Experten sehen verschiedene Gründe

Pandemie trifft die Partnerstadt Aue-Bad Schlema hart

Vor einer Impfstelle im sächsischen Aue-Bad Schlema hat sich eine lange Schlange gebildet. Dennoch ist die Impfbereitschaft in Solingens Partnerstadt insgesamt zu niedrig. Foto: Uwe Zenker
+
Vor einer Impfstelle im sächsischen Aue-Bad Schlema hat sich eine lange Schlange gebildet. Dennoch ist die Impfbereitschaft in Solingens Partnerstadt insgesamt zu niedrig.

In Aue-Bad Schlema durchbrach der Inzidenzwert schon die 2000er-Marke.

Solingen. Es gibt nichts zu beschönigen: Rühmlich niedrig ist Solingens Inzidenzwert von aktuell 314,1 sicherlich nicht. Doch ein Blick in andere Städte Deutschlands zeigt, dass sich der Kampf gegen das Virus vielerorts noch schwieriger gestaltet als im Bergischen – etwa in Solingens Partnerstadt Aue-Bad Schlema. Aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz dort: 1513,6. Der Wert ist bereits gesunken, in den Vortagen hatte der Inzidenzwert in der Stadt im sächsischen Erzgebirgskreis mehrfach die 2000er-Marke geknackt.

Ein desaströser Zustand, für den Andreas Goll, der Leiter des dortigen Krisenstabs, verschiedene Gründe sieht: „Es gibt bei den hohen Infektionszahlen sicherlich eine Verbindung zur Impfquote, die mit unter 50 Prozent unterirdisch niedrig ist“, bedauert Goll. Zwar habe die Impfbereitschaft wohl auch vor dem Hintergrund der harten Einschränkungen, die Ungeimpfte in Sachsen hinnehmen müssen, wieder zugenommen.

Doch es sei kostbare Zeit verloren gegangen, da viele in Aue-Bad Schlema erst jetzt zum ersten Mal geimpft worden seien. Auch die 3G-Regelung am Arbeitsplatz habe viele Bürger schließlich wohl doch noch zur Impfung bewogen. „Es ist ja auch lästig, sich jeden Tag testen lassen zu müssen. Wir versuchen jetzt aufzuholen, was wir im Sommer verpasst haben.“

Gratis-Bratwurst und Co. sollten in der Partnerschaft die Impfquote erhöhen

Dabei hatte die Verwaltung in der Partnerstadt viel Aufwand betrieben, um die Impfquote zu erhöhen – angefangen bei einer Gratis-Bratwurst bei der Impfung über Werbung durch bekannte Sportmannschaften bis hin zu von der Stadt organisierten Fahrdiensten für Ältere. Doch sieht Goll auch gravierende organisatorische Fehler, die in Sachsen nach der Schließung der Impfzentren gemacht worden seien. „Man hat versäumt, die Impfteams personell aufzustocken.“ Konkret fehle es an Impfärzten und weiterem medizinischen Personal für die mobilen Teams des DRK, die vom Land Sachsen beauftragt werden. Diese suchen zwei Mal in der Woche für mehrere Stunden die örtlichen Impfstellen auf, zusätzlich sollen die Hausärzte bei den Impfungen Unterstützung leisten. „Das ist aber fernab der Realität“, moniert Goll. „Neben ihrem Tagesgeschäft können die Ärzte das kaum stemmen.“

Als dementsprechend angespannt beschreibt Katharina Kurzweg, Sprecherin des Helios Klinikums Aue, die Versorgungssituation des Krankenhauses: „Aktuell betreuen wir 50 normale Covid-Patienten und 21 Intensiv-Covid-Patienten. Damit befinden wir uns bereits im Bereich der Reservebetten.“ Insgesamt befänden sich nach gestrigem Stand 25 Patienten auf der Intensivstation – das heißt, nur vier davon sind ohne Covid-Erkrankung. So ist aktuell die Lage auf den Intensivstationen in Solingen

Das Team sei jedoch durch die Erfahrungen der ersten Wellen schon routiniert, schnell weiteres Personal und zusätzliche Isolationsräume bereitzustellen, indem man etwa Stationen zusammenlegt. Auch würden bereits Eingriffe verschoben, was in Solingen noch nicht notwendig ist, bei denen nach Einschätzung der Ärzte ein Aufschub medizinisch verantwortet werden kann. Ein enger Austausch der Kliniken im Raum Chemnitz ermögliche es außerdem, dass Patienten bei Bedarf flexibel verlegt werden können. Wie beim Solinger Klinikum richte sich die Zahl der verfügbaren Intensivbetten in erster Linie nach den vorhandenen Pflegenden, die in Sachsen zusätzlich mit geschlossenen Kitas und Grundschulklassen konfrontiert seien. Kurzweg: „Unser Personal leistet seit geraumer Zeit Außergewöhnliches .“

Aue-Bad Schlema

Die Städtepartnerschaft zwischen Solingen und dem sächsischen Aue wurde 1990 besiegelt. 2019 entstand die Stadt Aue-Bad Schlema durch den Zusammenschluss der Stadt Aue und der Gemeinde Bad-Schlema. Die Stadt zählt mehr als 20 000 Einwohner.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Müllabfuhr: Für 195 Straßen in Solingen gelten besondere Regeln
Müllabfuhr: Für 195 Straßen in Solingen gelten besondere Regeln
Müllabfuhr: Für 195 Straßen in Solingen gelten besondere Regeln
Altglascontainer dürfen auch in einer Parkbucht stehen
Altglascontainer dürfen auch in einer Parkbucht stehen
Altglascontainer dürfen auch in einer Parkbucht stehen
Walder Gemeinde sucht weiter Investoren
Walder Gemeinde sucht weiter Investoren
Walder Gemeinde sucht weiter Investoren
Vom Staatsdiener zum Staatsfeind – ein Leben wie im Thriller
Vom Staatsdiener zum Staatsfeind – ein Leben wie im Thriller
Vom Staatsdiener zum Staatsfeind – ein Leben wie im Thriller

Kommentare