Amtsabgabe

Norbert Schmelzer kämpft gegen Rassismus

Norbert Schmelzer, der langjährige Sprecher des Bündnisses für Toleranz und und Zivilcourage, gibt sein Amt auf. Der 79-Jährige wurde für seinen Einsatz gegen Rassismus in der Stadtgesellschaft geehrt. Foto: Christian Beier
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Norbert Schmelzer, der langjährige Sprecher des Bündnisses für Toleranz und und Zivilcourage, gibt sein Amt auf. Der 79-Jährige wurde für seinen Einsatz gegen Rassismus in der Stadtgesellschaft geehrt.

Langjähriger Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage gibt sein Amt ab

Von Philipp Müller

Solingen. Eine kleine Runde hatte sich im Atrium des Theater und Konzerthauses versammelt. Es galt einen stillen, aber bedeutenden Mann zu ehren und zu verabschieden, der sich in den vergangenen Jahren leidenschaftlich gegen alle Formen von Rassismus gestemmt hatte und das noch heute tut. Norbert Schmelzer gab im Anschluss an die Hauptversammlung des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage den Posten des Sprechers ab. „Ich werde im kommenden Jahr 80 Jahre alt“, sagte er. Da sei es Zeit die Aufgaben weiterzureichen. Mit Hans-Werner Bertl und Frank Knoche kann das Bündnis zunächst auf die beiden Stellvertreter Schmelzers setzten. Die Nachfolge wird später geregelt.

Das Bündnis wurde im Jahr 2000 gegründet. Das hat eine Vorgeschichte, wie Redner bei der Verabschiedung erklärten. Den Anfang nahm alles im Jahr 1993 mit dem Brandanschlag auf das Haus der Familie Genç. Norbert Schmelzer hatte das nicht nur ganz tief erschüttert. Er wollte etwas tun. Ihm war klar, gegen den Rassismus in der Mitte der Gesellschaft musste angekämpft werden.

„Wir haben ein Konzert veranstaltet, um ein Nottelefon für Opfer zu installieren“, erzählte er. 15 000 Mark sei das Ziel als Erlös gewesen – es wurden stattdessen 15 000 Mark Verlust, die sich drei Personen dann aufteilten. Kein Grund für Schmelzer, aufzuhören. Die Initiative S.O.S. Rassismus wurde gegründet, bekam ein Büro und finanzielle Ausstattung für eine festangestellte Mitarbeiterin.

Die Idee des Mahnmals wurde geboren

Die Idee des Mahnmals, das heute auf dem Gelände des Mildred-Scheel-Berufskollegs steht, wurde geboren. Neben Schmelzer war Heinz Siering von der Jugendhilfewerkstatt einer der Protagonisten der Idee. Auch der damalige ÖTV-Sekretär und heutige SPD-Landtagsabgeordnete Josef Neumann förderte das mit Mitteln der Gewerkschaft. „Wir haben dann mit einem Zug von 10 000 Menschen die ersten Ringe für das Mahnmal von der Unteren Wernerstraße zum Mahnmal gebracht“, blickte Schmelzer in seiner Danksagung immer noch über die große Anteilnahme staunend zurück.

Es kam, was so oft kommt. S.O.S. Rassismus ging das Fördergeld aus. Inzwischen war Franz Haug als Oberbürgermeister der Stadt. Der Christdemokrat gibt zu, sich am Anfang mit Schmelzer gerieben zu haben. Doch der Personal- und Verkaufsleiter aus der Metallbranche konnte offensichtlich überzeugen. Haug unterstützte weiter die Idee des Gedenkens gegen alle Widerstände und verlegte mit die ersten Stolpersteine, die an die Bluttaten während der Nazizeit von 1933 bis 1945 erinnern, die meist gegen die jüdische Bevölkerung gerichtet waren.

„Norbert Schmelzer hat sein Herz für die Stadt gegeben.“

Tim Kurzbach, Oberbürgermeister

Der heutige Oberbürgermeister, Tim Kurzbach (SPD), griff das in seiner Würdigung alles auf. Schmelzer sei mit seinem Ansatz, es müsse mehr als nur das Gedenken geben, eine ganz wichtige Figur der Stadtgesellschaft. Kurzbach zählte neben dem Mahnmal, den Organisationen auch Schmelzers Eintreten für das Gedenken an die Deportation von Sinti und Roma (| Kasten) auf.

Kurzbach machte aber auch klar, wie gut Schmelzer als, wie man heute sagt, Netzwerker über alle Parteigrenzen hinaus gearbeitet habe: „Es bedarf viel Fingerspitzengefühl, die Menschen zusammenzubringen. Norbert Schmelzer hat sein Herz für die Stadt gegeben.“

Schmelzer lobte noch die gute Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum und besonders dort mit Michael Roden. Der bedankte sich mit einer großen Fotocollage mit Bildern Schmelzers bei Veranstaltungen.

Und der 79-Jährige bekennt dann auch, was ihm besonders wichtig war. Die Verleihung des Preises „Silberner Schuh“ an Menschen, die wie er aktiv gegen Rassismus aufstehen.

Jazzkonzert erinnert an Deportation

Am Samstag, 4. September, findet ein Jazzkonzert in Erinnerung an die Deportation Solinger Sinti statt. Diesmal um 18 Uhr im Walder Stadtpark, nach dem Fest „Leben braucht Vielfalt“. Die Justin Geisler Band und Christiano Gitano werden in der Tradition von Django Reinhard, bereichert mit verschiedensten Stilelementen, Gipsy-Swing und Gipsy-Jazz spielen.

Preisträger engagieren sich für Frieden und Demokratie.

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