System wird jetzt aufgebaut

Neues Hochwasser-Warnsystem kommt 2024

Frühestens in zwei Jahren können potenzielle Hochwassergebiete wie die Kohlfurth besser vor Hochwassergefahren gewarnt werden. Das System wird jetzt aufgebaut. Foto: Christian Beier
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Frühestens in zwei Jahren können potenzielle Hochwassergebiete wie die Kohlfurth besser vor Hochwassergefahren gewarnt werden. Das System wird jetzt aufgebaut.

Der Wupperverband blickt nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 nach vorne.

Von Philipp Müller

Solingen. Wupperverband, Uni Wuppertal und private Initiatoren wie die Berger-Gruppe in der Kohlfurth arbeiten aktuell am Hochwasser-Warnsystem 4.0, mit dem Gefahren hoher Pegel an der Wupper und ihrer Zuflüsse früher erkannt werden sollen. Bei der Jahrespressekonferenz erklärte Wupperverbandsvorstand Georg Wulf, dass es zwei, vielleicht sogar drei Jahre dauern werde, bis das System auch alle Nebengewässer der Wupper erfasse. Was von dem Warnsystem früher bereits laufe, solle aber schon eingesetzt werden.

Die Pressekonferenz war geprägt von den Ereignissen des 14. und 15. Juli 2021, als Wupper und Bäche im Rahmen eines „Jahrtausendhochwassers“ über die Ufer traten. Der Geschäftsbereichsleiter Technik und Flussgebietsmanagement des Wupperverbands, Thomas Klein, sprach von einem riesigen Akt und Mammutaufgaben, die vor ihm und den Mitarbeitenden des Verbandes liegen. Weiter laufe die Schadensbeseitigung. 880 Meldungen hätten den Verband erreicht, bis Ende 2021 wurden erst 330 beseitigt.

Das seien „prägende Ereignisse“ gewesen, bekannte Claudia Fischer. Sie sitzt der Verbandsversammlung vor, in die die Kommunen des Wupperverbands Mitglieder schicken. Darunter sind Schäden an Talsperren, Uferbereichen, Kläranlagen und technischen Einrichtungen. Vorstand Wulf schätzt die eigenen Verluste auf rund 20 Millionen Euro, die möglichst über den Wiederaufbaufonds von Land und Bund refinanziert werden sollen. Die Schäden, die den Kommunen und Privathaushalten entstanden sind, kennt der Wupperverband nicht. Georg Wulf geht von einem dreistelligen Millionenbetrag im Verbandsgebiet aus.

Wie es zu den Schäden kam, für die der Verband 124 Hotspots im Bergischen ausgemacht hat, soll bis Ende März mit einem Gutachten durch Prof. Holger Schüttrumpf von der RWTH Aachen untersucht werden. Doch lieber blickt der Verband nach vorne und will Lehren aus dem Hochwasser umsetzen. Klein nannte die Frage, ob und wo Talsperren erweitert werden müssen. Das sei eine teure Generationenfrage. Als erste Lehre werden im Sommer in der Wuppertalsperre 2,5 Millionen Kubikmeter Reserve für Hochwasser geschaffen, am 14. Juli reichten die 1,8 Millionen nicht aus.

Bever- und Neyetalsperre sollen jeweils eine weitere Million Kubikmeter Starkregen aufnehmen. Klein machte deutlich, was das bedeutet: Da die Talsperren der Regulierung des Wasserstands der Wupper dienen, wird sie in Dürrezeiten maximal mit 3 Kubikmeter Wasser pro Sekunde unterstützt, bisher waren es 3,5.

Klein und Wulf versicherten, man werde sich auch die bauliche Situation anschauen. Nicht überall sei eine Erhöhung von Mauern sinnvoll. So ist für den Morsbach kein Schutz wie am Eschbach möglich. Stattdessen werden Auen und Versickerungsflächen im Morsbachtal erweitert.

„Es wird nicht ohne Beitragserhöhung gehen können.“

Georg Wulf, Wupperverband

Die Aufgaben seien umfassend, was die Vorsorge in Sachen Hochwasser angehe, betonte Georg Wulf – es stünden große Investitionen an. „Es wird nicht ohne Beitragserhöhung gehen können.“ Mit Beiträgen werden die Kommunen an den Aufgaben des Verbands beteiligt. Auf sechs Feldern sei der Verband aktiv, sagte Thomas Klein. Die Verbesserung des technischen Hochwasserschutzes nannte er, die Talsperrenbewirtschaftung, die Verbesserung des „grünen“ Naturschutzes durch Auen, die Optimierung der wasserwirtschaftlichen Daten, die Verbesserung der Meldeketten mittels „Rotem Telefon“ in die Kommunen und die Schadenbeseitigung.

Projekte

Ökoprofit: Im bergischen Städtedreieck endet im April die erste Runde „Ökoprofit“, an dem zehn Firmen beteiligt sind. Sie haben sich in Sachen Nachhaltigkeit der Produktion auf den Weg gemacht. Der Wupperverband will die Maßnahmen, wie weniger Energie und Wasser verbraucht werden können oder Müll vermieden wird, auf das gesamte Verbandsgebiet erweitern.

Infrastruktur: Die Wuppertaler Kläranlage in Buchenhofen wird bis Ende 2029 umfangreich mit insgesamt 30 Millionen Euro in Sachen Klärschlammverbrennung erweitert und saniert. Zwischen der Solinger Haasenmühle und Leichlingen werden Teile des 15 Kilometer langen Wuppersammlers weiter saniert.

Standpunkt: Tatkraft ist jetzt gefragt

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Philipp Müller

Der Wupperverband war durch viele Vorwürfe, Mitschuld am Ausmaß des Hochwassers aus dem Sommer 2021 zu tragen, angeschlagen. Aber Georg Wulf als Vorstand und Claudia Fischer als Verbandsratschefin gingen am Dienstag in die Offensive. Es gelte die Lehren aus den Tagen vor und nach dem Hochwasserereignis entschlossen umzusetzen. Das wollen sie offenbar auch gründlich machen. Schnellschüsse sind da nicht zu erwarten – sieht man einmal von den größeren Starkregenreserven in Talsperren ab diesem Sommer ab. Viel hängt offensichtlich auch vom neuen Warnsystem ab. Dass dies aber bis zu drei Jahre dauern soll, bis es flächendeckend installiert ist, das erscheint sehr langsam zu sein. Da ist mehr Tempo nötig. Die Unsicherheit und die Furcht bei jedem starken Regen fährt den Menschen immer wieder neu in den Knochen. Da braucht es neben dem wirklich guten Willen des Verbands einfach mehr Tatkraft. Der Wupperverband wird das aber nicht allein richten können, da sind Land und Kommunen gefragt. Wir sind aber weiter zuversichtlich.

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