Die große Nachhaltigkeitsserie

Müll vermeiden: Das könnte in Solingen besser laufen

Der Unverpackt-Laden „groß & Klein“ in Solingen verzichtet auf Plastik. Foto: Christian Beier
+
Der Unverpackt-Laden „groß & Klein“ in Solingen verzichtet auf Plastik.

Einige Städte sind in Sachen Müllreduzierung schon weiter als Solingen. Doch auch hier wird versucht, die Bürger auf das Thema aufmerksam zu machen. Hierbei können mehrere Dinge helfen. Außerdem: Tipps, was in welche Tonne gehört.

Von Valeria Schulte-Niermann

Solingen. Müll verbraucht Ressourcen, schadet der Umwelt und somit auch dem Menschen. Fast 78 Tonnen Müll fallen jedes Jahr in Solingen an. Wie können Städte und Kommunen diese Verschwendung reduzieren – besser noch, vermeiden?

Besser als Deutschland mache es laut Henning Wilts vom Wuppertal Institut die Niederlande. „Die sind im Vergleich zu uns ein sehr rohstoffarmes Land und versuchen, wo immer es geht, Dinge möglichst gut zu recyceln”, sagt er. Andere Positivbeispiele sind Flandern mit vielen Second-Hand-Kaufhäusern und England mit „Selbstverpflichtungen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen, die schon Milliarden an Euro eingespart haben”, erklärt Wilts.

In Deutschland ist momentan Kiel auf einem guten Weg. Die Stadt möchte die erste Zero Waste City Deutschlands werden und bis 2035 ihren Abfall halbieren. Düsseldorf möchte sich ab 2023 auf den Weg zur Zero-Waste-Stadt machen.

So will Solingen Abfälle vermeiden

Auch die Stadt Solingen verfolge das Ziel, Abfälle zu vermeiden und Müll sauber und umweltgerecht zu entsorgen, wie Pressesprecher Daniel Hadrys mitteilt. Vor allem Aufklärung soll helfen. So erfahren Vor- und Grundschulkinder Einblicke in die Arbeit von Straßenreinigern und Müllabfuhr.

Sie sollen auch lernen, dass Deckel von Bechern, Flaschen und Plastikschalen komplett getrennt weggeworfen werden sollen und nichts ineinander gesteckt werden darf. Außerdem gebe es die Müllsammelwoche in Kindergärten, Schulen, Vereinen und Belegschaften sowie das Abfall ABC, das Auskunft gibt, welcher Müll wohin gehört. Oft sei nämlich das Problem, dass der Hausmüll nicht korrekt getrennt wird. Das wurde bei einer Hausmüllanalyse deutlich.

Der Aufwand für die Herstellung steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Julia Ogiermann, Umweltberaterin über Alternativen zu Einwegkunststoffprodukten

Da Solingen Mitglied im Verein zur Förderung der Abfallwirtschaft Rhein-Ruhr-Wupper ist, nimmt die Stadt auch an einem Erfahrungsaustausch im Arbeitskreis Abfallvermeidung teil. Hier werden Abfallvermeidungsmaßnahmen dokumentiert und bezüglich ihrer Effizienz geprüft. So sollen die wirksamsten Maßnahmen gefunden und den anderen Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden, sagt Daniel Hadrys. In Solingen werde die präventive Informationsarbeit geprüft.

Was gehört in welche Tonne?

