Wegen Corona

Ohligs und Mitte sagen Weihnachtsmarkt ab

Frank Decker (Bild unten rechts) organisiert den Weihnachtsmarkt auf dem Mühlenplatz. Für eine 2G-Einschränkung ist er mit Bannern gerüstet. Stefanie Fuhrmann erlebt beim Wurstverkauf viel Disziplin und Abstand, selbst an ihrem Wagen würde der Impfnachweis gezeigt. Für Michael Karp sind die Reaktionen der Kunden, endlich wieder da zu sein, Balsam auf der Corona-Seele.
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Frank Decker organisiert den Weihnachtsmarkt auf dem Mühlenplatz. Für eine 2G-Einschränkung ist er mit Bannern gerüstet.

Während auf dem Mühlenplatz noch Buden stehen, gibt es immer mehr Absagen.

Von Philipp Müller und Verena Willing

Solingen. Auf dem Mühlenplatz herrschte gestern Mittag kaum Betrieb. Der Weihnachtsmarkt von Frank Decker ist bis auf die Wochenenden nicht gut besucht. Derweil hagelt es Absagen. Nun hat es auch den Weihnachtsdürpel in Ohligs erwischt. Aufgrund der stark steigenden Infektionszahlen hat sich die Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG) dazu entschlossen, den Weihnachtsdürpel abzusagen. Auch in der Innenstadt wurden die weiteren Planungen für einen Weihnachtsmarkt am 11. und 12. Dezember auf Eis gelegt.

Für Michael Karp sind die Reaktionen der Kunden, endlich wieder da zu sein, Balsam auf der Corona-Seele.

„Wir sehen uns in der Verantwortung unseren Besuchern, Ausstellern und Mitarbeitern gegenüber und sagen aufgrund des augenblicklichen Coronageschehens unser Weihnachtsdorf deshalb ab“, teilt Susanne Garpheide-Keusen für den Werbe- und Interessenring Innenstadt (W.I.R.) mit. „Wir bedauern diese Entscheidung sehr.“ Gerne hätten die Händler den City-Gästen einige schöne Stunden auf dem Fronhof mit Musikern und Tanzdarbietungen bereitet, aber die W.I.R. hält es „für unverantwortlich unter den jetzigen Umständen das Weihnachtsdorf durchzuführen“.

Auch in Ohligs ist die Enttäuschung groß. Der kleine Weihnachtsmarkt sollte vom 3. bis 5. Dezember im Park an der Wittenbergstraße stattfinden. Dazu teilt die OWG mit: „Das Fest lebt von intensivem und unbeschwertem Miteinander. Eine konsequente Umsetzung der ,2G-Regel‘ lässt sich bei einer öffentlichen Veranstaltung im Ohligser Stadtkern nicht umsetzen.“ Niemand solle unnötig gefährdet werden.

Statt des Weihnachtsdürpels soll es jetzt kleine Aktionen in der Vorweihnachtszeit geben

Statt des Weihnachtsdürpels soll es jetzt kleine Aktionen in der Vorweihnachtszeit geben: Unter anderem sind ein Besuch des Nikolaus in der Fußgängerzone sowie „Musik vom Dach“ geplant. Auch die Weihnachtsbeleuchtung soll einige zusätzliche Akzente erhalten.

Auf dem Mühlenhof dreht sich derweil das leere Karussell für die Kinder. Frank Decker organisiert den Weihnachtsspaß schon seit vielen Jahren – aber diesmal ist er mit seinen Buden fast allein. „Viele kleine Händler haben in der Corona-Pandemie ihr Geschäft aufgegeben“, berichtet Decker. Darunter seien einige seiner früheren Mieter für den Mühlenplatz. „Die gehen jetzt anderen Berufen nach.“

Kein „Budenzauber“ mehr im Zelt auf dem Mühlenplatz geplant

Darin liegt bei Decker auch der Grund, warum der Mühlenplatz zwar mit Buden vollgestellt ist, aber der Markt sich nicht auf die Hauptstraße ausdehnt. Inzwischen hat sich Decker auch dazu entschlossen, den traditionellen „Budenzauber“ am Freitagabend in seiner Glühwein-Hütte abzusagen. Einen DJ mit Schlagerparty kann er sich nicht vorstellen.

