Natürlich nachhaltig

Umweltsünde Bauen: So geht Wohnen nachhaltig

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2020 wurde hier noch fleißig gebaut – jetzt stehen schon die ersten Wohnhäuser im O-Quartier in Ohligs.

Der Bausektor ist ein CO2-Monster. Doch es gibt Möglichkeiten, das zu verbessern - zum Beispiel mit Sanierungen. Die Stadt Solingen bemüht sich schon um Nachhaltigkeit im Bausektor.

Von Valeria Schulte-Niermann

Solingen. Bauen boomt. Das Handlungskonzept Wohnen der Stadt Solingen sieht bis 2025 einen Bedarf von 1000 bis 1500 neuen Wohnungen. Momentan gibt es Ideen für ein Neubaugebiet in Meigen und in Widdert an der Börsenstraße. Doch der Bausektor ist nicht gerade für Nachhaltigkeit bekannt – im Gegenteil.

Solingen erlebt einen enormen Bau-Boom

So umweltschädlich ist die Bau- und Gebäudewirtschaft

2019 machte die Bau- und Gebäudewirtschaft 38 Prozent der globalen CO2-Emissionen aus. Das berichtet der „2020 global status report for buildings and construction“ der Vereinten Nationen (UN). Diese sogenannten grauen Emissionen gehen auf die Herstellung und den Transport von Baumaterialien wie Stahl, Beton und Zement zurück sowie auf die Errichtung des Hauses.

Natürlich nachhaltig

Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) entsteht rund ein Drittel der gesamten Gebäudeemissionen bei der Herstellung dessen. Die restlichen Emissionen entstehen durch das Heizen und sonstigen Energieverbrauch.

Außerdem ist laut Statistischem Bundesamt die Baubranche der größte Müllproduzent Deutschlands. Sie produziert 53 Prozent der jährlichen Abfallmenge. Zudem sind laut dem Deutschen Städtetag Neubauten für rund 70 Prozent des jährlichen Flächenverbrauchs verantwortlich.

Alle Folgen der Serie „Natürlich nachhaltig“

So kann nachhaltiges Bauen gelingen

Doch es gibt einige Möglichkeiten, ein Haus nachhaltig zu bauen oder zu sanieren. Und das schont nicht nur die Umwelt, da weniger Ressourcen verbraucht werden, es hat auch direkte Vorteile für den Menschen. „Mehr Lebensqualität durch Schadstoffvermeidung, gesünderes und längeres Leben, positives Wohn- und Lebensumfeld“, zählt Bauhistoriker Michael Maes, 62, auf.

Energetische Sanierung und Begrünung

Die Stadt Solingen möchte mit der energetischen Gebäudesanierung Heizenergieverbräuche reduzieren und CO2-Emissionen senken, um so das Klima zu schützen. Oft müssen dafür Heizungstechnik, Gebäudehülle, Dächer und Fenster angepasst werden. Hierbei unterstützt das Solinger Kompetenznetz für Gebäudemodernisierung (So.Ko Gebäude) die Solinger Bürger.

Begrünungen können zusätzlich helfen, das Haus im Winter zu dämmen und im Sommer zu kühlen. Außerdem produzieren die Pflanzen Sauerstoff und gleichen somit die Emissionen des Hauses teilweise aus. Welche Dächer für Begrünung von der Lage her geeignet sind, zeigt das Gründachkataster NRW. Die Installation sei bei Neubauten einfacher einzuplanen als beim Sanieren, da hier die Statik beachtet werden muss, sagt Claudia Wackerl von der Unteren Naturschutzbehörde.

Photovoltaik

Die Stadt beschäftigt sich auch mit der Frage, wo Solaranlagen angebracht werden können. Der Denkmalschutz verhindert dabei teilweise die Energiewende. „Das Erscheinungsbild des Denkmals soll nicht verändert werden. In vielen Fällen lassen sich aber Lösungen finden. So können Solaranlagen etwa auf Nebengebäuden installiert werden“, sagt Rathaussprecherin Sabine Rische. Auf 1190 Dächern in Solingen entsteht Solarenergie.

Die Ziele des Denkmalschutzes dienen auch dem Grundgedanken der Nachhaltigkeit.

