Urban-Gardening-Projekt macht es vor

Natürlich nachhaltig: Verwunschene Gärten sind ein Paradies für Tiere

Die Oase Ohligs Ost ist nicht nur ein Garten, sondern auch Treffpunkt für die Nachbarschaft. Ioanna Zacharaki baut Gemüse an. Foto: Christian Beier
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Die Oase Ohligs Ost ist nicht nur ein Garten, sondern auch Treffpunkt für die Nachbarschaft. Ioanna Zacharaki baut Gemüse an.

Ioanna Zacharaki von der Oase Ohligs Ost gibt Tipps, wie nachhaltiges Gärtnern funktionieren kann.

Von Alexandra Dulinski

Solingen. Summen, Brummen und Insektengeschwirr: So laut und geschäftig sollte es in jedem Garten zugehen. Denn nicht im Kieselgarten oder auf den zubetonierten Parkflächen vor dem Haus tummeln sich die Insekten – ein Paradies für Tiere sind teils verwunschene Gärten, die nicht picobello gepflegt sind, sondern in dem auch mal trockene Pflanzen und Hölzer liegenbleiben dürfen.

Genau für solch ein Paradies setzen sich die Mitglieder der Oase Ohligs Ost in Solingen ein. Hinter dem Galileum und fußläufig vom Solinger Hauptbahnhof gelegen, ist im letzten Jahr ein Urban-Gardening-Nachbarschaftsgarten entstanden. Hochbeete, eine Kräuterspirale, Gemüse und bienenfreundliche Pflanzen zieren den Garten, um den sich aktuell rund 25 Vereinsmitglieder kümmern.

Immer wieder kommt jemand Neues hinzu: „Die Leute gehen vorbei, finden die Idee gut und machen sofort mit“, berichtet Ioanna Zacharaki, Mitglied des Vereins und Hobbyimkerin.

Bitte liegenlassen: Wildbienen brauchen altes Holz und Unkraut

In einem Seminar hat sie viel über Wildbienen gelernt. „Wie können wir die Vielfalt der Wildbienen retten?“, fragt sie und kennt die Problematik: „Wir lassen keine Holzstücke mehr liegen, Unkraut machen wir weg. Dabei sind genau das die Orte, wo Wildbienen sich aufhalten können.“

Tomaten sich anspruchsvoll, können bei genug Sonnenlicht aber auch im Garten wachsen.

Wird Holz, in dem die Bienen ihre Eier ablegen, entfernt, sind die Eier und somit der Nachwuchs verloren. Steine und getrocknete Pflanzen können ebenso liegen bleiben, nach und nach zum Kompost werden und einen Lebensraum für Insekten bieten.

Zierpflanzen pflegen wir, wieso nicht auch Rosmarin oder Salbei?

Ioanna Zacharaki, Oase Ohligs Ost

Ioanna Zacharaki kennt ein paar Tipps, mit denen der Garten ganz schnell nachhaltig wird. Beim Kauf von Blumen sollte jeder darauf achten, insektenfreundliche Pflanzen zu kaufen – Natternkopf, Gilbweiderich, Blutweiderich, Lungenkraut und Brennnessel im Staudenbeet. Die Liste ist lang. Zumeist sind insektenfreundliche Pflanzen im Geschäft ausgezeichnet. „Man sollte lieber etwas mehr Geld ausgeben und dafür etwas Gutes für die Insektenvielfalt tun“, rät Zacharaki.

Und noch einen Gedanken unterstützt sie: Man muss nicht viel Platz haben. So muss es nicht der große Garten hinter dem Haus sein – auch der Balkon, die Terrasse, die Fensterbank oder das Hochbeet eignen sich zum Gärtnern. Minze wachse zum Beispiel fast überall. Zacharaki: „Zierpflanzen pflegen wir, wieso nicht auch Rosmarin oder Salbei?“

Ioanna Zacharaki gibt Tipps für einen nachhaltigen Garten

- Holzstücke, Unkraut und getrocknete Pflanzen sollten liegen bleiben. Sie werden zum Lebensraum für Insekten.

- Das sind insektenfreundliche Pflanzen: Natternkopf, Gilbweiderich, Blutweiderich, Lungenkraut und Brennnesseln

- Eigenes Gemüse und Kräuter anpflanzen geht auch ohne großen Garten

- Jede Pflanze sollte wertgeschätzt werden

Denn darum geht es der Hobby-Gärtnerin: Die eigene Haltung zu verändern und jede Pflanze zu genießen, mit allen Sinnen zu erleben. „Das heißt für mich Leben, das heißt Nachhaltigkeit und Wertschätzung“, sagt sie.

