Walder Stadion

Open-Air-Konzert: Einige Helfer nutzten ihre Freikarte nicht

Das Doppel-Open-Air in der Jahnkampfbahn war nicht gut besucht. Rund 1700 von der Stadt Eingeladene kamen nicht.
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Das Doppel-Open-Air in der Jahnkampfbahn war nicht gut besucht. Rund 1700 von der Stadt Eingeladene kamen nicht.

Stadt Solingen hatte 2800 Freitickets für 98.000 Euro für Open-Airs verteilt – nicht alle wurden genutzt.

Von Philipp Müller

Solingen. Die Stimmung an den zwei Tagen der Open-Air-Konzerte in der Jahnkampfbahn am 17. und 18. Juni war groß. Die veranstaltende Karnevalsgesellschaft Muckemau zeigte sich zufrieden. Jedoch nicht mit dem Besuch. Es hätte auch voller sein können, hatte die Stadt Solingen doch 2800 Karten zum Gesamtpreis von 98.000 Euro erworben und verteilt. Jedoch wurden von diesen nach ST-Informationen nur etwas mehr als 1000 genutzt. Das Tageblatt fragte im Rathaus nach, warum das schiefgelaufen war.

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Anlass für die Open-Airs waren das 30-jährige Bestehen von Radio RSG und 111 Jahre KG Muckemau. Die Karnevalsgesellschaft hatte für beide Tage organisatorisch „den Hut auf“. Ursprünglich war auch ein drittes Open-Air des Rathauses für Helfer in der Corona-Pandemie und während der Tage nach dem Hochwasser aus dem Juli 2021 geplant. Doch dies wurde durch die Freikarten-Aktion ersetzt.

Rathaus-Sprecher Lutz Peters erklärt dazu, dass es sich „aufgrund der hohen Kosten für eine eigene Open-Air-Veranstaltung der Stadt“ angeboten habe, Karten für die Events zu erwerben und zu verschenken. „Die Danke-Tickets waren nicht ausschließlich für Mitarbeitende des Konzerns Stadt bestimmt. Oberbürgermeister Tim Kurzbach und die Stadt Solingen inklusive der Technischen Betriebe haben 2800 Helferinnen und Helfer zu den beiden Open-Air-Konzerten eingeladen“, sagt Peters.

Die Beschenkten sollten stellvertretend für die Zehntausenden stehen, „auf die Solingen sich in den Krisen und Katastrophen der vergangenen zwei Jahre besonders verlassen konnte“. Der Rathaussprecher fährt fort: „Da die Stadt nur einen Teil der Engagierten individuell erreichen und anschreiben konnte, erhielten die Organisationen Kartenkontingente zur Verteilung an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Die Karten gingen „an die Feuerwehr samt eingebundener Hilfsorganisationen, Einrichtungen der Pflege, Pflegedienste, die Solinger Kliniken, das Impfzentrum, Kassenärztliche Vereinigung, Apothekerverband, das Personal der Kindertagesstätten sowie Gruppen und engagierte Einzelpersonen“.

Polizei gab alle Freikarten zurück, Feuerwehr einen Teil

Nicht alle Beschenkten nahmen das an. Das bestätigt auch Jochen Ritter von der KG Muckemau. Peters räumt ein, dass die Polizei ihre Tickets zurückgegeben habe. Polizeipräsident Markus Röhrl hatte befürchtet, Beschäftigte hätten sich zurückgesetzt fühlen können, wenn sie kein Freiticket erhalten. Die Solinger Feuerwehr nutzte auch nicht alle Tickets, berichtet Peters, diese seien anders verteilt worden.

Bezahlt wurden die Karten aus dem laufenden Haushalt, erklärt Lutz Peters. Die Kosten für das Dankeschön „erscheinen“ dem Rathaus und OB Kurzbach (SPD) „angemessen im Verhältnis zu den rund 45 Millionen Euro Coronakosten“ zu sein, die laut Haushaltsplanung in diesem Jahr aus dem städtischen Haushalt „isoliert“ werden würden.

Dem Argument, viele hätten die Karten nicht angenommen, weil sie Vorteilsannahme befürchteten, tritt Peters mit einem rechtlichen Argument zur Entlohnung entgegen: „Der Freibetrag für Sachleistungen liegt bei einem Gegenwert von 50 Euro. Der Gegenwert von Eintrittskarten und Verzehrgutscheinen für das Danke-Event lag unter 50 Euro.“ Die Antwort auf die ST-Frage, warum so wenige Tickets am Ende genutzt wurde, ließen Peters und Kurzbach offen.

Kosten der Stadt

Die Stadt hat die 2800 Tickets „zu dem Preis erworben, der von allen Besuchenden verlangt wurde“, erklärt Stadtsprecher Lutz Peters. Das waren 35 Euro pro Karte. Zusatzkosten entstanden, weil das Stadtmarketing Gutscheine für Getränke und Speisen verteilte, diese Kostenhöhe ist nicht bekannt.

Standpunkt von Philipp Müller: Aktion war suboptimal

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Freikarten an Menschen zu verschenken, die sich bei der Flut oder in der Corona-Pandemie als Helfende hervorgetan hatten, das war eigentlich eine gute Idee des Oberbürgermeisters und des Rathauses. Umgesetzt wurde sie, um mal einen Ex-Bundeskanzler zu zitieren, „suboptimal“.

Denn tatsächlich sind nicht alle Helferinnen und Helfer in den Genuss eines kostenlosen Konzerts gekommen. Und die, die eine Karte erhielten, hatten offensichtlich ein feines Gespür für Gerechtigkeit, ob sie das städtische Geschenk annehmen sollten. Oder eben auch nicht, weil nicht alle bedacht wurden beziehungsweise bedacht werden konnten.

Am Ende war es eine Abstimmung mit den Füßen, den Open-Airs fernzubleiben. So weit, so schlecht. Es wäre jetzt nur ein Ärgernis, wenn nicht offensichtlich Freikarten im Gegenwert von mindestens 50.000 Euro noch in Schubladen liegen würden. Bleibt, um eine Ex-Kanzlerin zu zitieren, die Frage: War die Aktion „alternativlos“?

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