Demokratie-Konferenz

Pandemie ist Chance und Bedrohung

Der Musiker Erwin Paech (l.) setzte zwischendurch immer wieder klangliche Akzente, die Seele und Kopf kurz durchlüfteten. Foto: Christian Beier
+
Der Musiker Erwin Paech (l.) setzte zwischendurch immer wieder klangliche Akzente, die Seele und Kopf kurz durchlüfteten.

Demokratie-Konferenz fand als Hybrid-Veranstaltung im Gründer- und Technologiezentrum statt.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Dass es immer wieder geboten und nötig ist, sich mit dem Stichwort „Demokratie“ auseinanderzusetzen, zeigt die Zunahme intoleranter, rechter Tendenzen in Deutschland: Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und jüngst auch die Querdenker-Bewegung. Folglich bahnten die Organisatoren der „Demokratie-Konferenz“ aus Stadtverwaltung und Diakonie einen Weg, dieses Forum als Hybrid-Veranstaltung stattfinden zu lassen: Wenige Live-Gäste in der Alten Maschinenhalle des Gründer- und Technologiezentrums und viele Teilnehmer an digitalen Geräten widmeten sich intensiv dem Thema „Haltung schafft Zusammenhalt“.

Moderiert von Tina Adomako vom Forum für Soziale Innovation äußerten sich Oberbürgermeister Tim Kurzbach, Bina Vermeegen (Engagementsförderin der katholischen Gemeinde St. Sebastian) und Gülriz Dogan vom Zuwanderer- und Integrationsrat der Stadt vor Ort. Interviews von Wolfgang Arzt und Kristiina Albrecht („NRWeltoffen Solingen“) sowie Michael Roden (Stadtdienst Integration) als Gastgeber mit Dr. Guido Hitze von der Landeszentrale politische Bildung NRW und dem Bielefelder Universitätsprofessor Dr. Andreas Zick gaben interessante Impulse und waren Diskussionsmaterial in den anschließenden Gesprächsrunden und den später stattfindenden Online-Workshops.

Zahlreiche Videoclips gaben kurze Einblicke in funktionierende Basisdemokratie-Arbeit in Solingen, zum Beispiel in die der Schul-AG „Weiße Rose“ der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Vorgestellt wurde auch die Arbeit von Netzwerkerin Hanna Attar, die als Organisatorin von Kunst- und Kultur-Workshops verbindende Elemente zwischen verschiedenen Herkünften schafft.

„Kinder und Jugendliche erreicht man auch über Vereine.“
Professor Andreas Zick

Eine demokratische Haltung impliziere immer auch, dafür öffentlich einzustehen und in den Diskurs zu gehen, wenn man mit intolerantem oder gar „braunem“ Gerede konfrontiert werde, betonte Oberbürgermeister Tim Kurzbach in seiner Begrüßung. Außerdem äußere sie sich in der Gewichtung von individuellen Bedürfnissen im Abgleich zu dem, was für die Solidargemeinschaft richtig sei. Als Teil einer Gesellschaft gelte es immer, beides zu bedenken. Die sogenannten Querdenker definierten Freiheit ja offensichtlich ausschließlich als die persönliche Freiheit der Person – und gefährdeten mit ihrer Ignoranz der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln das Leben der Alten und Kranken, so Kurzbach.

Die Corona-Krise sei gleichermaßen Chance und Krux für unsere Demokratie, erläuterte Dr. Guido Hitze, der online zugeschaltet war. Ein Teil der Bevölkerung wachse in der Krise solidarisch zusammen, ein anderer Teil spalte sich mit Verweis auf die Einschnitte in persönliche Freiheitsrechte ab. Dass es die vielzitierte „Merkel-Diktatur“ aber eben gerade nicht gebe, sei ja wohl angesichts der zahlreichen Konferenzen mit ihren Ministerpräsidenten ersichtlich. Und dass Gerichte teilweise gefasste Beschlüsse wieder einkassiert hätten, zeige ja, dass die Gewaltenteilung gut funktioniere, sagte er. Gleichwohl sei antidemokratisches Gedankengut längst auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen und kein „Randproblem“ mehr.

Eine Beobachtung, die auch Professor Andreas Zick bestätigte. Um dem entgegenzuwirken, müsse man noch intensiver auf Bildung setzen, wobei damit nicht nur die Schulen als Vermittler von Wissen und Zusammenhängen gemeint seien. „Kinder und Jugendliche erreicht man auch über Vereine oder religiöse Gemeinschaften“, so Zick. Demokratie bedeute immer auch die Akzeptanz mehrheitlich gefasster Beschlüsse.

Silberner Schuh

Im Rahmen der Demokratie-Konferenz fand die Verleihung des „Silbernen Schuhs“ an das Ehepaar Ursula und Hermann Josef Dörpinghaus statt. Mit diesem Preis zeichnet das Solinger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage seit 2004 engagierte Bürger aus. Die Verleihung war zuvor aufgezeichnet worden und wurde als Videoclip abgespielt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Explosion in Leverkusen: Drei Mitarbeiter werden noch vermisst - Entwarnung für Solingen
Explosion in Leverkusen: Drei Mitarbeiter werden noch vermisst - Entwarnung für Solingen
Explosion in Leverkusen: Drei Mitarbeiter werden noch vermisst - Entwarnung für Solingen
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Corona: 7-Tage-Inzidenz liegt bei 60,9 - Impfaktion in Ohligs fällt aus
Corona: 7-Tage-Inzidenz liegt bei 60,9 - Impfaktion in Ohligs fällt aus
Corona: 7-Tage-Inzidenz liegt bei 60,9 - Impfaktion in Ohligs fällt aus

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare