Müngstener Brücke

Naturschutz bremst Nachhaltigkeitsspaziergang aus

Armin Tofahrn bei seinem Nachhaltigkeitsspaziergang samt Lesung im Botanischen Garten im Sommer. Foto: Christian Beier
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Armin Tofahrn bei seinem Nachhaltigkeitsspaziergang samt Lesung im Botanischen Garten im Sommer.

Wer geführte Wanderungen in bestimmten Bereichen anbieten will, braucht eine spezielle Ausbildung

Von Renate Bernhard

Solingen. Sie soll nur eine Ausnahme bleiben, die gut zweistündige Wanderung mit Lesung des Solinger Autors Armin Tofahrn, zu der er im Wald unter der Müngstener Brücke – über den Verteiler der Nachhaltigkeitsbeauftragten Ariane Bischoff – eingeladen hatte. Zwar hatte Tofahrn eigentlich vorgehabt, diese Nachhaltigkeitswanderungen regelmäßig anzubieten. Die Stadt setzt öffentlichen Veranstaltungen in Naturschutzgebieten aber enge Grenzen.

Diplom-Forstwirtin Marita Klause, zuständig für Landschafts- und Naturschutz in Solingen, hat Tofahrns Idee, Nachhaltigkeit und Achtsamkeit in Bezug auf die Natur im Wald mit Gruppen zu besprechen, daher vorerst eine Absage erteilt. Sie befürworte zwar die Themenstellung, schrieb sie ihm, empfehle aber, „andere, frei gestellte Räume in Solingen“ wie etwa den Botanischen Garten dafür zu nutzen.

Dort veranstaltete Tofahrn dann auch einen Nachhaltigkeitsspaziergang nebst Lesung mit deutlich kleinerem Bewegungsradius. „Veranstaltungen, die in einem Waldgebiet oder sogar in einem festgesetzten Naturschutzgebiet ausgeübt werden, bedürfen der Zustimmung der Unteren Forstbehörde“, so die Erklärung zur Absage.

Sondergenehmigungen seien zwar möglich, erklärt die Stadt auf Nachfrage – aber daraus könne keine regelmäßige Erlaubnis abgeleitet werden.

Die Wälder seien seit Beginn der Corona-Pandemie von vielen – oft auch achtlosen – Spaziergängern ohnehin schon überlastet. Wenn Privatpersonen in größeren Gruppen in den Wald kämen, könne man das nicht verhindern. Auch würden so manche Mountainbiker sicherlich viel größere Schäden im Wald anrichten als die Wandergruppe, so Marita Klause.

„Wir bilden mit der Natur keine Einheit mehr.“

Armin Tofahrn, Autor

Im 2005 eingeführten Landschaftsplan der Stadt Solingen wurde zum Schutz des Waldes festgelegt, wer hier Veranstaltungen und Führungen anbieten darf: Es sind die „Wupper-Tells“ – Menschen, die sich in einem Lehrgang über mehrere Wochen als Wanderführer qualifizieren ließen. Sie sollen Wissen verbreiten über heimische Tiere und Pflanzen und klar machen, wie wichtig es ist, dass die ausgewiesenen Wege nicht verlassen und Hunde an die Leine genommen werden, damit das Waldbiotop möglichst wenig gestört wird.

2015 wurden 14 Wupper-Tells in jeweils 92 Stunden Lehrgang ausgebildet. Ein zweiter Ausbildungsgang läuft. Armin Tofahrn hat sich bereiterklärt, die Ausbildung mitzumachen. Doch wann die nächste organisiert wird, ist offen – und aktuell, so verrät es die Internetseite der Wuppertells, werden keine Führungen angeboten. Dr. Jan Boomers, Geschäftsführer der für die Ausbildung zuständigen „Biologischen Station Mittlere Wupper“, will mit Tofahrn in einem baldigen Gespräch nach einer Lösung zu suchen.

Bei der bislang einmaligen Waldwanderlesung im Juli hatten sich die Teilnehmer am Bahnhof Schaberg getroffen. Zur Begrüßung erklärte der Autor, er wolle bei Denken und Fühlen der Menschen ansetzen. „Mir scheint, wir haben die Bodenhaftung verloren und bilden mit der Natur keine Einheit mehr.“ Je weiter der Mensch von seinen Wurzeln weg sei, desto mehr suche er „Ersatz“, koste es, was es wolle.

Er führte die Gruppe unter anderem auf eine Lichtung. Mit Blick auf einen abgestorbenen Fichtenwald konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer dort der kleinen Geschichte vom langen Leben eines Einmalkaffeebechers im Wald lauschen und sich fragen, wie der überhaupt so achtlos dort gelassen werden kann und warum es ihn überhaupt gibt. Am Ende führte Tofahrn in sein eigenes Gartenhaus, das komplett aus Recycling-Materialien gebaut und eingerichtet ist.

Hintergrund

Armin Tofahrn: Der Autor bietet Kaminlesungen aus den Büchern „Ein Funke Hoffnung“ und „Wunderbar gedacht und andere Katastrophen“ in seinem Gartenhaus an. Weitere Informationen gibt es über den Newsletter.

arto-lit@web.de

Wupper-Tells: Weitere Informationen über die Wupper-Tells gibt es im Internet.

wuppertell.bsmw.de

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