Geschäftsaufgabe nach 66 Jahren

Modehaus Schlemper in Ohligs schließt

Sein Traditionsgeschäft an der Düsseldorfer Straße zu schließen, fällt Frank Schlemper nicht leicht.
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Sein Traditionsgeschäft an der Düsseldorfer Straße zu schließen, fällt Frank Schlemper nicht leicht.

Die Gründe für die Schließung sind vielfältig: Die gestiegenen Energiekosten und der Umbau der Düsseldorfer Straße haben letztlich den Ausschlag für Inhaber Frank Schlemper gegeben.

Von Andreas Römer

Solingen. Die Ohligser Einkaufszone verliert ein Traditionshaus. Nach 66 Jahren in Ohligs und 62 Jahren in der Düsseldorfer Straße schließt Exquisit-Moden Schlemper. Wann genau steht noch nicht fest, da Inhaber Frank Schlemper alles aus dem Geschäft verkaufen möchte. „Hier gibt es viele Dinge mit Erinnerungen, die sollen in gute Hände kommen und nicht am Ende auf dem Müll landen“, sagt Schlemper.

Seit Donnerstag läuft der Räumungsverkauf beim Modehaus Schlemper in Ohligs.

Sein ursprünglicher Plan war es, noch zwei bis drei Jahre weiterzumachen, den Betrieb seiner Eltern weiterzuführen. Doch die aktuelle Situation, die Tendenz der letzten Jahre haben ihn umgestimmt. „Es fällt mir furchtbar schwer, aber ich sehe keine andere Möglichkeit“, so Schlemper voller Wehmut. Eine Woche hat er sich mit dem Gedanken herumgeschlagen, schlaflose Nächte gehabt. Doch dann stand der Entschluss fest: Ich schließe den Laden. Der schwerste Schritt war es, die Mitarbeiterinnen zu informieren. Tränen seien geflossen, erzählt er und hofft für alle langjährigen Mitarbeiterinnen auf eine Anschlussbeschäftigung. „In der Branche werden Fachkräfte ja gesucht – und hier arbeiten nur hervorragende Kräfte“, so Schlemper.

Leider sei das immer weniger von den Kundinnen des Damen-Oberbekleidungsgeschäfts gewertschätzt worden, findet er. Beratung und Freundlichkeit haben in seiner Wahrnehmung immer wenig Stellenwert. Dankbarkeit dafür bekomme man schon lang nicht mehr – zumindest von einem steigenden Teil der Kundschaft. Und es kamen eben immer weniger Menschen in den Laden. Das sei schon vor Corona weniger geworden, dann der Lockdown und bis heute sei die Zahl der Ladenbesucherinnen deutlich zu niedrig.

Aber das ist es nicht allein was ihn zum Schlussmachen bewegt. Die anstehende Komplettsanierung der Düsseldorfer Straße werde den Geschäften allen zu schaffen machen, ist Schlemper überzeugt. Wer mag sich schon durch eine Baustelle über wackelige Bretter in die Läden bewegen. Dazu kommen natürlich die gestiegenen Energiekosten. „Der Gaspreis hat sich verdoppelt, beim Strom soll ich jetzt mehr als viermal so viel bezahlen.“

Nein, Spaß mache es aktuell nicht mehr. Auch das Gezerre um die Coronahilfen, wo er jetzt sogar etwas zurückzahlen soll, und überhaupt der ganze bürokratische Aufwand sei furchtbar. „Früher war ich zu 75 Prozent meiner Zeit vorn im Laden, jetzt sitze ich 75 Prozent der Zeit im Büro und erledige Anforderungen wie Statistiken“, ist Frank Schlemper unzufrieden.

Frank Schlemper hat das Geschäft vor 40 Jahren von seinen Eltern übernommen. Im Februar ist Schluss.

Der geborene Ohligser hat nach der Schule Steuerberater gelernt, ist dann aber doch in den Handel eingestiegen. „Bei Karstadt in Düsseldorf als Aushilfsverkäufer“, erinnert er sich. Er wechselte mehrfach und arbeitete sich nach oben bis zum Zentraleinkäufer einer Modekette, bevor er sich selbstständig machte und in der Wilhelmstraße ein Herrenmodegeschäft aufmachte. Bis zu sieben eigene Läden hatte er in der Spitze bis er sich um das elterliche Geschäft kümmerte. Die tollste Zeit sei es gewesen, als man in den 80er Jahren eigene Modeschauen organisierte und bis zu 1500 Besucher anlocken konnte. Alles längst vorbei.

Und so richtig aufhören will er ja auch nicht. Zwar hat er das Renteneintrittsalter schon lange überschritten, fühlt sich aber jung und fit genug, sich noch neuen Aufgaben zu stellen. „Ich habe in meinem Leben viel Glück gehabt und bin sicher, auch jetzt wird sich irgendwo eine Tür auftun“, schaut Frank Schlemper optimistisch nach vorn.

Trotzdem überwiegt jetzt erst einmal Schmerz und die Trauer. Hier sei es immer wie in einer Familie gewesen, beschreibt er die ganz besondere Atmosphäre im Modehaus, die im Februar oder März ein Ende finden wird.

Online Shop

Kundinnen können zunächst weiterhin im Online-Shop einkaufen. Sollten sich geeignete Räume finden, soll dieser auch weiterbetrieben werden, erklärt Frank Schlemper.

Unsere Meldung vom 8. Dezember

Solingen. Seit 66 Jahren gibt es Exquisit-Moden Schlemper, seit 62 Jahren ist das Geschäft an seinem jetzigen Standort an der Düsseldorfer Straße. Somit geht eine Ära zu Ende, wenn das Modehaus im Februar nächsten Jahres endgültig schließt. Seit Donnerstag informiert ein Schild im Schaufenster über die Schließung und den Räumungsverkauf.

„Die endgültige Entscheidung haben wir kurzfristig erst in der vergangenen Woche getroffen“, sagt Inhaber Frank Schlemper, der das Geschäft vor 40 Jahren von seinen Eltern übernommen hat. Eine erhebliche Energiekostenerhöhung nennt er als einen der Gründe. „Dazu kommt, dass im Januar und Februar, wo das Geschäft immer schlechter ist, der geplante Umbau der Fußgängerzone die Kundenfrequenz weiter reduzieren wird“, befürchtet er.

Insgesamt sei es eine schwierige Zeit. „Die Menschen wollen immer weniger Geld für Kleidung ausgeben.“

Nicht nur Mode wird vor der Schließung verkauft

Beim Räumungsverkauf, der bis Februar dauern wird, bietet Schlemper neben der Mode auch das Inventar aus Verkaufsraum, Büros und Schneideratelier zum Verkauf an. Neun teilweise langjährige Mitarbeiter beschäftigt Mode Schlemper, sie alle haben zugesagt, bis zum Schluss dem Unternehmen treu zu bleiben.

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