Biker nehmen Rücksicht

Motorräder: Zahl der Zulassungen in Solingen steigt

Thorsten Böhm, Geschäftsführer von Fischer & Böhm, nimmt ein Umdenken bei Motorradfahrern wahr. Foto: Tim Oelbermann
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Thorsten Böhm, Geschäftsführer von Fischer & Böhm, nimmt ein Umdenken bei Motorradfahrern wahr.

Experte schätzt den Anteil rücksichtsloser Raser auf höchstens fünf Prozent – Unfälle werden weniger

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Mit dem Start des schönen Wetters sind auch die Motor-Biker wieder unterwegs: Von ihren Fans geliebt, von manchen Anwohnern oder anderen Verkehrsteilnehmern geradezu gehasst.

Lässt der Sound das Herz passionierter Biker höher schlagen, ist es genau der, der andere am liebsten die Flucht ergreifen lässt. Und das, so ist häufig zu hören, sei eben immer schwieriger, weil die Zahl der Motorräder deutlich gestiegen sei. Aber stimmt das auch? Ja, beweist der Blick auf die Zulassungszahlen der Kfz- Stelle in Solingen. Vermeldete die Zulassungsstelle im Jahr 2011 noch 7790 Maschinen, waren es Stand Mitte Juni 9130. Der Eindruck, dass am Wochenende auf Strecken rund um die Klingenstadt mehr Motorradfahrer unterwegs sind, ist also objektiv richtig.

Nicht richtig allerdings sei die zugleich oft gehörte Meinung, dass die zweirädrigen Schätzchen der passionierten Biker immer lauter werden.

„Das Gegenteil ist der Fall“, betont Thorsten Böhm nachdrücklich. Der Geschäftsführer des Honda Auto- und Motorradhändlers Fischer & Böhm in Aufderhöhe rechnet den gestiegenen Kauf-Trend eindeutig der Corona-Pandemie zu. Urlaubsreisen hätten nicht stattfinden können, folglich habe so mancher Biker sich eine neue Maschine gegönnt und sich endlich den langgehegten Traum vom heißen Ofen verwirklicht.

Der prozentuale Anteil der rücksichtslosen Biker ist gering

Aber: „Moderne Fahrzeuge müssen strenge Auflagen erfüllen, was Abgaswerte und auch das Knattern und Dröhnen angeht“, sagt Böhm. „Da hat sich im Laufe der letzten Jahre ein Wandel vollzogen, auch in der Selbstreflexion der Motorradfahrer.“

Die Aufklärungskampagnen von Polizei und Verbänden hätten durchaus Wirkung gezeigt, man nehme mehr Rücksicht.

Etwas, was so manche Anwohner beliebter Bikerstrecken anders erleben. Unlängst hatte Heinz Willi Müller aus Oberburg seinen Unmut über extrem laute und an seinem Zuhause vorbei röhrende Motorräder geäußert und Nutzen und Sinn von NRW-Polizei- Kampagnen wie #leiserbiker angezweifelt. In der Tat gebe es immer die Uneinsichtigen, die als schwarze Schafe schnell den Ruf der anderen schädigten, sagt Thorsten Böhm dazu. „Falsches und egoistisches Fahrverhalten auf dem Motorrad-Sattel kann man nicht schön reden.“ Dennoch gibt er zu bedenken, dass der prozentuale Anteil der Rücksichtslosen gering sei. „Maximal fünf Prozent“ schätzt er.

Zahl der verunglückten Motorradfahrer ging leicht zurück

„Bei Autofahrern gibt es ja auch jede Menge, die sich nicht kommod verhalten und dadurch andere belästigen und sogar gefährden.“ Als Beispiel nennt Böhm illegale Autorennen oder gnadenloses Drängeln auf Autobahnen von jenen Fahrern, die „offenbar die linke Spur gebucht haben“. Die Statistik der Polizei Solingen/Remscheid/Wuppertal zeigt sogar einen leichten Rückgang von Unfällen mit Motorrädern vom Jahr 2019 zum vergangenen Jahr (| Kasten).

Dennoch gilt Motorradfahren durch die Bank als gefährlich beziehungsweise gefährlicher. „Wahrscheinlich werden Motorradunfälle intensiver und bewusster wahrgenommen, weil leider schneller richtig viel passiert, als wenn es mit dem Auto kracht“, mutmaßt Thorsten Böhm, auch mit Verweis auf den letzten tödlichen Unfall in Solingen. „Es gibt ja nun einmal keinerlei Knautschzone, und selbst wenn Schutzkleidung und Helme im Laufe der Zeit immer besser geworden sind, so richten sie bei hohen Geschwindigkeiten nicht viel aus.“

Hintergrund

Unfälle: 2020 verunglückten laut Polizei 26 Kradfahrer, 2019 waren es 32 gewesen. 9 Schwerverletzte gab es 2019, sechs Schwerverletzte im Jahr 2020. 1 Motorradfahrer starb im vergangenen Jahr an einem Unfall.

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