ST vor Ort

Sie sind die weibliche Seite der „Ohligser Jongens“

Neun von derzeit zwölf Frauen bei den „Ohligser Jongens“ kamen zum Fototermin mit dem Tageblatt (v. l.): Brigitte Riedel, Cathrin Rohleder, Ute Neus, Lisa Schneck, Annabelle Schleder, Eva Niemann, Daniela Kotlenga, Danica Stock und Christiane Backendorf.
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Neun von derzeit zwölf Frauen bei den „Ohligser Jongens“ kamen zum Fototermin mit dem Tageblatt (v. l.): Brigitte Riedel, Cathrin Rohleder, Ute Neus, Lisa Schneck, Annabelle Schleder, Eva Niemann, Daniela Kotlenga, Danica Stock und Christiane Backendorf.

In dem Verein packen auch viele Frauen mit an – und machen ihn und den Stadtteil facettenreicher.

Von Björn Boch

Solingen. Die „Ohligser Jongens“, das sind – auch wenn es der Name zunächst nicht vermuten lässt – auch Frauen. Zwölf, um genau zu sein. „Zwölf mal geballte Power“, wie Danica Stock sagt. Die 44-Jährige ist seit 2015 dabei und nun in den erweiterten Vorstand berufen worden. „Es macht Spaß und ist eine sehr schöne Sache. Wir wollen uns verjüngen und mehr Facetten zeigen, und das kriegen wir auch hin“, ist sie überzeugt.

2014 als Pendant zu den „Düsseldorfer Jonges“ gegründet, konnten Frauen zwar von Anfang an mitmachen. Der Name könne aber abschrecken, ist sich Stock fast sicher. „Wir flachsen immer mal, was gute Namen wären. Wir wollen das weibliche Engagement aber erstmal weiter mit Leben füllen.“ Eine Diskussion über den Namen könne diesen Taten vielleicht irgendwann folgen.

Eine schöne Welt setze sich da gerade bei den „Jongens“ in Bewegung: „Wir sind alle Privatpersonen, die unglaublich pragmatisch agieren und versuchen, das Beste rauszuholen. Das war mir und meinem Mann sehr sympathisch“, erklärt Stock. Auch der ist Mitglied. Die Mediaberaterin war bei ihrem Einstieg hochschwanger mit ihrem zweiten Kind und habe direkt einen weiteren „Jongen“ mitgebracht, sagt sie mit einem Lachen.

Was die „Jongens“ auszeichne? Anpacken auf dem kurzen Dienstweg – und damit viel verändern in einer Stadt, die finanziell nicht gut ausgestattet ist. „Die öffentlichen Möglichkeiten sind weitgehend erschöpft. Der Erfolg von Ohligs beruht zu einem guten Teil auf Engagement. Und das braucht es auch“, sagt Stock.

Die erste Frau bei den „Jongens“ war Lisa Schneck. Die 34-Jährige habe damals auf Empfehlung ihres Vaters Jürgen Achenbach mitgemacht. Das Thema „Männlein/Weiblein“ sei für sie nie ein großes gewesen. „Vielleicht liegt das aber auch an meiner eher untypischen Rolle“, sagt die Informatikerin, die der „Technikdienstleister“ bei den „Jongens“ ist und unter anderem die Homepage betreut. „Sonst ist meine Branche ja eher männlich dominiert.“

Tatsächlich sei der Name in der Außenwirkung immer mal Thema: „Wenn wir einen Infostand haben und ich stehe da, sprechen mich viele an nach dem Motto: Ach, es gibt auch Frauen bei den Ohligser Jongens?“ Da sei also noch Potenzial nach oben. Lisa Schneck und Danica Stock sehen aber auch Potenzial in Richtung der jüngeren Generation. „Von den ganz Jungen gibt es noch zu wenige, gerade für Ohligs als jungen, aufstrebenden Stadtteil. Wir müssen die Interessen dieser Generation berücksichtigen und sie am besten direkt mit ins Boot holen“, betont Schneck.

Stadtviertel gestalten, damit die Menschen dort gerne leben

Auch Neurobiologin Dr. Cathrin Rohleder engagiert sich. Ihr habe imponiert, wie konstruktiv und praktisch das Engagement bei dem Verein sei. „Da will ich aktiv dabei sein und ein Stadtviertel mitgestalten. Damit die Menschen hier gerne leben.“ Die 42-Jährige ist daher – wir berichteten – im Bereich Stadtentwicklung aktiv und kämpft für eine Verkehrsberuhigung der Lennestraße.

Wichtig ist ihr, dass sie nicht gegen etwas ist. Sondern für etwas. Für Fortschritt, Wandel, Zukunftsfähigkeit. Sie und ihr Mann sind mit gutem Beispiel vorangegangen und haben ihr Auto abgeschafft. „Mir ist klar, dass das nicht jeder machen kann. Aber bestimmte Dinge sollten wir hinterfragen. Wieso denken zum Beispiel viele, dass sie Anspruch hätten auf einen kostenlosen Parkplatz, während der ÖPNV Geld kostet?“ Diese und andere Zukunftsthemen wollen die „Mädchen“ bei den „Jongens“ anpacken.

Mitglieder

Die „Ohligser Jongens“ standen von Anfang an selbstverständlich für Frauen offen, betonen Präsident Dr. Jörg Wacker und Geschäftsführer Giuseppe Matera. „Die Ohligser Jongens sind alle, deren Herz für den Stadtteil schlägt und die sich für ihn aktiv einsetzen möchten.“ Der Verein hat aktuell mehr als 70 Mitglieder – und wächst.
www.ohligser-jongens.de

Hier gibt es alle Folgen der Stadtteilserie „ST vor Ort“

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