ADFC will Trasse verbreitern

Neue Veloroute sorgt für Konflikte

Die Korkenziehertrasse auf Höhe der Fuhr: Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Wuppertal/Solingen hat festgestellt, dass die Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern auf der Trasse zunehmen. Sprecher Bernhard Stoer regt daher an, die Trasse zu verbreitern. Foto: Michael Schütz
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Die Korkenziehertrasse auf Höhe der Fuhr: Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Wuppertal/Solingen hat festgestellt, dass die Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern auf der Trasse zunehmen. Sprecher Bernhard Stoer regt daher an, die Trasse zu verbreitern.

Die Fahrradstraße verläuft teilweise entlang der Korkenziehertrasse, auf der viele Fußgänger unterwegs sind.

Von Kristin Dowe

Solingen. Für einige Verkehrsteilnehmer ist es noch ein Umstellungsprozess: So ist vielen Solingern die Korkenziehertrasse als Freizeittrasse vertraut, auf der Fußgänger gemächlich entlangflanieren können – inzwischen verläuft dort aber von der Stadtgrenze Wuppertal bis zum Abzweig Holbeinstraße in Wald auch ein Abschnitt der Veloroute. So wurden im Februar die Straßenübergänge der Korkenziehertrasse an der Dahler Straße und am Nümmener Feld in Gräfrath sowie an der Fuhrstraße in Wald ausgebaut, Radfahrer erhielten an diesen Querungen Vorfahrt.

Diese Veloroute birgt Konfliktpotenzial, wie ST-Leser Wolfgang Schmidt in einer Zuschrift an das Tageblatt deutlich macht: „Ich will – so ist die Veloroute auch konzipiert – schnell von A nach B kommen und die Verkehrswende (Fahrrad statt Auto) auch leben. Für Spazierfahrten oder Sightseeing-Touren muss man sich eben ein geeigneteres Gelände aussuchen. Aber auf keinen Fall die Veloroute“, macht Schmidt seinem Unmut Luft. Die Veloroute sei nun mal als eine Fahrrad-Schnellstraße angelegt, „da haben Spaziergänger, spielende Kinder und dahinschleichende ,Best Ager‘ eigentlich nichts zu suchen“.

Gleichzeitig räumt der Solinger ein, normalerweise eher das Lager der Fußgänger zu vertreten und seine Zuschrift mit einem Augenzwinkern verfasst zu haben, um auf ein Problem aufmerksam zu machen. Klar sei für ihn in jedem Fall: „Die Stadt muss sagen, was sie von der Trasse erwartet und ob sie nun eine eierlegende Wollmilchsau sein soll. Das funktioniert nämlich nicht.“ Auch andere Leserinnen und Leser berichteten dem Tageblatt von Konflikten mit Fahrern auf ihren (Renn-)Rädern, die in Eile seien.

Stadt: Veloroute ist kein Radschnellweg

Rathaussprecherin Sabine Rische bemüht sich um Klärung: „Die Veloroute ist kein ,echter‘ Radschnellweg, so wie es ihn an anderen Orten gibt, weil die Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind. Sie ist eine ausgewiesene Radwegeverbindung, auf denen sich Radfahrende zügig von A nach B bewegen können. Und sie verläuft über ein Teilstück der Korkenziehertrasse, die nach wie vor ein Fuß- und Radweg ist.“ Somit hätten Radfahrer kein Vorrecht und alle Verkehrsteilnehmer müssten nach wie vor aufeinander Rücksicht nehmen.

Wenn die Veloroute in den kommenden Wochen fertiggestellt wird, wolle die Stadt diese Botschaft noch deutlicher kommunizieren und mit den Bannern der „Miteinander-Kampagne“ erneut um Rücksichtnahme auf der Trasse werben. Auch sei eine kostenlose Faltkarte in Arbeit.

ADFC regt an, Trasse zu verbreitern

Der ADFC Wuppertal/Solingen regt hingegen an, die Trasse zumindest dort, wo es baulich möglich ist, zu verbreitern, erläutert Sprecher Bernhard Stoer. „Das geht zwar nicht überall, weil sich teilweise rechts und links der Trasse Privatgrundstücke befinden, an einigen Stellen wäre es aber schon möglich.“ Dies würde die Verkehrssituation zumindest ein wenig entlasten. Er ist überzeugt: „Je breiter die Trasse ist, desto geringer wären die Konflikte.“ Grundsätzlich sehe auch er das Problem, dass die Bürgerinnen und Bürger die Korkenziehertrasse noch immer als Freizeittrasse wahrnähmen, das Verkehrsaufkommen mit den Radfahrern auf der Strecke durch die Veloroute aber zugenommen habe. „Es ist voller dort geworden.“
Fahrrad statt Auto: ADAC empfiehlt Radschnellwege als Alternative für Pendler

Eine Verbreiterung der Asphaltdecke sei aktuell allerdings nicht vorgesehen, heißt es bei der Stadt. Wohl aber seien Instandsetzungsarbeiten erfolgt, um die Kanten der Fahrbahn zu entschärfen. „So kann die Trasse in voller Breite genutzt werden.“

Das Projekt Veloroute

Die Veloroute führt von Düsseldorf über Hilden und Solingen nach Wuppertal. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. Es hatte sich 2017 im Förderwettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ gegen die Konkurrenz aus anderen Städten durchgesetzt.

www.solingen.de/de/verzeichnisse/veloroute

Standpunkt: Verbreiterung prüfen

Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@ solinger-tageblatt.de

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – und so simpel ist wohl auch zu erklären, dass es für einige Solinger noch etwas Umstellungszeit bedarf. Auf der beliebten Spazierstrecke der Korkenziehertrasse fordern – durch die dort teilweise nun ebenfalls verlaufende Veloroute – verstärkt auch Fahrradfahrer ihr Recht ein. Ein Freibrief zum Schnellfahren ohne Rücksicht auf Verluste ist dies aber nicht, denn anders als eine „richtige“ Fahrrad-Schnellstraße muss die Veloroute auch anderen Verkehrsteilnehmern gerecht werden – beispielsweise Rollstuhlfahrern oder Familien mit Kinderwagen. Der Vorschlag des ADFC, die Trasse deshalb dort zu verbreitern, wo es die baulichen Gegebenheiten hergeben, klingt naheliegend – die Stadt sollte den Vorschlag im Austausch mit dem ADFC zumindest wohlwollend prüfen. Auch muss noch die Kommunikation darüber verbessert werden, was genau die Veloroute leisten soll und was nicht, da darüber nicht bei allen Bürgerinnen und Bürgern Einigkeit zu herrschen scheint. Am schlichten Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme führt letztendlich kein Weg vorbei, damit sich alle auf der Trasse sicher fühlen.

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