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Lennestraße: Autos sollen draußen bleiben

Michael Morsbach (l.), Dr. Cathrin Rohleder und Michael Vermoehlen wollen die Verkehrsberuhigung der Lennestraße beibehalten und einen Teil des Doppelkreisels durch Außengastronomie und Begrünung ersetzen. Wer Ideen hat und mitdiskutieren will: Heute ab 18.30 Uhr findet der „Stammtisch“ der Ohligser Jongens an der neuen Sitzgelegenheit in einer Parkbucht an der Lennestraße statt.
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Michael Morsbach (l.), Dr. Cathrin Rohleder und Michael Vermoehlen wollen die Verkehrsberuhigung der Lennestraße beibehalten und einen Teil des Doppelkreisels durch Außengastronomie und Begrünung ersetzen. Wer Ideen hat und mitdiskutieren will: Heute ab 18.30 Uhr findet der „Stammtisch“ der Ohligser Jongens an der neuen Sitzgelegenheit in einer Parkbucht an der Lennestraße statt.

Team der „Jongens“ will Verkehrsberuhigung verlängern. Ihr Wunsch: Mittel für Kreisverkehr-Umgestaltung in den Haushalt zu bekommen.

Von Björn Boch

Solingen. Die verkehrsberuhigte Lennestraße soll nach der Probephase nicht wieder für Busse und Durchgangsverkehr geöffnet werden. Das wünschen sich Michael Morsbach, Michael Vermoehlen und Dr. Cathrin Rohleder, die sich bei den „Ohligser Jongens“ mit Stadtentwicklung auseinandersetzen. „Wir wollen keine Straßen sperren, wir wollen sie öffnen für etwas anderes: für Leben“, sagt Michael Morsbach.

Seit Mai und noch bis Oktober läuft die Probephase, in der die „Jongens“ und die Gastronomen rund um die Lennestraße den Bereich verschönern und beleben. Unter anderem wurde eine Sitzecke aufgebaut, die die „Jongens“ für drei Monate angemietet haben mit der Option zum Kauf.

Danach ist geplant, die Lennestraße Ende Oktober wieder zu öffnen und die Ergebnisse der Probephase zu untersuchen. Nicht notwendig, ist das Team vom Thementisch Stadtentwicklung überzeugt. Sie wollen die Lennestraße nur für Lieferverkehr und Anwohner offen halten. Den neu gewonnenen Platz – unter anderem durch wegfallende Parkplätze – wollen sie für Begrünung und Außengastronomie nutzen.

Begrünung: Projekt in Ohligs ist Pilot für die Stadt

Es gehe aber keineswegs nur um Gastronomie oder ein „Szeneviertel“, betonen alle. „Was wir wollen, kann man genau so in der Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt nachlesen“, sagt Michael Vermoehlen. Ohligs sei der heißeste Stadtteil – und es gebe einen hohen Nachholbedarf an innerstädtischem Grün. Im Nachhaltigkeitskonzept der Stadt werde ja sogar ein Pilotprojekt gesucht. Vermoehlen: „Wunderbar, sagen wir. Lasst uns das hier machen!“

Dazu passend: Kneipenfreitag: Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser

Es gibt aber auch Widerstand. So hatte sich der Fahrgastbeirat gegen eine Sperrung für Busse der Stadtwerke ausgesprochen, die auch aktuell durch die Lennestraße fahren, um die Haltestelle „Ohligs Markt“ zu bedienen. Die Haltestelle sei aber kaum frequentiert, mit dem Aus der St. Lukas Klinik werde sie weiter an Bedeutung verlieren. Eine Verlegung an die Bonner Straße würde den Weg für einige verlängern, andere im Unterland würden dagegen profitieren.

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Dr. Cathrin Rohleder befragte mit dem Thementisch Stadtentwicklung Menschen rund um die Lennestraße. „Mehr Gastronomie und höhere Aufenthaltsqualität waren eigentlich allen wichtig.“ Das Team hat die Umfrage ausgeweitet und auf Tischaufsteller mit QR-Code mehr als 60 Rückmeldungen erhalten. Mit einem Faktencheck wollen sie diejenigen überzeugen, die eine Sperrung kritisch sehen. Die Befürworter seien aber deutlich in der Mehrheit.

Selbst Berlin hat die Friedrichstraße beruhigt

Schon lange kämpfen die „Jongens“ auch für eine Umgestaltung der Kreisverkehre. Auf der westlichen Seite (Bistro Büro, Katy & Ana) sollen Begrünung und Außengastronomie entstehen, auf der östlichen Seite (New Orleans) eine Straße bleiben, die nicht zuletzt für Feuerwehr und Rettung benötigt wird. Morsbach: „Wir haben die Bezirksvertreter auf unserer Seite. Aber es gibt Zeitdruck. Wir würden uns wünschen, dass die Mittel in den Haushalt eingefügt werden.“ Aus der Umgestaltung folge die Entlastung der Lennestraße, die man nun mit Nachdruck vorantreiben wolle. Rohleder: „In Berlin wurde die zentrale Friedrichstraße verkehrsberuhigt. Wenn das geht, werden wir das hier doch auch hinkriegen.“

Morgen: Männersache „Ohligser Jongens“? Wir stellen die Frauen im Verein vor.

Bezirksbürgermeisterin/Vorstand

Das sagt die Bezirksbürgermeisterin: Laut Bezirksbürgermeisterin Gundhild Hübel (SPD) werde das Thema Lennestraße auf jeden Fall in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Ohligs behandelt. „Jongens“-Präsident Dr. Jörg Wacker wird einen Vortrag halten. „Wir wollen – wenn es irgendwie geht – verhindern, dass ab Ende Oktober wieder sämtliche Busse durch die Lennestraße fahren“, so Hübel. Beim Bus der Stadtwerke in Richtung St. Lukas Klinik wollten Teile der Stadtverwaltung und der Politik die Linienführung behalten. Das führe zu einem Konflikt mit den Plänen der „Jongens“. „Dieses Problem muss noch aus dem Weg geräumt werden.“
Bezirksvertretung Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid: Montag, 5. September, 17 Uhr, Verwaltungsgebäude Bonner Straße

Das sagt der Vorstand der „Ohligser Jongens“: Auf dem Weg, ein neues Szene- und Treffpunkt-Viertel zu etablieren, seien wichtige Etappen erreicht worden. „Die Verkehrsberuhigung der Lennestraße, insbesondere die Verlegung der meisten Buslinien, ist der Schlüssel für die städtebauliche Weiterentwicklung. Diese Maßnahme wird nach unserer Wahrnehmung von der ganz überwiegenden Mehrheit der Anwohner und Gastronomen begrüßt. Das Solitalia-Fest und der Kneipenfreitag, aber auch die durchgängig hohe Gästezahl in den Außenbereichen der Gastronomen belegen, dass die Weichen richtig gestellt sind“, so Präsident Dr. Jörg Wacker und Geschäftsführer Giuseppe Matera.

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