Verkehr

Ohne A 3-Ausbau kein besserer Lärmschutz

Die Autobahn 3 durchschneidet die Ohligser Heide und weitere Naturschutzgebiete auf Hildener und Langenfelder Stadtgebiet. Ausgerechnet dort soll es einen Ausbau der Straße auf acht Spuren geben. Die Planungen und Erstellungen von Gutachten sind bereits angelaufen. Archivfoto: Uli Preuss
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Die Autobahn 3 durchschneidet die Ohligser Heide und weitere Naturschutzgebiete auf Hildener und Langenfelder Stadtgebiet. Ausgerechnet dort soll es einen Ausbau der Straße auf acht Spuren geben. Die Planungen und Erstellungen von Gutachten sind bereits angelaufen.

Der Landesbetrieb für den Straßenbau erklärt, dass nur eine komplette Neuanlage der Straße zu mehr Ruhe führen wird. Planungen laufen.

Von Philipp Müller

Täglich nutzen im Schnitt 120 000 Fahrzeuge die A 3 in Höhe Langenfeld, wo auch die Abfahrt Solingen liegt. Der Bund möchte die Autobahn von sechs auf acht Spuren erweitern. Dazu sind die Planungen angelaufen. Wie der Landesbetrieb Straßenbau NRW erklärt, habe die Phase begonnen, in der es unter anderem eine Verkehrsuntersuchung gebe und eine Umweltverträglichkeitsstudie erstellt werde. Eine Sprecherin der Behörde machte auf Tageblatt-Nachfrage deutlich: Komme es nicht zu einem kompletten Neubau, werde es auch keine Verbesserungen beim Lärmschutz geben. „Das lehnt der Bund ab“, berichtet Sabrina Kieback, die Medienbeauftragte des Landesbetriebs.

Grundsätzlich sind die vier Bürgermeister der anliegenden Städte mit dem Ausbau der Autobahn einverstanden. Doch massive Eingriffe in die Natur lehnten Langenfelds Bürgermeister Frank Schneider (CDU), Birgit Alkenings (SPD/Hilden), Tim Kurzbach (SPD/Solingen) und Frank Steffes (SPD/Leichlingen) ab. Sie forderten bereits Ende vergangenen Jahres in einem gemeinsamen Schreiben an Straßen.NRW, man möge „frühzeitig und transparent die geprüften Lösungsalternativen zum achtspurigen Ausbau darlegen“.

Der Kreistag Mettmann hatte zuletzt Anfang Juli beschlossen, dass Straßen.NRW Alternativen zur Ursprungsplanung des achtspurigen Ausbaus mit einem neuen, zusätzlichen Standstreifen erarbeiten soll. Nicht mit im Boot ist Leverkusen. Von der Chemiestadt aus soll die A 3 aber bis Opladen ebenfalls achtspurig ausgebaut werden. Doch Leverkusen regt dafür an, die Straße in einen Tunnel zu verlegen. Solingens Planungsdezernent Hartmut Hoferichter (parteilos) gibt sich zuversichtlich, dass ein gemeinsames Auftreten großen Erfolg bei der Planungsbehörde haben werde.

Planungen sollen mit Bürgerbeteiligung weiterlaufen

Unabhängig davon denkt die in Gummersbach sitzende Regionalniederlassung aber weiter. Die Gutachten zur Umwelt und den Verkehrsströmen hätten zur Folge, dass „in den kommenden Monaten auf Grundlage der Ergebnisse die ersten Ausbauvarianten unter Beteiligung der Öffentlichkeit entwickelt“ würden.

In das Umweltgutachten ist auch die Biologische Station Mittlere Wupper eingeschaltet. Wie der Leiter, der Biologe Dr. Jan Boomers, berichtet, habe man dem beauftragten Gutachter Material zur Ohligser Heide überreicht. Das Naturschutzgebiet an der A 3 wird von der Station mitbetreut, wäre durch eine Verbreiterung der A 3 unter Umständen betroffen. Momentan läuft dort eine mit EU-Mitteln finanzierte Renaturierung einer Heidefläche. Boomers rechnet damit, dass das Gutachten erst im kommenden Jahr fertiggestellt sei.

Lesen Sie dazu: Aus Wald wird wieder Heidefläche

Um die Umwelt zu schonen, verlangten die Stadtoberhäupter, nur die Standstreifen als jeweils vierte Spur zu aktivieren. Das sei so aber nicht möglich, erklärte Kieback: „Eine dauerhafte oder temporäre Nutzung des Standstreifens ist nicht Inhalt des Planungsauftrags, der vom Bund an uns als Auftragsverwaltung übertragen worden ist.“

Auch interessant: Bürgerinitiative will A 3-Ausbau verhindern

AUSBAU DER AUTOBAHN 3

PLAN Wie Straßenbau.NRW mitteilt, ist die Regionalniederlassung Rhein-Berg damit beauftragt, den Ausbau zwischen der Anschlussstelle Leverkusen-Opladen und dem Autobahnkreuz Hilden zu planen. Die Strecke solle auf insgesamt 15 Kilometern von sechs auf acht Spuren erweitert werden. Grundlage der Planung sei der aktuell gültige Bedarfsplan für Bundesfernstraßen. Darin ist das Projekt in der höchsten Kategorie „vordringlicher Bedarf – Engpassbeseitigung“ angesiedelt. Bauherr ist der Bund. Der Landesbetrieb plant das Projekt, ob er später auch baut, ist unklar. Der Bund plant für 2021 eine eigene Autobahn-Betriebsgesellschaft.

Sie gibt zu bedenken, dass ein Verzicht auf einen Neubau Auswirkungen auf den Lärmschutz haben werde: „Der Bund genehmigt eine Erneuerung und einen Ausbau und damit eine Verbesserung des Lärmschutzes in der Regel nur im Rahmen eines Ausbaus beziehungsweise Neubaus einer Autobahn.“ Wenn der Ausbau – aus welchen Gründen auch immer – nicht komme, stünden „die Chancen auf eine Verbesserung des Lärmschutzes in diesem Bereich der A 3 eher schlecht“.

Die Diskussion um den Ausbau der A 3 geht in Solingen derweil weiter. Im Februar 2020 entzweit der mögliche Autobahnausbau den Ausschuss.

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