Fußweg zur Walder Straße in Hilden

Ohligs: Anwohner leiden unter Brückensperrung

Seit März ist von Solinger Seite aus der Weg zur maroden Holzbrücke über den Garather Mühlenbach gesperrt. Anwohner hoffen auf eine Sanierung der für sie wichtigen Querung.
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Seit März ist von Solinger Seite aus der Weg zur maroden Holzbrücke über den Garather Mühlenbach gesperrt. Anwohner hoffen auf eine Sanierung der für sie wichtigen Querung.

Die Rathäuser in Solingen und Hilden fühlen sich für Sanierung einer privaten Bachquerung nicht zuständig.

Von Philipp Müller

Solingen. Im berühmten Song der Gruppe Karat heißt es: „Über sieben Brücken musst Du gehen.“ Die Anwohner des Theodor-Storms-Wegs auf der Grenze zu Hilden in Ohligs wären froh, wenn sie wenigstens über eine Brücke gehen könnten. Denn seit Ende März ist die hölzerne Fußgängerbrücke über den Garather Mühlenbach gesperrt. Die Städte Hilden und Solingen fühlen sich nicht zuständig, die auf Privatgrundstücken stehende Brücke zu sanieren. Wie es dort weitergehen kann, ist unklar. Die Bewohner vor Ort, mit denen das Tageblatt sprach, berichten, sie würden selbst Geld für das Material sammeln, wenn die Städte die Bauausführung übernehmen.

Die Anwohner auf Solinger Seite berichten, dass der Fußweg zur Walder Straße in Hilden wichtig sei. Schüler und Kita-Kinder würden ihn nutzen. Ältere Anlieger des Theodor-Strom-Wegs schätzen die Querung, um ins Nahversorgungszentrum mit Ärzten, Geschäften und einer Apotheke an der Walder Straße zu gelangen. Schließlich führen die Solinger an, dass der Weg zur Nutzung der Busse wichtig sei. Denn auf Solinger Seite gibt es keine Busanbindung.

„So sieht ein bürgernahes Handeln nicht aus.“

Jörg Vater, Brückenanlieger

Thomas Bernhardt nutzte die Brücke bis zur Sperrung mehrfach täglich und berichtet, sie sei 1936 schon von der Presse als Argument gefeiert worden, Solingen und Hilden miteinander zu verbinden. Problem: Während in Solingen ein öffentlicher Weg bis an den Garather Mühlenbach führt, an dessen Solinger Seite die Stadtgrenze verläuft, liegen Fußweg und Brücke in Hilden auf Privatgelände. Das sei kein Problem, erklärt Susanne Cirkel, Grundstückseigentümerin auf der Hildener Seite am Fußweg. Schon ihre Großeltern hätten das öffentliche Wegerecht akzeptiert.

Zurück zur Brücke. Bis 2002 gab es eine solche aus Stein, die endete auf einem Privatgrundstück. Dessen Eigentümer ließ sie entfernen. Daraufhin hatte die Stadt Hilden im August 2002 die hölzerne Version des Bachübergangs als eine Art Geschenk oder freiwillige Leistung aufgestellt, sagen die Anwohner. Das Rathaus in Hilden sieht das heute anders. Lina Schorn erklärt für die Stadt Hilden: „Die Stadt Hilden kann keine Angaben machen, wem die Fußgängerbrücke gehört.“

Die Brücke ist ein Sanierungsfall. Den Stein dazu brachte Jörg Vater ins Rollen. Er hatte den Zustand der Brücke im Mängelmelder der Stadt Solingen angezeigt. Die Technischen Betriebe Solingen schauten sich das Bauwerk an und diese Entscheidung fiel: Der öffentliche Weg wird gesperrt. „Um zu verhindern, dass Fußgänger bis zur Brücke gehen und dort feststellen, dass sie gesperrt ist und sie umkehren müssen, haben wir eine vorgelagerte Absperrung aufgestellt, dann noch eine unmittelbar an der Brücke“, erklärt die Solinger Rathaussprecherin Sabine Rische.

Eine Sanierung der Brücke steht offensichtlich nicht auf dem Plan des Solinger Rathauses, es verweist auf die Stadt Hilden. Sabine Rische sagt dazu: „Uns gegenüber hat die Stadt Hilden erklärt, hier nicht tätig zu werden.“

Diese Haltung in Solingens Nachbarstadt kennt auch Martin Cäsar und setzte auf das Moment der Beziehungen. Er hat mit Hildens Bürgermeister Dr. Claus Pommer Abitur gemacht. Bei einer Bürgersprechstunde wurde das Thema Garather Mühlenbach diskutiert. Die Antwort haben die Nutzer der Brücke schriftlich vorliegen. Danach habe Hilden bereits 2011 beschlossen, die Unterhaltung und Verkehrssicherung der Brücke einzustellen. Der Grund seien die Eigentumsverhältnisse und die Bereinigung von Zuständigkeiten. Das hatte Hilden auch dem damaligen Solinger Stadtdirektor Hartmut Hoferichter im November 2011 mitgeteilt. Jörg Vater beklagt: „So kann bürgernahe, beziehungsweise bürgerfreundliche Behandlung nicht aussehen.“

Im Verbund mit den versammelten Nachbarn an der gesperrten Brücke verweist er auf die besondere Lage des Theodor-Storm-Wegs. Auf Solinger Seite ist er durch die Bahnstrecke auf voller Länge abgeschnitten, auf Hildener Seite durch den Bach – dazwischen bleibt die Brücke. Und sie versichern, wenn es denn in aller Not nicht anders gehe, sie wollten auch Geld für Material sammeln, um die Holzkonstruktion der Brücke zu sanieren – das geht nämlich nach Ansicht der Stadt Hilden. Aber die Bauausführung könnten sie nicht einfach selbst in die Hand nehmen, sagen die Anlieger, da stünden am Ende Haftungsfragen im Raum.

Nun hoffen sie, dass sie nicht wie im Karat-Song mindestens „sieben dunkle Jahre“ überstehen müssen, sondern hoffen auf eine Verständigung zwischen den Rathäusern. Dazu erklärt Hilden: „Die Stadt Hilden hat der Stadt Solingen zugesagt, ihr bei Bedarf die Eigentümer der Grundstücke auf Hildener Stadtgebiet zu benennen, um ihr Gespräche mit ihnen zu ermöglichen.“

Rechtslage

Die Stadt Hilden verweist in Sachen Eigentum der Brücke auf Paragraf 90 der Gemeindeordnung. Danach darf die Gemeinde „Vermögensgegenstände, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben in absehbarer Zeit nicht braucht, veräußern“ – mit der Folge, dass sie sich um ihr früheres Geschenk auch nicht kümmern muss. Und Hilden betrachtet die Brücke nicht als früheren Vermögensgegenstand, der zur „Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlich ist oder wird“.

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