Zuccini, Stangenbohnen, Gurke oder Sellerie: Diese Gemüsesorten sind leicht anzupflanzen

Zucchini und Stangenbohnen seien leicht zu pflanzen. Genauso wie Kräuter und Gewürze aller Art. Die Kräuterspirale in der Oase gedeiht – mit Rosmarin, Basilikum, Salbei und Schnittlauch, die sich gut für Salate nutzen lassen. Auch Gurken, Sellerie und Kohlrabi gehören zum Garteninventar. „Tomaten sind schwierige Pflanzen. Sie kommen nicht immer und brauchen viel Sonne“, weiß Zacharaki. Dennoch versucht sie sich daran.

Ob Paprika, Gurke, Kohlrabi, Sellerie oder verschiedene Kräuter: Bunt gemischt geht es in der Oase zu.

Die Wiese mähen die Mitglieder des Vereins nur lückenhaft. Auf einigen Flächen darf das Gras wachsen. „Auf den Flächen kamen so viele Blumen, ganz viel Wildklee. Wir hatten den ganzen Sommer über so viele verschiedene Wildbienen da wie noch nie“, berichtet sie.

Gerne würde sie auch ihre drei Bienenvölker in der Oase ansiedeln. „Das Problem der Verwüstung begleitet uns aber regelmäßig“, erklärt sie, weshalb sie sich dagegen entschieden hat. Zu unsicher ist es für die Bienen in der Oase.

Kinder sollen in der Oase einbezogen werden

Die Oase ist nicht nur ein Beispiel für nachbarschaftliches Gärtnern. Auch der umliegende Kindergarten, das Jugendzentrum und die Schule sollen einbezogen werden. Kinder können ihr eigenes Hochbeet bepflanzen. Wegen der Pandemie lagen die Pläne in den vergangenen Monaten allerdings brach. Die Ideen seien aber da.

Für Ratsmitglied Ioanna Zacharaki ist die Oase auch ein Beispiel, wie Politik funktioniert: „Wir aktivieren die Bürger, sich zu beteiligen, ermöglichen Kontakte und gemeinsame Aktionen. Da spielt es keine Rolle, wo jemand herkommt.“ Unterstützt wird der Verein von der Stadt. So haben die Mitglieder erst kürzlich einen Container bekommen, in dem alle Geräte gelagert werden können.

Das freut die Insekten:

- Kein Pflanzenschutzmittel benutzen, sondern jäten, harken, hacken

- Rasen selten mähen

- Blühflächen mit heimischen, mehrjährigen Wildpflanzen anlegen

- Abgestorbene Stauden erst vor dem nächsten Austrieb im Frühjahr zurückschneiden

- Teich, Trockenmauer, Totholzhecke und künstliche Nisthilfen

- Eine sonnenbeschienene Stelle ohne dichte Vegetation (für Arten, die Neser im Boden zur Eiablage anlegen)

- Laub mit einem Rechen zusammenkehren, nicht mit Laubbläser oder Sauger

Hier ist die Oase Ohligs Ost zu finden:

Kontakt zum Verein der Oase Ohligs Ost über: www.oase-ohligs-ost.de.

Ein weiteres Beispiel für einen urbanen Garten in der Region ist der Permakulturhof Vorm Eichholz e.V. in Wuppertal. Seit 2016 werde dort auf 3500 Quadratmetern unter anderem Obst und Gemüse angebaut und alternative Gestaltungs- und Anbaumethoden erprobt.

Saatgut-Sharing in der Zentralbibliothek Wuppertal: In der Zentralbibliothek wurde eine Saatgutbibliothek eingerichtet. Ab sofort kann dort Saatgut abgegeben und/oder mitgenommen werden. Die Bibliothek stellt hierzu leere Saatgut-Tütchen zur Verfügung. Wenn wieder samenfestes Saatgut an die Stadtbibliothek zurückgegeben wird, kann so eine Saatgutbibliothek aufgebaut werden.

In Solingen Gräfrath gibt es das Projekt „Meine Ernte“ für Hobby-Gärtner.

Infos über insektenfreundliche Pflanzen und eine Auflistung der Arten gibt es hier: Pflanzen für jeden Geschmack.

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW hat eine Broschüre über Modernes Gärtnern herausgebracht. Denn Gärtnern erholt, fördert die Artenvielfalt und kann Menschen zusammenführen.

Serie:

Hier finden Sie alle Folgen der Nachhaltigkeitsserie.

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