Sabine Rische, Stadt Solingen

Im Denkmalschutz werden überwiegend Baustoffe aus natürlichen Materialien verbaut, die später nicht aufwendig entsorgt werden müssen, weiß Sabine Rische. Auch werde daran gearbeitet, mit nachwachsenden und recycelbaren Baustoffen zu sanieren und neu zu bauen. Bisher gibt es noch keine Förderung bei der Verwendung dieser Baustoffe. Das werde aber im Sonderprogramm zur Kreislaufwirtschaft verfolgt. Vom Staat gibt es schon die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Dafür ist eine Zertifizierung von der DGNB nötig.

Lieber sanieren als neu bauen

Generell sollte eher saniert als neu gebaut werden, sagt die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. „Wir sollten Gebäude als wertvolle Rohstofflager verstehen“, schreibt die DGNB in ihrem Report „Bauen für eine bessere Welt“.

Auch Rathaussprecherin Sabine Rische sagt, dass beim Erhalt von Bausubstanz erhebliche Ressourcen eingespart werden können gegenüber einem Neubau. „Insofern dienen die Ziele des Denkmalschutzes auch dem Grundgedanken der Nachhaltigkeit.“ Denn die graue Energie ist in jedem Gebäude enthalten. „In der Regel war der Energieaufwand zur Erstellung von Gebäuden in früheren Jahrhunderten deutlich niedriger als heute, da mit einfachen, regional verfügbaren Materialien gearbeitet wurde. Dies ist unter ökologisch-nachhaltigen Aspekten als sehr positiv zu beurteilen“, weiß Rische. Ein Neubau benötigt neue graue Energie, weshalb die Sanierung von alten Häusern nicht mehr Energie verbrauchen, als der Bau von neuen Häusern.

Jeder soll nur so viel Fläche wie nötig beanspruchen

Außerdem müssen für Neubaugebiete oft Flächen versiegelt werden und es gibt noch mehr Nachteile: „Reine Wohnsiedlungen sind Schlafstädte und schaffen die Probleme von morgen wegen fehlender Infrastruktur, erforderlicher Sozialleistungen und hohem Verkehrsaufkommen“, sagt Michael Maes.

Man sollte Leerstände nutzen und wenn möglich in Gemeinschaften oder Tiny Houses wohnen. Auch die DGNB rät, sich zu fragen, wie viel Wohnfläche man benötige. Denn obwohl der Raumwärmebedarf pro Wohnfläche dank Fortschritten in der Energieeffizienz sinke, sinke nicht der Energieverbrauch. Der bleibe stabil hoch, da die Wohnfläche pro Kopf ansteige. So fließen Zweidrittel der Energie bei privaten Haushalten in die Beheizung der Räume.

Mit wiederverwertbaren Materialien bauen

Wenn neu gebaut werden muss, kann auf die Verwendung von nachwachsenden und recycelbaren Baustoffen geachtet werden. Diese sind jedoch teilweise teurer als Herkömmliche. Michael Maes nennt das aber eine Milchmädchenrechnung: „Auf längere Sicht ergibt sich immer eine Positivbilanz durch längere Haltbarkeit und Zugewinn an Lebensqualität“, sagt er. Jedoch müsse man darauf achten, nicht auf Greenwashing hereinzufallen. Also auf Hersteller, die sich und ihre Produkte als ökologischer darstellen, als sie tatsächlich sind.

Die DGNB rät, so einfach wie möglich zu bauen, also Bauprodukte mit geringen Umweltauswirkungen zu nutzen, nachwachsende Rohstoffe, Sekundärrohstoffe und sortenreine Stoffe, die gut recycelbar sind. „Jedes Gebäude kann und muss einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Schon heute ist es möglich, Gebäude als Kraftwerke zu bauen, die mehr erneuerbare Energie produzieren, als sie selbst verbrauchen, und damit klimaneutral sind“, schreibt die DGNB in ihrem Report.

Auch der Garten kann naturnah gestaltet werden, um Tieren und Pflanzen einen Lebensraum zu bieten.

Serie

Die Serie „Natürlich nachhaltig“ beschäftigt sich mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Bergischen Land. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie hier:

www.solinger-tageblatt.de/nachhaltig

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