Gründung

„Allianz für Wohnen“ nimmt Arbeit auf

Stadtentwickler Markus Lütke Lordemann (v.l.), Stadtdirektor Hartmut Hoferichter, Immobilien- und Projektentwicklerin Sanja Jordan (Raumvision by msd Immobilien) und Jürgen Dingel, Vorstandsvorsitzender des Spar- und Bauvereins Solingen (SBV), vor dem Rathaus: Sie zeigen die Absichtserklärung der neuen „Allianz für Wohnen“, die von 18 Beteiligten unterzeichnet wurde. Foto: Christian Beier
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Stadtentwickler Markus Lütke Lordemann (v.l.), Stadtdirektor Hartmut Hoferichter, Immobilien- und Projektentwicklerin Sanja Jordan (Raumvision by msd Immobilien) und Jürgen Dingel, Vorstandsvorsitzender des Spar- und Bauvereins Solingen (SBV), vor dem Rathaus: Sie zeigen die Absichtserklärung der neuen „Allianz für Wohnen“, die von 18 Beteiligten unterzeichnet wurde.

18 Beteiligte behandeln Themen wie klimagerechtes Bauen, Barrierefreiheit oder digitale Bauanträge

Solingen. Die „Allianz für Wohnen“ ist nun auch offiziell gegründet: 18 Beteiligte, die in Solingen mit dem Thema Wohnen befasst sind, haben eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. „Sie wollen und werden in den nächsten Jahren ganz viele Bausteine umsetzen“, berichtete Solingens Stadtdirektor und Baudezernent Hartmut Hoferichter (parteilos) gestern bei einer digitalen Pressekonferenz.

Zu den Hauptthemen gehört Wohnungsneubau – bis 2040 ist ein Bedarf von mehr als 5200 zusätzlichen Wohneinheiten für Solingen prognostiziert. Sozial geförderter Wohnraum sei dabei ebenso wichtig wie klimagerechtes Bauen, Sanieren im Bestand oder auch barrierefreies Wohnen für eine alternde Gesellschaft. Die „Allianz für Wohnen“ geht aus dem Handlungskonzept Wohnen der Stadt hervor und vereint Akteure wie Eigentümerverbände, Immobilienentwickler und Bauträger, aber auch den Mieterbund oder Finanzinstitute.

Klimaschutz erfordert umfangreiche Aufgaben der Allianz

Für den Spar- und Bauverein Solingen (SBV) nahm der neue Vorstandsvorsitzende Jürgen Dingel an der Pressekonferenz teil. Die Allianz entspreche dem Selbstverständnis des größten Anbieters von genossenschaftlichem Wohnungsbau in Solingen. Der SBV betreibe seit Jahren eine Investitionsstrategie für Modernisierung und Instandhaltung. Dank verbesserter Förderbedingungen gelinge es zudem wieder, sozialen Wohnungsbau zu schaffen, etwa am Wasserturm oder an der Wittekindstraße. „Wir wollen weiter bauen und alle Einkommensschichten ansprechen.“

Dingel sorgt sich dabei nicht nur um derzeit hohe Baukosten, sondern sieht umfangreiche Aufgaben, etwa beim Klimaschutz: „Gas als Energieträger zu ersetzen, wird eine echte Herausforderung. Bei derzeit viermal so hohen Preisen können wir auch nicht mal eben mit Biogas heizen.“ Die Allianz müsse sich solchen Schwierigkeiten stellen.

Allianz soll dazu dienen, Wege zu verkürzen und Wissen direkt anzuwenden

Als Immobilien- und Projektentwicklerin nahm Sanja Jordan von Raumvision an dem Treffen teil. Als Teil der Allianz wolle sie Ziele effizienter erreichen: „Wir sehen als Solinger da schon fast eine Verpflichtung und wollen – nachhaltig und mit gutem Gewissen – unsere Kompetenzen einbringen.“ Die Allianz diene auch dazu, schneller in Gespräche zu kommen, Wege zu verkürzen und Wissen direkt anzuwenden.

Als eine Aufgabe sieht Jordan die Digitalisierung von Bauanträgen. Auch Dezernent Hoferichter ist der Ansicht, dass die öffentliche Hand dieses Thema angehen müsse – während es in NRW ein halbes Dutzend verschiedene Softwarelösungen gebe, laufe das Verfahren zum Beispiel in Baden-Württemberg bereits komplett einheitlich und digital.

