Modellprojekt

NRW-Politik debattiert über elektrischen „Müngstener“

Die Züge des Betreibers Abellio fahren auf die S-Bahn-Linie 7 derzeit mit einem Dieselantrieb. Archivfoto: Roland Keusch
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Die Züge des Betreibers Abellio fahren auf die S-Bahn-Linie 7 derzeit mit einem Dieselantrieb. Archivfoto: Roland Keusch

Grüne glauben an Modellprojekt für die Strecke der S 7, vor allem die CDU hat Bedenken.

Von Sebastian Appianing und Eike Rüdebusch

Solingen. Die angepeilte Elektrifizierung des „Müngsteners“ (S-Bahn 7) gilt nach einer Expertenanhörung im NRW-Landtag zwar als technisch machbar. In der aktuellen landespolitischen Debatte ist aber umstritten, ob der angedachte Einsatz von Zügen mit Akku wirtschaftlich sinnvoll wäre. Die Grünen hoffen auf ein durch das Land finanziertes Modellprojekt. Vor allem bei der CDU sieht man aber noch Hindernisse.

Bislang fährt die S 7 mit Dieselfahrzeugen über die Gleise von Solingen über Remscheid nach Wuppertal. Grund dafür ist, dass der Denkmalschutz auf der Müngstener Brücke Oberleitungen verbietet und dass diese Kabel in Tunneln der Strecke nicht eingebaut werden können. Darum wird jetzt ein batterie-elektrischer Antrieb wie bei den Solinger Batterie-Oberleitungsbussen geprüft. Solche Züge können unter Oberleitung ihre Akkus aufladen und mit dieser Energie die restliche Fahrt bestreiten.

Eine Umstellung wäre derzeit frühestens 2028 möglich. Dann wird der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) die Strecke neu ausschreiben. Die Grünen hoffen aber auf eine schnellere Umsetzung mit Hilfe des Landtags. Landtagsabgeordneter Johannes Remmel sieht zwar vertragsrechtliche Probleme und die Gefahr, dass die zusätzlichen Kosten für die Akku-Züge eine Rolle spielen. Auch sei die Strecke in der Priorisierung der Bahn für Elektrifizierung weit hinten. Trotzdem zeigt sich Remmel optimistisch: „Die Strecke ist prädestiniert für ein Modellprojekt.“

Die CDU zeigt sich offen für den Vorschlag. Der verkehrspolitische Sprecher Klaus Voussem sieht aber auch, dass es noch viel zu tun gibt. „Die Anhörung hat gezeigt, dass durch die Topographie des Bergischen Landes Triebwagen mit stärkeren Batterien und damit höherem Gesamtgewicht eingesetzt werden müssten. Diese sind bisher auf dem Markt nur sehr bedingt verfügbar und beeinflussen zudem die Statik der Müngstener Brücke.“ Laut Voussem ist auch noch nicht geklärt, ob eine vollständige Elektrifizierung der Strecke machbar und wirtschaftlich sei.

Wobei Volker Wente vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) laut Protokoll der Sitzung betonte, dass die standardisierte Bewertung der Wirtschaftlichkeit nicht sinnvoll sei: „Wenn man die Verkehrswende will, würde ich es befürworten, auf diese standardisierte Bewertung grundsätzlich zu verzichten und sie ausschließlich anwenden, wenn die Mittel nicht reichen und man aus verschiedenen Projekten auswählen muss.“

Fahrgastverband hofft auf Besserungen für die Kunden

Für Axel Sindram vom Fahrgastverband Pro Bahn ist bei einer Umstellung auch immer der Blick auf die Fahrgäste zu richten: Ein Wechsel der Antriebsart ergebe nur Sinn, wenn damit auch betriebliche Vorteile verbunden seien. Die Züge müssten beschleunigungsstärker werden, so dass entweder die Reisezeit verkürzt oder die gewonnenen Reserven für zusätzliche Zwischenhalte genutzt werden könnten.

VRR plant neuen Direktzug von Solingen nach Düsseldorf.

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