Personalengpässe

Notfahrplan für die S 7 bleibt bis in den Oktober

Zugausfälle gehören bereits seit Monaten zum Alltag der Pendler und Reisenden im Bergischen Land.
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Zugausfälle gehören bereits seit Monaten zum Alltag der Pendler und Reisenden im Bergischen Land.

Personalengpässe sorgen weiterhin für Ausfälle bei der S-Bahn 7 – auch die S 1 bereitet Sorgen.

Von Andreas Tews und Axel Richter

Solingen. Die Personalengpässe beim Bahnanbieter Vias Rail halten an. Darum müsse der Notfahrplan der S-Bahn 7, der eigentlich nur bis Ende dieser Woche gelten sollte, bis in den Oktober verlängert werden. Durch viele Krankheitsfälle und lange geplante Urlaube kämen viele ungünstige Faktoren zusammen, erklärt Thomas Esser, Geschäftsleiter Service bei Vias Rail. Er rechnet mit weiteren zwei bis vier Wochen. Weiterhin fällt demnach pro Stunde mindestens ein Zug aus und wird durch einen Ersatzbus ersetzt.

Die Ersatzfahrpläne gelten seit zehn Tagen. Statt eines 20-Minuten-Takts fahren derzeit nur zwei Bahnen pro Stunde jeweils im Abstand von 20 oder 40 Minuten. Busse, die entsprechend länger unterwegs sind, ersetzen die ausfallenden Fahrten. Eine Folge ist, dass die Züge, die fahren, voller sind, weil Pendler und Reisende die Ersatzbusse meiden.

S 7: Vias setzt Doppelzüge ein, um zusätzliche Plätze zu bieten

Darum setze Vias Rail derzeit möglichst Doppel-Züge ein, um zusätzliche Plätze zu bieten, erklärt Esser. Er versichert, dass sich sein Unternehmen um Ersatz für die ausgefallenen Lokführer bemühe. Eigentlich wolle man nach Möglichkeit fest anstellen. Doch dies sei wegen des bundesweiten Lokführermangels schwer. Selbst geeignete Leih-Lokführer seien schwer zu bekommen.

Ursache für die krankheitsbedingten Ausfälle ist laut Esser nicht nur die Corona-Pandemie. Hinzu komme, dass bei etlichen Mitarbeitern aufgeschobene medizinische Behandlungen oder Operationen nachgeholt würden. Andere Lokführer hätten Urlaubsansprüche, die noch aus Planungen ihres früheren Arbeitgebers, des ehemaligen S-7-Anbieters Abellio, stammen.

Sven Wolf (MdL) ist enttäuscht über schlechte Bahnverbindungen

Im Bergischen Land reagiert man enttäuscht. „Ich schreibe den Verkehrsverbund ja schon alle paar Wochen an. Dann bekomme ich eine Antwort, in der steht, wie schwierig alles ist“, beklagt der Remscheider Landtagsabgeordnete Sven Wolf (SPD) – selbst regelmäßiger Bahn-Kunde. Nun denkt der Abgeordnete darüber nach, Vertreter des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) nach Remscheid einzuladen.

Auch Leon Kröck (Grüne), einer der Solinger Vertreter in der VRR-Verbandsversammlung, kritisiert: „Mir machen derzeit verschiedene Linien Sorgen.“ Er verweist darauf, dass nicht nur bei der S 7, sondern auch bei der für den Verkehr in Richtung Düsseldorf wichtigen S 1 wegen einer baufälligen Brücke viele Züge ausfallen. Kröck: „Das Bild, das der Schienenpersonennahverkehr in der Region abgibt, ist nicht gut. Mir ist nicht klar, wie wir so die Verkehrswende schaffen wollen.“

Positiv sei immerhin, dass die Bahnstrecke Wuppertal-Remscheid-Solingen ab Ende 2028 mit batterieelektrischen Zügen befahren werden solle. Dann endet der Vertrag mit dem Unternehmen Transdev (Rhein-Ruhr-Bahn), das ab Dezember 2023 die S 7 übernehmen soll. An dieser Ausschreibung hatte sich nach Essers Angaben auch Vias Rail beteiligt. Er bedauert, dass man nicht den Zuschlag erhalten habe.

Abfahrtzeiten

Richtung Solingen: Aus Wuppertal kommend fahren zwischen 5 und 19 Uhr nur die Züge der S 7, die nach regulärem Fahrplan 7 oder 27 Minuten nach der vollen Stunde in Solingen Hauptbahnhof ankommen würden. Gleiches gilt für die Züge um 6.57, 7.57, 8.58 und 17.17 Uhr.

Richtung Wuppertal: In der Gegenrichtung fahren zwischen 5 und 19 Uhr nur die Züge, die in Solingen Hauptbahnhof 12 oder 32 Mi-nuten nach der vollen Stunde starten. Zusätzlich die Züge um 7.02, 8.02, 16.21 und 17.42 Uhr.

Busse: Statt der ausfallenden Bahnen fahren Ersatzbusse.

Standpunkt von Andreas Tews: System voller Mängel

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Marode Brücken, häufig defekte Fahrzeuge, Mangel an Fahrpersonal – das System des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) krankt an allen Ecken und das nicht erst seit zehn Tagen, sondern seit Jahren. Die aktuelle Situation verschärft die ohnehin ernste Lage zusätzlich noch. Planer und Manager von Verkehrsunternehmen sind derzeit nicht um ihre Aufgaben zu beneiden. Leidtragende sind aber in erster Linie die Kunden, die auf Linienbusse und regionale Eisenbahnlinien angewiesen sind.

Statt der angestrebten Verkehrswende ist derzeit eher eine umgekehrte Entwicklung zu beobachten. Wenn die S 7 nur nach Notfahrplan fährt, zusätzlich dort weitere Züge ausfallen und dann der Anschluss nach Düsseldorf nicht klappt, weil auch die S 1 öfter ausfällt, als dass sie fährt, steigen diejenigen, die sich ein Auto leisten können, auf das eigene Gefährt um.

Der ÖPNV braucht nicht nur neue Ideen, sondern auch deutlich mehr Geld. Günstige bundesweite Tickets helfen da allein nicht weiter.

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