibt es keine Langzeiterfahrungen mit dem Impfstoff und viele offene Fragen sind noch zu klären. 

Gleichzeitig ist die Impfung die einzige Möglichkeit, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Um so wichtiger ist es deshalb, dass Arbeitgeber durch Aufklärung und eine transparente Informationspolitik Vertrauen in die Impfung schaffen, die am Ende immer eine höchstpersönliche Entscheidung bleiben muss. Unterschwelligen Druck oder gar Sanktionen darf es dabei nicht geben. Die Solinger Kliniken und Pflegeeinrichtungen gehen da bereits mit gutem Beispiel voran. Dies ist auch der beste Weg, um kruden Verschwörungstheorien zu diesem Thema den Nährboden zu entziehen.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Solingen? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Solingen.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Solingen erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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