Lockerungen der Einschränkungen

Nur private Sportanlagen dürfen in Solingen öffnen

Thorsten Selbach aus dem Vorstand der Tennisabteilung des Merscheider TV freut sich, dass die Rückkehr auf die Plätze kurz bevorsteht. Foto: Christian Beier
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Thorsten Selbach aus dem Vorstand der Tennisabteilung des Merscheider TV freut sich, dass die Rückkehr auf die Plätze kurz bevorsteht.

Städtische Einrichtungen bleiben auch zur Ausübung von Individualsport geschlossen.

Solingen. Bei den Verantwortlichen vieler Solinger Tennisvereine war die Freude groß, als am vergangenen Freitag die neue Corona-Schutzverordnung veröffentlicht wurde. „Danach war klar, dass wir unsere Außenplätze für Einzelspiele und Individualtraining wieder öffnen dürfen“, sagt Thorsten Selbach aus dem Vorstand der Tennisabteilung des Merscheider TV (MTV). „Sofort haben wir alle Weichen gestellt, um die Plätze bespielbar zu machen.“ Doch der Dämpfer folgte am Dienstagabend, als die Stadt die Vereine per E-Mail informierte, dass die Anlagen – auch die privat geführten – geschlossen bleiben müssen. Dem „Schock“, wie Selbach es beschreibt, folgte die Entwarnung am Mittwochmorgen. Die Clubs dürfen unter Auflagen öffnen, städtische Anlagen bleiben aber zu.

Laut neuer Corona-Schutzverordnung ist Sport allein, zu zweit oder ausschließlich mit Personen des eigenen Hausstandes „auf Sportanlagen unter freiem Himmel“ – einschließlich der sportlichen Ausbildung im Einzelunterricht – wieder zulässig. Der Krisenstab der Stadt Solingen entschied sich aber bei seinen eigenen Einrichtungen gegen diese Möglichkeit.

Da haben wir sehr lange drauf gewartet.

Karsten Saniter, Tennistrainer

Denn: Auch laut Schutzverordnung müssen die Verantwortlichen „den Zugang zu der Einrichtung so beschränken, dass unzulässige Nutzungen ausgeschlossen sind und die Einhaltung der Mindestabstände gewährleistet ist“. Heißt: Die Kommune müsste alle ihre Anlagen mit Personal überwachen. „Das können wir nicht leisten“, sagte OB Tim Kurzbach dem Tageblatt. Vereine dürfen ihre Plätze dagegen öffnen, „wo es verantwortbar ist“, so Kurzbach – wenn sie zusichern, die Einhaltung der Regeln zu überwachen. Für einzelne städtische Anlagen wägt die Sportverwaltung laut Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) noch ab, Individualsport zu ermöglichen. „Dies führt allerdings erfahrungsgemäß auch zu größeren Menschenansammlungen“, teilte er dem ST mit.

Die Erleichterung ist nicht nur bei Selbach und dem MTV groß. Auch beim Solinger TC (STC), der zu den ambitioniertesten Vereinen der Klingenstadt gehört, ist die Freude riesig. „Da haben wir lange drauf gewartet“, sagt Cheftrainer Karsten Saniter. „Ich finde die Entscheidung komplett richtig, weil wir uns an die Vorgaben halten und es dann einfach kein großes Risiko darstellt.“ Freilich würden die Tennisspieler normalerweise im Februar in der Halle spielen. „Aber das ist ja seit Monaten untersagt, so dass jetzt alle die Chance nutzen wollen, bei den milden Temperaturen draußen anzutreten“, erläutert der Coach.

Solingen: Nicht alle Sportplätze öffnen die Tore

STC und MTV wollen ihre Plätze nach Möglichkeit bereits zum Wochenende wieder einsatzbereit haben. „Falls das nicht klappt, wird es eben in der kommenden Woche soweit sein“, meint Saniter. „Auf die paar Tage kommt es auch nicht mehr an.“ So zufrieden die Tennisspieler mit der Entwicklung sind, so unverändert ist die Lage für viele andere Sportler. Solingens Fußballplätze bleiben genauso geschlossen wie das Walder Stadion, in dem sich viele Läufer fit halten, und die Herbert-Schade-Sportanlage am Schaberg, wo der Solinger Leichtathletikclub (SLC) seine Heimat hat.

Darüber zeigt sich Uwe Ludwig sehr enttäuscht. „Aus unserer Sicht hätte nichts dagegengesprochen, am Schaberg in Zweiergruppen zu trainieren“, sagt der SLC-Vorsitzende. „Nun müssen unsere Sportler weiterhin Ausweichmöglichkeiten finden. Viele gehen auf die Korkenziehertrasse, die in diesen Tagen natürlich sehr voll ist.“

Eine Situation, die sich nach Entscheidung des Krisenstabes erst ändern soll, wenn der Inzidenzwert in Solingen an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unter 50 liegt – was beim aktuellen Wert von 121,8 noch eine Weile dauern kann. Ludwig bietet an: „Wenn es um die Überwachung von Zugang und Abständen geht, würden wir als Verein während unserer Trainingszeiten auf die Einhaltung achten.“

Die Bürgergemeinschaft für Solingen (BfS) will alle Sportplätze wieder öffnen: „Leider stoßen die Kinder und Jugendlichen, die wieder trainieren möchten, auf verschlossene Tore. Lasst die Kinder und Jugendlichen wieder an der frischen Luft Sport machen“, fordert Sprecher Jan-Claudius Salewski. Natürlich müsse kontrolliert werden, ob Abstände und Restriktionen eingehalten werden. „Hier appellieren wir an die Kinder und Jugendlichen, sich an die Schutzmaßnahmen zu halten.“

Ausnahmen

Profisport und Stützpunkttraining sind weiterhin gestattet. Schulsport ist zusätzlich möglich, soll aber grundsätzlich im Freien oder – soweit Theorieinhalte betroffen sind – im Distanzunterricht erteilt werden. Zur Vorbereitung auf eine Prüfung ist ausnahmsweise die Hallennutzung zulässig.

Standpunkt: Die Trasse entlasten

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher @solinger-tageblatt.de

Bei allem Verständnis für den Corona-Schutz mutet es seit einiger Zeit etwas merkwürdig an, dass nicht zumindest bestimmte Sportarten unter freiem Himmel stattfinden dürfen. Tennis gehört gewiss dazu. Bei einem Einzel treffen maximal zwei Personen aufeinander, was schließlich auch abseits der Sportplätze gestattet ist – und sie haben beim beliebten Schlägersport naturgemäß Abstand zueinander. Insofern ist es zu begrüßen, dass sich die Tennisspieler auf vereinseigenen Anlagen wieder messen dürfen. Bitter ist hingegen, dass städtische Anlagen geschlossen bleiben.

Das betrifft im Tennis wenige, dafür aber Hobbyläufer, die gerne im Walder Stadion ihre Runden drehen, sowie Leichtathleten, deren Training auch kein hohes Infektionsrisiko darstellen dürfte. Dass die Stadt Zugang und Abstände für alle Einrichtungen nicht überwachen kann, ist ein nachvollziehbares Argument. Wäre es denn nicht denkbar, nur bestimmte Anlagen zu öffnen und mit personeller Hilfe von Vereinen auf Corona-Konformität zu überwachen? Sinn würde der Schritt allemal ergeben, da er auch zur Entlastung der vollen Korkenziehertrasse beitrüge..

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