Auch private Eigentümer werden Geld in die Hand nehmen müssen

Neben der Stadtverwaltung ist die Politik eingebunden – Solingens Erster Bürgermeister Thilo Schnor (Grüne), auch Vorsitzender des Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität und Wohnungswesen, hat die Absichtserklärung der Allianz für Wohnen ebenfalls unterzeichnet. „Wir sind nicht die erste Stadt, die das macht, aber so viele sind es auch wieder nicht. Wenn wir die Probleme nicht gemeinsam anpacken, wird es umso schwieriger“, betonte Hoferichter.

Zum Thema klimagerechte Wohnraumentwicklung plane die Stadt noch in diesem Jahr eine größere Veranstaltung, erklärte Markus Lütke Lordemann, Leiter der Stadtentwicklungsplanung. „Wir haben in Solingen einen relativ alten Wohnungsbestand. In vielen Fällen müssen wir auch private Eigentümer dazu bewegen, Geld in die Hand zu nehmen. Die Allianz kann helfen, Fördermittel bekannt zu machen und Wissen weiterzugeben.“

Hintergrund

Verfahren: Die „Allianz für Wohnen“ wird sich eine Geschäftsordnung geben, die Mitgliederversammlung wird Arbeitsgruppen einberufen können. Bei der ersten Versammlung – geplant für Herbst – soll ein Sprecher gewählt werden.

Mitglieder: Von 28 Teilnehmern haben bislang 18 die Absichtserklärung unterzeichnet.

Vereinbarung zur Gründung einer „Allianz für Wohnen“ für die Klingenstadt Solingen 

1) Das aktuelle Wachstum für die Stärkung des Wohnstandortes Solingen nutzen, indem das Wohnraumangebot nachfrageorientiert, in Menge und Qualität weiterentwickelt wird

2) Wohnungsangebot und attraktive Wohnformen für Familien stärken, ohne die anderen Zielgruppen aus den Augen zu verlieren

3) Nachfrageorientierte und bedarfsgerechte Schaffung von rund 220 neuen Wohneinheiten jährlich zur Anpassung und Ergänzung des Wohnungsbestandes

4) Stärkung und Ausbau des bezahlbaren Wohnungsbaus (einschließlich des Wohnraums für Personen mit Wohnberechtigungsschein) unter Berücksichtigung der sozialräumlichen Gegebenheiten und der Erfordernisse in den jeweiligen Quartieren sowie der Kosten der „zweiten Miete“

5) Stärkung und Unterstützung von Konzeptvergaben und quartiersbezogenen Handlungsansätzen sowie Förderung des qualitätsvollen Wohnens in den Zentren

6) Anpassung und Ergänzung des Wohnungsbestandes an die Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft (Barrierefreiheit aber auch Vermeidung von Energiearmut)

7) Vorantreiben von Modernisierungen, Sanierungen und Revitalisierungen des Wohnraum- und Flächenbestandes sowie der energetischen Ertüchtigung des Wohnungsbestandes

8) Förderung der sozialen Durchmischung in möglichst vielfältigen Quartieren

9) Umsetzung einer konsequenten Innenentwicklung, um eine Stadt der „kurzen Wege“ und eine ressourcenschonende Stadtentwicklung zu fördern

10) Stärkung des inklusiven und integrativen Wohnens

11) Unterstützung der nachhaltigen Entwicklung der Stadt Solingen, insbesondere durch flächenschonende Gebäude- und Quartiersplanungen

12) Ein positives Image fördern und die Stadt regional als attraktiven Wohn- und Lebensstandort positionieren

13) Fortführung der regionalen Kooperation und Verstärkung des stadtweiten Dialoges zur Entwicklung des Wohnstandortes Solingen u.a. mit dem Ziel, die Bevölkerung für die planerischen und wohnungspolitischen Herausforderungen der Solinger Stadtentwicklung zu sensibilisieren

14) Realisierung eines regelmäßigen und konstruktiven Erfahrungs- und Informationsaustausches

15) Initiierung von innovativen Wohnbauprojekten, die stärker die neuen Anforderungen an Wohnraum (z. B. Barrierefreiheit, altersgerechte Wohnformen, Wohnraum für Großfamilien, Flexibilität in der Raumgestaltung) und ökologisches Wirtschaften einbinden, um eine zukunftsgerichtete Wohnstandortentwicklung zu erreichen

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