150 bis 200 Wohnungen könnten entstehen

Grünes Stadtquartier: Neue Pläne für die Solinger Innenstadt

Der Kreisverkehr an der Kölner Straße: Am Ufergarten soll ein Eingang zum neuen Quartier entstehen, ein zweiter weiter unten gegenüber dem Entenpfuhl – am neu zu schaffenden „Elisenplatz“.
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Der Kreisverkehr an der Kölner Straße: Am Ufergarten soll ein Eingang zum neuen Quartier entstehen, ein zweiter weiter unten gegenüber dem Entenpfuhl – am neu zu schaffenden „Elisenplatz“.

Wo heute noch die Hauptstelle der Solinger Stadt-Sparkasse steht, soll in Zukunft ein grünes Stadtquartier entwickelt werden, das die Innenstadt mit dem Südpark verbindet und mehr Wohnraum schafft.

Von Björn Boch

Die Sparkassen-Hauptstelle an der Kölner Straße wird zeitnah Geschichte sein. Das Kreditinstitut zieht an den Neumarkt. Auf rund 12.000 Quadratmetern sollen Wohnungen entstehen.

Solingen. Der Gewinner des städtebaulichen Wettbewerbs, das Büro Astoc Architekten und Planer, stellte am Freitagabend in den Räumen der Sparkasse erstmals detailliert seine Planungen vor. Astoc ist unter anderem an der Entstehung der Hamburger Hafencity beteiligt und hat in Solingen die Bahnstationen Mitte und Grünewald entwickelt.

Das Büro präsentierte mit dem Entwurf „Willkommen im Grünen“ einen Kontrast zur ansonsten stark versiegelten und eng bebauten Innenstadt. Der Entwurf der Kölner besteht aus vielen einzelnen Baukörpern. Mit mehreren Zugängen und einem durchgängigen Weg über das Gelände soll die Verbindung zwischen Südpark und City entstehen. Das neue Quartier sei dafür eine Schlüsselstelle, erklärte Peter Berner, geschäftsführender Gesellschafter von Astoc.

„De facto hat die City die gleiche, hoffnungsvolle Perspektive wie Ohligs.“

Tim Kurzbach, Oberbürgermeister

Vorgesehen sind neben Wohnbebauung – darunter öffentlich geförderter Wohnraum – auch eine Kita sowie kleinere Flächen für Dienstleistung und Gastronomie (siehe unten). Aufgrund der modularen Bauweise könnten auch Häuser oder Hausgruppen einzeln vermarktet und gebaut werden, so Berner. „Der nächste Schritt wird sein, die Pläne konkreter zu machen und mit Investoren ins Gespräch zu kommen“, sagte Sparkassen-Chef Stefan Grunwald. Die Stadt, ergänzte Baudezernent Andreas Budde, werde nun in die Gespräche zur Bauleitplanung einsteigen. Werde das Quartier nach und nach entwickelt, sei ein Start von Norden her – von der Kölner Straße – wahrscheinlich. Damit rechnet die Sparkasse allerdings nicht vor 2026.

Der Entwurf ist Teil einer neuen Achse, die sich bilden soll – auf dieser Achse liegen auch das Omega- sowie das Evertz-Gelände (früher Kieserling & Albrecht), auf dem Kondor Wessels Wohnungen bauen will. Die Verträge mit dem Berliner Immobilienentwickler sind bereits unterzeichnet. Die Stadt sei dort aktiv in Gesprächen, wie Oberbürgermeister Tim Kurzbach betonte. Der Anspruch aller Pläne sei, „nicht irgendwas zu bauen. Und die Pläne für das Sparkassen-Areal sind einer der Meilensteine zur neuen Innenstadt“, so der OB.

Die City als Wohnstandort – damit werde verfolgt, was der Rat 2019 beschlossen habe. Ja, es gebe schlechte Nachrichten rund um die Innenstadt. „Aber wir sind wesentlich weiter als andere Städte, die jetzt die negativen Effekte spüren, aber weder Pläne noch Investoren haben.“ In Ohligs sei mit dem O-Quartier und der Investition der Sparkasse am Marktplatz ein Knoten durchschlagen worden. „De facto hat die City die gleiche, hoffnungsvolle Perspektive wie Ohligs“, erklärte Kurzbach. Der Weg dahin sei allerdings lang.

Der Weg in das neue Quartier „im Grünen“ soll am Kreisverkehr Kölner Straße entstehen (siehe Fotos und Video). Vier Häuser könnten dort entstehen, sechs weitere dahinter. Astoc hat mit 150 bis 200 Wohnungen geplant. Einen weiteren Zugang soll es vom Entenpfuhl aus geben. Dort, wo hinter der Hauptstelle heute Parkplätze sind und die Elisenstraße in die Graf-Engelbert-Straße übergeht, soll der „Elisenplatz“ entstehen – mit Kita und Gastronomie. Das Quartier umfasst nicht nur das Grundstück der Hauptstelle selbst, sondern auch Flächen dahinter.

Perspektivisch könnte sich das Quartier bis zur Birkerstraße erstrecken – nahe der Musikschule könnte es einen weiteren, markanten Eingang in das Quartier geben. Diese Fläche wurde in den Planungen nicht berücksichtigt, weil sie nicht der Sparkasse gehört. Das Modell und die Pläne sollen jetzt in der Kassenhalle der Stadt-Sparkasse ausgestellt werden.

Standort und Konzept

Standort: Ziel sei eine „dem Ort angemessene, unverwechselbare Konzeption mit hoher gestalterischer und architektonischer Qualität“. Eine Markt- und Standortanalyse ergab den Bedarf für unterschiedliche Wohnangebote, ergänzt durch gewerbliche Nutzungen im Erdgeschoss (Kölner Straße und Ufergarten).

ISEK City 2030: Im Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) City 2030, das der Rat 2019 beschlossen hat, wird die südliche Innenstadt als Potenzialfläche für Investitionen und als Wohnstandort genannt. „Das neue Stadtviertel soll als Motor für die gesamte Innenstadt fungieren.“

Standpunkt von Björn Boch: Blick in die Zukunft

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Bis 2026 wird es wohl dauern, bis die Bagger an der Kölner Straße anrollen. Einerseits sind vier Jahre ein überschaubarer Zeitraum, wenn wir in den Kategorien der Stadtplaner denken. Andererseits kann es, bezogen auf die Rahmenbedingungen, eine Ewigkeit bedeuten. Vor vier Jahren gab es einen Bauboom, die Zinsen waren niedrig wie nie und Corona noch kein Thema.

2022 sind nicht nur die Zinsen immer weiter gestiegen, sondern auch die Baukosten. Zahlreiche Projekte liegen auf Eis. Wer aktuell nicht unbedingt bauen muss, der lässt das meist auch bleiben. Insofern ist es von Vorteil, dass sich die Stadt-Sparkasse, die mit ihrer eigenen Immobiliengesellschaft die Pläne beauftragt hat, erst einmal auf ihren Neubau konzentrieren kann. Für das neue Quartier sind die Bedingungen 2026 hoffentlich günstiger als heute.

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