Kanalnetz

Obermeister rät, Kanäle weiterhin zu prüfen

Dirk Leinen, Obermeister der Innung für Sanitär und Heizungstechnik, rät dazu alte Abwasseranlagen weiterhin zu prüfen. Archivfoto: Michael Schütz
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Dirk Leinen, Obermeister der Innung für Sanitär und Heizungstechnik, rät dazu alte Abwasseranlagen weiterhin zu prüfen.

Die Frist, Abwasserleitungen auf Dichtheit zu kontrollieren, wurde vom Landtag aufgehoben.

Von Katharina Birkenbeul

Solingen. Regelmäßig muss die Dichtheit von Abwasserleitungen überprüft werden. Ursprünglich galt für den sogenannten Kanal-Tüv eine Frist bis Ende 2020. Diese Frist wurde Ende Juni vom Landtag aufgehoben. Die Prüffrist galt für private Abwasserleitungen aller Gebäude, die nach dem 1. Januar 1965 errichtet wurden und in einem Wasserschutzgebiet liegen. Für gewerbliches oder industrielles Abwasser besteht die Frist weiterhin. „Eine Prüfpflicht für private Leitungen besteht somit nur noch bei Neubau, Sanierung oder konkreten Verdacht sowie für Leitungen, in denen Abwasser aus Herkunftsbereichen gemäß Anhängen der Abwasserverordnung abgeleitet wird“, erklärt Stadtsprecherin Birgit Wenning-Paulsen. Für schmutzwasserführende Abwasserleitungen, die vor 1965 errichtet wurden, endete die Frist bereits im Dezember 2015 und bleibt ebenfalls weiterhin bestehen.

Dennoch sei es wichtig, Kanalanschlussleitungen – in Solingen gibt es etwa 34 000 – regelmäßig kontrollieren zu lassen, sagt die Stadt „Aus undichten Kanalhausanschlussleitungen gelangt häusliches Schmutzwasser etwa Fäkalien oder Medikamentenrückstände in das umgebende Erdreich und Grundwasser (Exfiltration). Dies ist ein Umweltstraftatbestand. Umgekehrt gelangt umgebendes Grund-/Schichtenwasser in die Leitung, wird dem Bodenhaushalt damit entzogen, mit dem Schmutzwasser verunreinigt (Verschlechterungsverbot) und muss auf der Kläranlage zusätzlich gereinigt werden. Unerkannte Schadstellen in der Leitung führen zu Ausspülungen des Erdreichs, erzeugen langfristig unterirdische Hohlräume und führen zu etwa zu Straßeneinbrüchen“, heißt es vonseiten der Stadt.

Auch Dirk Leinen, Obermeister der Innung für Sanitär- und Heizungstechnik in Solingen, rät dazu die Anschlüsse zu überprüfen: „Alte Anlagen sollten trotzdem kontrolliert werden, denn wenn eine Leitung kaputt geht, wirkt sich das nicht direkt aus.“ Erst wenn die Leitung bereits gebrochen ist, mache es sich beispielsweise durch Verstopfungen bemerkbar. Deshalb empfiehlt er regelmäßige Sichtkontrollen als Dichtheitsprüfung. Die Kosten dafür trage jedoch der Privateigentümer. Das gelte für die gesamte Anschlussleitung vom Stutzen/Abzweig des öffentlichen Kanals an, fügt die Stadt hinzu.

Strenge Regeln gibt es für Wasserschutzgebiete

Zuvor mussten Neubauten und Gebäude, an denen wesentliche Änderungen vorgenommen werden mussten ebenfalls sofort geprüft werden. Innerhalb festgesetzten Wasserschutzgebieten – in Solingen gibt es für etwa 120 Grundstücke in Höhrath, Schwanenstraße, Engelsberger Hof, Hackhausen, Verlach, Strohn, Götsche und Krüdersheide – galt das zum Beispiel. Hier mussten bestehende Abwasserleitungen, die vor dem 1. Januar 1965 errichtet wurden, und bestehende Leitungen für industrielles oder gewerbliches Abwasser und vor dem 1. Januar 1990 errichtet wurden, erstmals bis spätestens zum 31. Dezember 2015 auf deren Zustand und Funktionsfähigkeit prüfen zu lassen. Alle anderen Abwasserleitungen in Wasserschutzgebieten waren erstmals bis spätestens zum 31. Dezember 2020 prüfen zu lassen.

Öffentliches Kanalnetz

Das öffentliche Kanalnetz (ca. 620 km) wird laut Stadt ständig mit Kanalfernsehuntersuchung überprüft. Die gesetzliche Vorgabe sei, dass jährlich 5 Prozent der Kanäle das gesamte Netz aber alle 15 Jahre. Die Grundstücksanschlussleitungen (Leitungen vom öffentlichen Kanal bis zur Grundstücksgrenze) werden von den TBS – primär vor anstehenden Baumaßnahmen – ebenfalls überprüft. Dabei werden die Kosten durch die TBS übernommen. „Dadurch soll vermieden werden, dass es in neuen Straßendecken durch unerkannte Leitungseinbrüche wieder zu Aufbrüchen kommt“, erklärt die Stadt.

An der Wupperstraße und an der Florastraße/Oststraße kam es zu einer Ermüdung alter Materialien.

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