Innenstadt

Ein neuer Macher für die Clemens-Galerien

Der Hamburger Udo Stocker übernimmt mit einer eigenen Gesellschaft die Fortentwicklung der Clemens-Galerien. Foto: Michael Schütz
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Der Hamburger Udo Stocker übernimmt mit einer eigenen Gesellschaft die Fortentwicklung der Clemens-Galerien.

Der Projektentwickler und Finanzmanager Udo Stocker betreut jetzt das Einkaufszentrum.

Von Philipp Müller

Solingen. Seit dem 1. Januar betreut Udo Stocker aus Hamburg den Prozess der weiteren Fortentwicklung der Clemens-Galerien. Er löst den Frankfurter Projektentwickler Dr. Jochen Stahl ab und übernimmt dessen Ruder. Zugleich leitet Stocker auch die Umsetzung der Neubau-Pläne für die Gebäude, in denen früher Kaufhof und Peek & Cloppenburg Mieter waren. Stocker stellte sich deshalb am Freitag auch im Rathaus vor. Dort setzt man darauf, dass kein weiterer langer Leerstand entsteht und Einkaufszentrum und Gewerbeimmobilien Teil des Konzepts „City 2030“ werden. Stocker versicherte, entlang der von Stahl entwickelten Pläne weiter zu arbeiten.

Stahl wird aber noch für einige Zeit Partner Stockers bleiben. Denn der Umbau des Mühlenplatzes wird weiterhin über die Immobilien Solingen Projektgesellschaft abgewickelt. Da werde es zu einer weiteren Verzögerung kommen, erklärte Stahl am Freitag. Der Untergrund des Mühlenplatzes muss aufwendiger saniert werden als zuvor gedacht. Einen Termin für die Fertigstellung nannte Stahl nicht.

Stocker wird die Firma von Stahl nicht übernehmen. Er plant, die Clemens-Galerien und den Kaufhof-Riegel jeweils durch eigene Entwicklungsgesellschaften betreuen zu lassen. Das hänge noch vom Ausgang der Gespräche mit den Banken ab. Und vom Ausgang der Absprachen mit der Stadt.

Dazu sagte Stocker, dass er mit der Stadtspitze abklären müsse, ob für Kaufhof und P & C eine Abriss- und Baugenehmigung ausreichend sei, oder doch ein vorhabenbezogener Bebauungsplan notwendig sei. Im letzteren Fall drohe ein Leerstand von rund 15 Monaten, den er dann durch eine Zwischennutzung vermeiden wolle. Momentan ist im ehemaligen Kaufhof das städtische Impfzentrum untergebracht.

Stocker bekräftigte, dass eine gemischte Nutzung aus Handel und Wohnen die Zukunft an diesem Standort sei. Dabei denkt er an einen Ankermieter aus der Lebensmittelbranche als Nahversorger und in den oberen Geschossen an neuen Wohnraum. Stahl ergänzte, dass es bereits sowohl mit Rewe City als auch mit Lebensmitteldiscountern erste Gespräche gegeben hatte.

In den Clemens-Galerien ändert sich vorläufig wenig. Auch wenn er mit einem eigenen Team antreten werde, so bleibe Susanne Garpheide-Keusen als Centermanagerin die Ansprechpartnerin, erklärt Stocker.

„Die Clemens- Galerien sind zu klein, um sie allein zu entwickeln.“
Udo Stocker, Projektentwickler

Grundsätzlich gelte: „Die Clemens-Galerien sind zu klein, um sie allein zu entwickeln.“ Aber in Kombination mit den Plänen für den Neuanfang für Kaufhof und P & C setzt er darauf, dieses Ziel zu erreichen: „Wir können die City stärken.“

Ob dieses Projekt dann auch nach den bisherigen Plänen des Solinger Architekt Andreas Seidensticker umgesetzt wird, sei noch offen, sagte Stocker. Seidensticker verantwortet seit einiger Zeit auch die Umbaumaßnahmen in den Clemens-Galerien – etwa für das Geschäft von Sport Borgmann und den neuen Tedi im Obergeschoss. Er ist aktuell mit der zäh verlaufenden Sanierung des Mühlenplatzes beschäftigt.

Udo Stocker sagte, er sei seit 30 Jahren mit der Entwicklung von Immobilien und deren Bestandsmanagement vertraut. Er sitzt verschiedenen Gesellschaften mit Bezug zur Branche vor. Zugleich ist er dem Firmengeflecht von Norbert Ketterer zuzurechnen. Das war auch Stahl, der 2017 sagte: „Er hat das Geld, ich mache die Arbeit.

Finanzierung

2017 wurde Norbert Ketterers Aktiengesellschaft HFS Helvetic Financial Services AG mit Sitz in der Schweiz als Geldgeber für die Clemens-Galerien genannt. Die AG ging später in Luxemburg in der Corestate Holding auf. Das Unternehmen erlebte 2020 viele Turbulenzen, einen Absturz des Aktienkurses und Eigentümerwechsel. Ketterer stieg aus und sortiert seine Immobilienanlagen offenbar neu. Udo Stocker seinerseits hatte 2017 eine Immobilienfirma an die Luxemburger verkauft.

Standpunkt

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Philipp Müller

Im vergangenen Jahr feierten die Clemens-Galerien das 20-jährige Bestehen. Nicht nur wegen Corona gab es kaum Grund zu feiern. Mit rund 50 Fachgeschäften startete das Einkaufszentrum. Doch es konnte schon damals nicht überdecken, dass es in einer Zeit startete, in der die Eröffnung eines Einzelhandelsgeschäfts keine Selbstläufer mehr war. Finanziert wurde der Bau durch die scheue Hochfinanz. Da spielen Immobilienfonds eine wichtige Rolle. Das ging schief. Eine Fondsgesellschaft ging pleite, die nächste kam. Seit zehn Jahren sind die Gebäude rund um den Mühlenplatz Teil der Jonglage mit Anlagen. Mit Udo Stocker kommt jetzt aber jemand, der weiß, was die Eigentümer im Hintergrund verlangen: sichere Rendite. Die konnte Dr. Jochen Stahl nicht liefern und wollte sie nicht versprechen. Trotzdem war das vergangene Jahr von Aufbruchstimmung geprägt. Und die will sich Udo Stocker auch erhalten. So schlecht kann es Stahl auch nicht gemacht haben – denn Stocker handelt auf Basis von dessen Plänen. Vielleicht gelingt es ihm, mehr Vertrauen im Rathaus aufzubauen, damit Tempo entsteht.

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