Stefanie Fuhrmann erlebt beim Wurstverkauf viel Disziplin und Abstand, selbst an ihrem Wagen würde der Impfnachweis gezeigt.

Überhaupt erlebt er, dass es nur an den Wochenenden richtig voll ist. „Aber die Leute sind vorsichtig und zücken freiwillig ihre Impfnachweise und tragen Masken, wo es eng wird.“ Das hat auch Stefanie Fuhrmann beobachtet. Die Wuppertalerin verkauft mit ihrem Team alles rund um die heiße Wurst auf dem Mühlenplatz. An eine Geschäftsaufgabe wie viele der als Solist selbstständigen Schausteller habe sie aber nie gedacht. „Die Leute sind sehr diszipliniert“, hat sie beobachtet. Die Zurückhaltung und Angst zeige sich leider aber jetzt auch in der Ladenkasse.

Gedränge gibt es auf dem Mühlenplatz bisher gar nicht.

Frank Decker, Schausteller

„Die Leute stehen eher in Grüppchen, die sich kennen. Gedränge gibt es bisher gar nicht“, sagt auch Frank Decker. Trotzdem ist er innerlich auf eine Absage in den kommenden zwei Wochen eingestellt. Auch 2G werde er auf dem Markt umsetzen, sollte dies im Verlauf der Woche durch Verordnungen gefordert werden. Sechs entsprechende Hinweis-Banner hat er schon drucken lassen. Doch Frank Decker hat auch beobachtet, dass die Gäste trotz Impfung lieber draußen stehen und auf Abstand feiern. Sein Blick verrät: Er findet das gut. Für Michael Karp, der Mützen, Socken und Hüte verkauft, zählt gerade nur eins: „Die Leute sind froh, dass wir wieder da sind.“

Auch der Walder Weihnachtsmarkt, der Markt auf Schloss Grünewald sowie der Weihnachtsmarkt auf Schloss Burg wurden für dieses Jahr bereits abgesagt.

Pyramide

Das in diesem Jahr wieder geplante traditionelle Anschieben der Weihnachtspyramide am ersten Adventssamstag auf dem Alten Markt müsse aufgrund der steigenden Infektionszahlen leider abgesagt werden. Das teilt Rathaussprecherin Stefanie Mergehenn mit. Bürgermeister Hans Beck und weitere Vertretergruppen aus der Solinger Partnerstadt Aue, in der das Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge hergestellt wird, seien informiert.

Standpunkt: Menschen sind vorsichtig

Kommentar von Philipp Müller

philipp.mueller@ solinger-tageblatt.de

Die Corona-Lage ist ernst. Das berichtet auch das Tageblatt fast täglich. Und doch sind die Menschen auch müde, die Pandemie zu ertragen. In dieser Gemengelage ist es für die Solinger „Weihnachts- und Adventsmacher“ nicht einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Profis wie Frank Decker, die davon leben, harren lange aus – wenn auch mit gemischten Gefühlen. Zu lange haben die Schausteller unter Absagen und Verboten gelitten. Werbegemeinschaften, die vor allem mit Vereinen ihre Dürpel und Dörfer im weihnachtlichen Gewand betreiben, tun sich mit den Absagen leichter. Das beste Gefühl vermitteln aber die Menschen selbst. Sie sind vorsichtig angesichts steigender Inzidenzen. Und es ist schon ein merkwürdiges Bild, wenn auf dem Mühlenplatz die Schlange vor der Impfstelle in den Clemens-Galerien um ein Zigfaches länger ist als an der Wurstbude. Doch zeigt die Schlange, worum es geht: Nur wenn sich viele Solingerinnen und Solinger impfen lassen, besteht die Chance auf künftige Normalität – muss jetzt nur noch in Tausende Köpfe rein.

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