JANEIN
Biotonnepflanzliche Küchenabfälle, Kaffeesatz mit Filtertüten, Teebeutel, Papierküchentücher und Zeitungspapier (zum Einwickeln von Küchenabfällen), Haare und Federn, Holzwolle und Stroh (ohne Fäkalien), Gartenabfälle (Astdurchmesser maximal 8 cm)was nicht verrottet, Steine, gekochte und zubereitete Speisen, Fleisch- und Fischreste, Knochen, Milchprodukte (z. B. Käse/Jogurt), Suppen und Soßen, Einstreumaterial für Tiere, Windeln / Hygieneartikel, Zigarettenkippen, Asche
Gelbe Tonne/SackVerpackungen aus Kunststoff und Metall, Bio-Kunststoff, Einwegtöpfe zum Verkauf von Pflanzen, Kunststoffbänder, Einweggeschirr und -besteck, Aluminiumfolie, Deckel von Einwegflaschen und -gläsern, Konservendosen, Getränkekartons, kunststoffbeschichtetes AluminiumGebrauchsgegenstände, Baustoffe, Schuhe, Kleidung
PapiermüllPapier, Pappe, Kartonagen, Eierkartons, Packpapier, Bücher, Prospekte, Broschüren, Zeitungen, Schreib-/Computerpapier, Zeitschriften, Briefumschläge, KatalogeVerschmutzte Papiere, Verbundmaterialien, Blau-/Kohlepapier, Briefumschläge mit Luftpolster, Papiertaschentücher, Papier/Kartons mit Alubeschichtung, Servietten, Tapetenreste, Fax- und Thermodruckerpapier (zum Beispiel Kassenbons oder Fahrkarten aus dem Automaten), imprägnierte und beschichtete Papiere (z.B. Käsepapier
RestmüllAsche, Tierkot und Streu, verschmutzte Papiere, Hygieneartikel und Windeln, Staubsaugerbeutel, defekte Glühbirnen, ausgetrocknete Filzstifte, Zigarettenkippen, alte Fotos, zerbrochenes PorzellanSondermüll
GlascontainerEinwegglas, blaues oder andersfarbiges Glas kommt in den Sammelbehälter für GrünglasFeuerfestes Glasgeschirr, Glühbirnen, Keramik, Porzellan, Steingutflaschen
Sondermüllschadstoffhaltige Produkte, Batterien, Akkus, Altöl, Renovierungsabfälle, Reinigungsmittel, nicht vollständig geleerte Spraydosen, Gartenchemikalien mit Gefahrstoffsymbolen, quecksilberhaltige Thermometer, Leuchtsofflampen, Asbest

Altkleider: Nutzbare, nicht kaputte Kleidung können in Sammelstellen abgegeben werden. Zum Beispiel bei den Kirchen, Tafeln oder Kleiderkammern.

Korken: Einige Wertstoffhöfe, soziale Einrichtungen, Weinhändler und Unverpackt-Läden sammeln Korken. Recycelter Kork wird zum Beispiel für Bodenbeläge verwendet. 

CD und DVD: Wertstoffhöfe und Elektromärkte sammeln alte CD und DVD. Durch vorheriges Zerkratzen wird der Zugriff auf sensible Daten vermieden. Sie können gut recycelt und neue Silberlinge werden.

Elektroschrott: Alte Elektrogeräte müssen bei kommunalen Sammelstellen oder im Handel abgegeben werden. Große Händler müssen alle Geräte, die maximal eine Kantenlänge von 25 cm haben, kostenlos zurücknehmen. Größere Geräte müssen kostenlos beim Neukauf zurückgenommen werden.

Das kann die Stadt Solingen in Sachen Müllvermeidung noch besser machen

Aber was könnte Solingen besser machen? Henning Wilts sieht besonders bei der Gestaltung von Industrieparks einen Weg. Hier könnten Kommunen stärker darauf achten, „dass da Unternehmen hinkommen, wo der eine den Abfall des anderen bei sich in der Produktion nutzen kann.”

natürlich nachhaltig

Die Wirtschaft könne außerdem noch mehr verbessern. In dem Projekt PuR möchte das Wuppertal Institut herausfinden, welche verpackungsarmen Praktiken es geben kann. „Dazu gehören unter anderem Mehrwegangebote für Hygieneartikel in Drogerien, Unverpackt-Läden, die auch die Transportverpackungen deutlich reduzieren wollen oder Lieferdienste für Essen, die auch mit besonders einfachen Rückgabeangeboten für wiederverwendbare Verpackungslösungen arbeiten”, zählt Wilts auf. Diese Lösungen sparen Geld, Zeit und erhöhen die Kundenbindung. Jedoch sei es für viele Firmen einfacher, jemanden zu bezahlen, der sich um ihre Verpackungsabfälle kümmert, wie die Entsorgungsbetriebe.

