Im Februar beginnt die Laichsaison

Naturschützer helfen Kröten über die Straße

Daniela und Michael Hoeboer vom NABU kontrollieren die Sammeleimer entlang der grünen Schutzzäune zweimal pro Tag. Foto: Christian Beier
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Daniela und Michael Hoeboer vom NABU kontrollieren die Sammeleimer entlang der grünen Schutzzäune zweimal pro Tag.

Trotz des großen ehrenamtlichen Engagements sinkt in Solingen die Zahl der Tiere seit Jahren.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Eigentlich sind die Bedingungen an diesem Tag optimal: Das Wetter ist feucht, die Temperatur sogar knapp zweistellig, das Tageslicht überlässt gerade der Dämmerung das Feld. Und dennoch: Die Sammeleimer, die Daniela und Michel Hoeboer vom Naturschutzbund (NABU) Solingen täglich zweimal kontrollieren, sind leer: Weder Kröten noch Molche, Lurche oder Salamander warten auf ihren händischen Transport über die Straße. „Eine Momentaufnahme“, sagt Michael Hoeboer, „Es kann gut sein, dass das hier in einer Stunde schon voller aussieht.“

Die Solinger Amphibien, die seit rund zwei Wochen in täglich größerer Zahl im ganzen Stadtgebiet auf dem Weg zu ihren Laichgewässern sind, um sich dort zu paaren beziehungsweise selbst ihren Laich abzusetzen, können auch in diesem Jahr auf menschliche Unterstützer zählen: „Wir arbeiten eng zusammen“, sagt Michael Hoeboer und meint mit „Wir“ die zuständige Abteilung der Technischen Betriebe (TBS) sowie die Umweltverbände, allen voran der NABU und der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz). Außerdem gebe es immer viele zusätzliche, Helfer aus der Nachbarschaft oder dem Freundeskreis. „Das Bewusstsein, für Ökologie und die Wichtigkeit einer intakten Umwelt für uns Menschen ist breiter in der Gesellschaft als noch vor Jahren“, sagt er. „Gott sei Dank ist es gelungen, dieses wichtige Thema aus seinem Nischendasein herauszuholen – nur wenn möglichst viele verstanden haben, dass Menschsein ein Teil dieses großen Ganzen ist, ist eine gute Zukunft möglich.“

Es gilt, ungefähr ab Februar, lange schmale Kunststoffbänder an den einschlägigen Straßen zu befestigen und solide im Boden zu verankern – in unterschiedlicher Länge, je nach Standort. Somit sind sie für die Amphibien nicht zu überwinden: Die müssen, auf der Suche nach einem Durchschlupf, an ihnen entlang wandern und plumpsen somit in die alle paar Meter ins Erdreich eingelassenen Eimer, die von den Helfern zweimal täglich kontrolliert werden.

Den menschlichen Hilfsdienst gibt es nur für Amphibien

In die Eimer kommt Laub und ein Stock nach oben, so das sich zum Beispiel Mäuse oder andere Kleintieren, die versehentlich dort landen, wieder befreien können. „Auf diese Weise konnten wir in den letzten Jahren viel für den Amphibien-Bestand tun“, sagt Daniela Hoeboer. „Leider ist die Gesamtzahl dennoch rückläufig“.

Die grünen Zäune am Straßenrand fallen Spaziergängern oder Autofahrern vielfach auf, Richtung Wupper oder im Schellberger Bachtal beispielsweise. Am Caspersbroicher Weg mache ein solcher Zaun aber zum Beispiel keinen Sinn, weil die in Frage kommende Strecke entlang der Bahnschienen zu lang sei: Hier stehen folglich alle Jahre wieder nimmermüde und motivierte Helfer mit Handschuhen und Eimern breit, um die Tiere einzeln einzusammeln.

Einmal-Handschuhe seien so oder so nötig, betont Daniela Hoeboer: Eine Folge der grassierenden Salamander-Pest, die dazu geführt habe, noch einmal sensibler für Übertragungswege von Viren zu werden und daraus abzuleiten, Tiere nacheinander nicht mit der bloßen Hand anzufassen.

Nicht nur Zäune machen auf die Wanderung der amphibischen Kriechtiere aufmerksam: Begleitend sind etwa in der Hofschaft Theegarten nun zwei neue Warnschilder an Masten montiert, die Autofahrer mahnen sollen, nur im Schritttempo an den Zäunen entlangzufahren – eine Garantie, alle Tiere in die Eimer umzuleiten, gibt es nicht.

Abgebaut werden die Zäune dann, „wenn wir die ersten Rückläufer in den Eimern finden, die uns damit zeigen, dass die Laichsaison zu Ende ist“, erläutert Daniela Hoeboer.

Saison hat früher als sonst begonnen

In diesem Jahr hat die Wanderschaft von Kröten, Grasfröschen und ihren Verwandten früh begonnen: Durch den bislang frostfreien Winter waren die Tiere schneller als sonst. In Winterruhe versteckt in Nagerbauten, Wurzelspalten, Erdlöchern und Erdspalten, unter und in morschem Holz, unter Holz- und Laubhaufen in Trockenmauern, kommt ihr Stoffwechsel mit steigenden Temperaturen wieder in Schwung. Insbesondere, wenn die Sonne das erste Mal wärmend fühlbar war, machen sich die Tiere auf zu den Gewässern, in denen sie selbst als Kaulquappe geschlüpft sind.

Auch interessant: Tradition in der Kritik - Stadt Solingen stellt sich hinter die Hahneköpper

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