Verkehr

Beirat fordert bessere Anbindung für Randbereiche

Carsten Knoch ist seit Juni 2019 im Rathaus.
+
Carsten Knoch ist seit Juni 2019 im Rathaus.

Fahrgastvertreter wollen am 30-Prozent-Ziel bis 2030 festhalten und setzen andere Prioritäten als das Rathaus.

Von Andreas Tews

Solingen. Angesichts der finanziellen Unwägbarkeiten sieht Dietmar Gaida (Integrationsrat) die Gefahr, dass sich die Stadt von dem Ziel verabschiedet, bis 2030 den Anteil des Linienbusnetzes auf 30 Prozent am Gesamtpassagieraufkommen zu steigern. Im Gutachten, das die Stadt jetzt vorlegte, sei davon die Rede, dieses Ziel zeitlich um fünf Jahre oder mehr zu strecken, sagte er im ÖPNV-Fahrgastbeirat. Einstimmig forderte der Beirat, an der 2030er-Marke festzuhalten. Ebenso einstimmig (bei diversen Enthaltungen) sprach sich das Gremium gegen eventuelle kurzfristige Kürzungen im Busnetz sowie für Taktverbesserungen und eine bessere Anbindung von Randbereichen durch Kleinbuslinien aus.

Das 30-Prozent-Ziel einzuhalten sei wegen des Klimawandels wichtig, erklärte Gaida und machte deutlich: „Das Klima verhandelt nicht.“ Für ein attraktiveres Busangebot sei eine Verdichtung der Takte wichtiger als der von den Gutachtern ebenfalls vorgeschlagene Einsatz von Doppelgelenkbussen. Durch diese Fahrzeuge werde zwar der Mangel an Busfahrern gemildert. Es sei aber wichtiger, dass Busse häufiger fahren, als dass sie mehr Platz böten. Notfalls müssten die Stadtwerke Busfahrer besser bezahlen, um Neue anzuwerben.

Reiner Nießen (Verkehrsclub Deutschland) hält es für falsch, dass einem Frühverkehr ab 5 Uhr in dem Gutachten nur wenig Bedeutung beigemessen werde. Er mahnte außerdem an, bei den Planungen für das Busliniennetz genau hinzuschauen, wo zusätzliche Angebote benötigt würden. Nach seinen Berechnungen sind geringere Investitionen nötig als von der Stadt jetzt vorgestellt. Dem hielt der städtische Verkehrsplaner Carsten Knoch entgegen, dass man in den Bussen mehr Komfort sowie mehr Platz und Abstand bieten müsse, um Autofahrer für den Busverkehr zu gewinnen.

Beiratsvorsitzender Leon Kröck (Grüne) erkannte an, dass viele Forderungen seines Gremiums in das Gutachten eingearbeitet worden seien. Er hofft jetzt auf Zuschüsse von Bund und Land, damit die Stadt das 30-Prozent-Ziel erreichen könne. Im Gegensatz zur Ausschussmehrheit sprach sich Jonathan Bürger (CDU) dafür aus, sich vor allem auf die Stärkung der Hauptlinien zu konzentrieren. Wegen der knappen Mittel sah er angesichts der Forderung, auch die Randbereiche besser anzubinden, einen Zielkonflikt.

Bernhard Müller (Seniorenbeirat) mahnte an, nicht nur daran zu denken, die Platzkapazitäten der Busse zu erhöhen. Wichtig sei auch, dass es ausreichend viele Sitzplätze gebe, die für Senioren und Gehbehinderte ohne Stufen innerhalb der Busse zu erreichen seien.

Verkehrsplaner verlässt Solingen

Er ist im Zusammenhang mit dem neu entstehenden Nahverkehrsplan einer der wichtigsten Protagonisten: Carsten Knoch, Abteilungsleiter für Mobilität und generelle Planung im Rathaus. Im Fahrgastbeirat teilte er jetzt mit, dass er Solingen nach knapp dreieinhalb Jahren im Herbst verlassen werde. Er wechselt zur Stadt Düsseldorf.

ÖPNV der Zukunft: Große Pläne, aber wenig Geld für Busse

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Christoph-Kramer-Tribüne: Weltmeister will in Solingen einsteigen
Christoph-Kramer-Tribüne: Weltmeister will in Solingen einsteigen
Christoph-Kramer-Tribüne: Weltmeister will in Solingen einsteigen
Nachhaltigkeit: Solingen ist Vorreiter
Nachhaltigkeit: Solingen ist Vorreiter
Nachhaltigkeit: Solingen ist Vorreiter
A3 und A46: Ab heute Abend nur je eine Spur frei
A3 und A46: Ab heute Abend nur je eine Spur frei
A3 und A46: Ab heute Abend nur je eine Spur frei
120 Helfer sammeln eine Tonne Müll in der Ohligser Heide
120 Helfer sammeln eine Tonne Müll in der Ohligser Heide
120 Helfer sammeln eine Tonne Müll in der Ohligser Heide

Kommentare