Katholikenrat

Neujahrsempfang wird zum Appell für Mitverantwortung

Pater Elias H. Füllenbach (v. l.), Pfarrer Michael Mohr und Ulrike Spengler-Reffgen luden zum Neujahrsempfang.
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Pater Elias H. Füllenbach (v. l.), Pfarrer Michael Mohr und Ulrike Spengler-Reffgen luden zum Neujahrsempfang.

Katholiken erinnern an christlich-jüdische Beziehungen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Gemeinsam am gleichen Werk arbeiten: So beschrieb am Mittwochabend Elias H. Füllenbach in seinem Vortrag den Idealzustand von Christen und Juden. Der katholische Theologe und Kirchenhistoriker sowie Prior des Düsseldorfer Dominikanerklosters an der Andreaskirche war der Gastredner beim traditionellen Neujahrsempfang des Solinger Katholikenrates.

Mit „1700 Jahre christlich-jüdische Beziehungen in Deutschland – ein Jubiläum und unsere Gegenwart“ waren die 30 Minuten überschrieben, in denen der Experte sowohl eine hochspannende geschichtliche Abhandlung lieferte, als auch nachdrücklich ermahnend ins Jetzt schaute. Anlass war das Gedenkjahr 2021, das die 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland in den Fokus gerückt hatte und wegen der Pandemie-Bedingungen nun in die Verlängerung geht.

Es gebe sicher keine Kollektivschuld der heutigen Generation für vergangene Frevel an Menschen jüdischen Glaubens, die während der 1700 Jahre dokumentiertem Leben in Deutschland nahezu nahtlos diskriminiert, verachtet und benachteiligt wurden. „Aber zweifelsohne eine Kollektiv- Verantwortung, denn wir alle sind das Resultat vergangener Zeiten und wer sich ausschließlich als Individuum begreift und nicht als Teil der Gesellschaft, macht es sich an dieser Stelle zu einfach“, sagte Pater Füllenbach.

Messerscharf arbeitete er die jahrhundertelange Anti-Judaistische Haltung der christlichen Kirche heraus, die „den Boden für den Gipfel des Antisemitismus, den Holocaust des NS-Regimes bereitet hat. Erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1962 bis 1965 habe die Kirche offiziell ihre Haltung zu den Juden verändert, die sie bis dato recht unverhohlen als „verblendete Gottesmörder“ dargestellt habe.

Bewegung „Amici Israel“ wurde harsch verboten

Erst seitdem sei klar, dass das Christentum nicht auf dem Neuen Testament der Bibel fußt, sondern das Alte, das „jüdische“ Testament die gemeinsame tiefe Basis für Juden wie auch Christen sei. „Und dass der Bund Gottes mit Israel nie gekündigt wurde, sondern bis heute gilt“.

Zwar habe es auch immer wieder während der Jahrhunderte positive Strömungen in die richtige Richtung gegeben, aber etwa die Bewegung „Amici Israel“ der 20er Jahre sei letztendlich sehr harsch verboten worden. Es bedürfe einer konstruktiven, kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und des Ausbaus des gut in Gang gekommenen Dialogs zwischen Juden und Christen, um endlich dem Gemeinsamen dauerhaft mehr Raum zu geben, sagte Füllenbach.

Dass seine Worte im Anschluss nicht diskutiert werden konnten, sei sehr schade, sagte Dr. Ulrike Spengler-Reffgen als Vorsitzende des Katholikenrates im Nachgang: Aufgrund der hohen Infektionszahlen beschränkte sich die Veranstaltung neben dem Vortrag auf eine vorangegangene Andacht von Stadtdechant Michael Mohr und die musikalische Begleitung durch Birgit Heydel an der Violine und Andrea Wingen an der Orgel.

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