Durch das Verpackungsgesetz wurden einige Einwegkunststoffprodukte verboten

Aber: „Abfälle zu vermeiden, spart Geld”, schreibt Svenja Schulze im Abfallvermeidungsprogramm des Bundes von 2020. Die Bundesregierung könne den Rahmen setzen, dass weniger Abfälle entstehen. So trat am 3. Juli 2021 eine Änderung des Verpackungsgesetzes in Kraft. Einige Einwegkunststoffprodukte wie Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen, Wattestäbchen, Luftballonstäbe und Getränkebecher inklusive Deckel sowie Lebensmittelbehälter aus expandiertem Polystyrol dürfen nun nicht mehr in Verkehr gebracht werden.

Außerdem müssen folgende Einwegkunststoffprodukten eine Kennzeichnung tragen, die über den Kunststoffgehalt des Produkts und die unsachgemäße Entsorgung in der Umwelt aufklärt: Binden, Tampons, Feuchttücher und Tabakprodukte mit Filter. Die TBS finden das Gesetz gut, da es helfe Abfallvermeidung voranzubringen.

Verbraucherzentrale kritisiert Änderung des Verpackungsgesetzes

Julia Ogiermann, Umweltberaterin bei der Verbraucherzentrale Solingen äußert allerdings Kritik: Die nun verbotenen Produkte wurden gewählt, da sie an den europäischen Stränden am häufigsten zu finden sind. Damit ist die Auswahl unvollständig. Außerdem sei die Übergangszeit für den Verkauf der Produkte nicht begrenzt und der Mehrwegansatz werde nicht gefördert. Einige Alternativprodukte seien ökologisch nicht besser als die Plastikprodukte. „Der Aufwand für die Herstellung steht in keinem Verhältnis zum Nutzen“, kritisiert Ogiermann.

Im Verpackungsgesetz wurde aber noch mehr festgelegt: Ab 2022 soll die Pfandpflicht auf Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff und Dosen ausgeweitet werden. Tetrapaks bleiben weiterhin pfandfrei. Ab 2023 müssen sogenannte Letztvertreiber, also Restaurants oder Imbisse, Lebensmittel und Getränke auch in Mehrwegverpackungen anbieten. Diese dürfen nicht teurer sein als Einwegverpackungen. Ab 2025 müssen PET-Flaschen zu mindestens 25 Prozent aus Kunststoffrezyklat bestehen, also aus recyceltem Plastik. Ab 2030 müssen Einwegkunststoffgetränkeflaschen zu mindestens 30 Prozent aus diesem Rezyklat bestehen.

Woche der Abfallvermeidung

Vom 20. bis 28. November findet die Europäische Woche der Abfallvermeidung statt. Unter dem Motto „Wir gemeinsam für weniger Abfall – unsere Gemeinschaft für mehr Nachhaltigkeit!” können Bildungseinrichtungen, Vereine und andere Gemeinschaften ihren Beitrag zur Müllvermeidung leisten.
wochederabfallvermeidung.de

Alle Folgen zur Serie „Natürlich nachhaltig“ finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Unfall: Solingerin verliert kurzzeitig das Bewusstsein
Unfall: Solingerin verliert kurzzeitig das Bewusstsein
Unfall: Solingerin verliert kurzzeitig das Bewusstsein
Auf dem Dürpelfest geht es auch am Sonntag rund
Auf dem Dürpelfest geht es auch am Sonntag rund
Auf dem Dürpelfest geht es auch am Sonntag rund
Komischer Geruch - Ungewöhnlicher Feuerwehreinsatz
Komischer Geruch - Ungewöhnlicher Feuerwehreinsatz
Komischer Geruch - Ungewöhnlicher Feuerwehreinsatz
Hier gilt in Solingen zeitnah Tempo 30
Hier gilt in Solingen zeitnah Tempo 30
Hier gilt in Solingen zeitnah Tempo 30

Kommentare