Opfer häuslicher Gewalt

Netzwerk will Täter in den Blick nehmen

Talkrunde mit Mitgründerinnen und Moderatorin (v. l.): Dagmar Becker, Moderatorin Petra Welz, Martina Zsack-Möllmann und Anne Grefer.
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Talkrunde mit Mitgründerinnen und Moderatorin (v. l.): Dagmar Becker, Moderatorin Petra Welz, Martina Zsack-Möllmann und Anne Grefer.

Runder Tisch hilft seit zwei Jahrzehnten Opfern häuslicher Gewalt.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Seit 2001 gibt es in Solingen den „Runden Tisch gegen häusliche Gewalt“. Für Martina Zsack-Möllmann, langjährige Leiterin des Solinger Frauenhauses und Gründungsmitglied dieses damals neuen Netzwerks, war das ein Meilenstein. „Endlich gab es ein Miteinander von Polizei, Justiz und den beteiligten Hilfs- und Beratungsstellen für betroffene Frauen“, blickt sie bei der Veranstaltung im Souterrain der Evangelischen Stadtkirche am Fronhof zurück. Seit langem ist sie Sprecherin des Gremiums, zu dem zum Beispiel auch die Gleichstellungsstelle der Stadt, die Frauenberatungsstelle „Frauen helfen Frauen“, die Wohlfahrtsverbände, das Amtsgericht und das Jugendamt gehören.

Häusliche Gewalt: Mehr Frauen suchen Hilfe

„Ziel ist und bleibt es, Institutionen und Öffentlichkeit bereits im Vorfeld für das Ausmaß, die Folgen und die Hintergründe von häuslicher Gewalt zu sensibilisieren, Maßnahmen gegen häusliche Gewalt gemeinsam zu verbessern und das Hilfenetz für die Opfer von häuslicher Gewalt zu verstärken“, erläutert Zsack-Möllmann den Mehrwert des Runden Tisches, der als klares Erfolgsmodell gelten darf.

Was nicht bedeutet, dass er nicht noch zu verbessern wäre. „Leider hatten wir bisher keinen Erfolg, die Staatsanwaltschaft mit an unseren Tisch zu setzen, bedauert Zsack-Möllmann. „Etwas, das in anderen Kommunen oder Landkreises besser läuft.“

Selbstverteidigung, Broschüren und Workshops

Anderes dagegen laufe sehr gut. „Zum Beispiel, dass der Blick nicht mehr nur auf die Opfer und indirekt betroffenen Kinder gerichtet wird, die durch die erlebte Gewalt zu Hause oftmals traumatisiert werden und Unterstützung benötigen. „Immer mehr wird auch klar, dass, gerade im Rahmen des präventiven Denkens, die Täter in den Blick gehörten – und zwar nicht nur, um sie zu sanktionieren. Warum schlägt jemand? Ist dieser Person die Dimension des Schadens, den er damit anrichtet, eigentlich bewusst oder kann man ihm dieses Bewusstsein vermitteln? Kann man ihm andere Möglichkeiten aufzählen, Unmut oder Frust zu verarbeiten als durch gewalttätige Handlungen? Solche Fragen spielten da hinein. Ansonsten werden regelmäßig Opferschutzbroschüren aktualisiert, es laufen Präventionsworkshops und auch Wendo-Selbstverteidigungs-Kurse in Schulen, auch an solchen mit besonderen Förderbedarfen. Auch die Behindertenkoordinatorin der Stadt ist Teil des „Runden Tisches“.

Vor dem „gemütlichen Teil“ mit Catering und Saxofon-Klängen von Lizzy Szakásc moderierte Petra Welz Rückblicke von ehemaligen Wegbegleitern und Ausblicke von aktuell aktiven Netzwerkern. Leider war die Zahl der Podiumsgäste krankheitsbedingt stark reduziert.

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